Das soziale Prien ist sein Steckenpferd

Geld für Projektewie das evangelische Gemeindezentrum aufzutreiben, gelang Hans-Jürgen Schuster auf vielfache Art und Weise. So wurde ein Kartenturnier zum Spendenerfolg. Berger
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Geld für Projektewie das evangelische Gemeindezentrum aufzutreiben, gelang Hans-Jürgen Schuster auf vielfache Art und Weise. So wurde ein Kartenturnier zum Spendenerfolg. Berger

Am 30. April endet die Amtszeit von Bürgermeistern und Gemeinderäten. In Prien werden ab 1. Mai 15 neue Gesichter zum 25-köpfigen Kommunalparlament gehören. Einer der besonders aktiven Kommunalpolitiker, die aufhören, ist Zweiter Bürgermeister Hans-Jürgen Schuster.

Prien – Schuster war und ist vor allem um das soziale Prien eine Herzensangelegenheit. Denn: „Wer wirklich etwas erreichen will, der findet einen Weg. Die anderen finden eine Entschuldigung.“ Dieses westafrikanische Sprichwort hängt gerammt an der Wand in Schusters Dachgeschoss-Büro im zweiten Stock des Rathauses.

Schon die Mutter engagierte sich überaus

Beharrlichkeit und Zielstrebigkeit sind sicher zwei Eigenschaften, die das berufliche und politische Leben Schusters entscheidend mitgeprägt haben. Mit der Muttermilch aufgesogen hat er wohl seine soziale Ader. Seine Mama bekam für ihr soziales Engagement vor gut 20 Jahren das Bundesverdienstkreuz.

Schuster ist seit vielen Jahren Vorsitzender des Priener Diakonievereins, seit Jahrzehnten Kirchenpfleger und im Kirchenvorstand der evangelischen Gemeinde Prien. Ob Kinderbetreuung, Hilfe für notleidende Mitbürger oder Integration von Flüchtlingen – sehr oft hatte der umtriebige CSU-Politiker seine Finger erfolgreich mit im Spiel, auch wenn er nicht öffentlich an vorderer Front agierte.

Mittelbeschaffung eines seiner Steckenpferde

Gelder für gute Zwecke aufzutreiben war und ist eine Spezialität des umtriebigen 76-Jährigen. Als ehemaligem Unternehmer – Schuster war geschäftsführender Gesellschafter einer Firma für Bodenbeläge – kommt ihm das neudeutsche „Fundraising“ wie selbstverständlich üben der Lippen. Es steht für „Mittelbeschaffung“. „Anderen in die Tasche zu greifen, macht mir viel Freude“, übersetzt es Schuster für sich. „Was wir Geld gesammelt haben!“, fängt er im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung an, im Kopf für sich Spenden und Spender aufzuzählen und schüttelt fast ungläubig den Kopf.

Sein Erfolgsgeheimnis: Sich Zeit nehmen für Gespräche und dem Gegenüber genau erklären, wofür das Geld gebraucht wird. Auch als geschickter Verhandler hat Schuster sich immer wieder profiliert. So gelang es ihm dank seiner Beharrlichkeit und eines langen Atems seinerzeit zum Beispiel, Gebäude und Grundstück des ehemals privaten Kinderheims Marquette am Fliederweg für die Gemeinde zu sichern, um Priens erste Kinderkrippe zu verwirklichen. Heute steht dort ein neues Haus für Kinder.

Mitbegründer der Jungen Union Prien

Überhaupt: Kinderbetreuung ist eines der Themen, die Schuster besonders am Herzen liegen. Als er 2001 als Nachrücker für die CSU in den Marktgemeinderat kam, gab es in Prien 207 Plätze in der Kinderbetreuung. Heute seien es 399 und die Tendenz gehe mit dem beschlossenen Bau eines sechsgruppigen Horts neben der Franziska-Hager-Turnhalle in Richtung 500, listet Schuster nicht ohne Stolz auf. Auch wenn er „erst“ 19 Jahre im Kommunalparlament sitzt – politisch engagiert ist Hans-Jürgen Schuster schon seit 1966.

Damals gründete er unter anderem mit dem früheren Bürgermeister Lenz Kollmannsberger und dem ehemaligen Zweiten Bürgermeister und Ehrenbürger Michael Anner senior den Ortsverband der Jungen Union. 1970, also genau vor 50 Jahren trat er in die CSU ein.

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Auch im örtlichen Vereinsleben ist der gläubige Christ tief verwurzelt, ob als Gründer des evangelischen Kindergartenfördervereins oder als ehemals Aktiver und jahrelanger Vizeabteilungsleiter der TuS-Fußballer. Bei über einem Dutzend Ortsvereinen steht Schuster im Mitgliederverzeichnis.

Dass Schuster sich den Prienern nicht nochmal auf der Liste der Christsozialen zur Wahl gestellt hat, hat vor allem gesundheitliche Gründe. Vor ziemlich genau einem Jahr hatte er sich an einer lädierten Schulter einen Keim eingefangen und musste wochenlang im Krankenhaus das Bett hüten (wir berichteten). Kräftemäßig hätte er wohl keine weiteren sechs Jahre so durchgestanden, wie es sein eigener Anspruch ist.

„Niemand darf durchs Netz fallen“

Zu dem gehört es auch, möglichst immer zu helfen, wenn Hilfe nötig ist. Das hat ihm seit Ende 2017 zusätzliche Herausforderungen beschert, als er nach dem Rückzug von Eva Munkler (BfP) auch noch das Amt des Sozialreferenten übernahm und als solcher unter anderem die Weichen stellte für soziale Wohnbauprojekte an der Spitzsteinstraße, die immer mehr Konturen annehmen. Schuster sind aber nicht nur solche Großprojekte wichtig, sondern jeder soziale Einzelfall. „Es ist wichtig, dass man niemanden durchs Netz fallen lässt. Deshalb hoffe ich, dass diese Arbeit fortgesetzt wird“, richtet er eine Bitte an die neuen politischen Mandatsträger. Weil er immer etwas bewegen will, hatte er die Aufteilung von Arbeitsbereichen vor sechs Jahren zur Voraussetzung gemacht, den Posten als Stellvertreter von Jürgen Seifert anzunehmen.

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Im Laufe der Zeit sei zwischen dem Gemeindeoberhaupt und ihm eine Freundschaft gewachsen. Miteinander. Seine Bilanz der Legislaturperiode fällt sehr positiv aus. „Es waren richtig gute sechs Jahre. Was wir für Prien leisten konnten, ist richtig gut.“

Dabei war Schuster durchaus oft im Spannungsfeld zwischen Bürgermeister-Stellvertreter und seiner CSU-Fraktion, räumt er ein und nennt als Beispiel die am Ende äußerst knappe Abstimmung über einen Neubau anstelle des Lechnerhauses an der Beilhackstraße als Flüchtlingsunterkunft. Zugutegekommen ist ihm in seiner Rolle sicher oft, dass Schuster ein Mann ist, der grundsätzlich immer Kompromisse sucht, aber in politischen Kontroversen auch nicht um ein klares Wort verlegen ist.

Viele Projekte auch nach der Amtszeit

Auch wenn der 76-Jährige nun von der offiziellen politischen Bühne abtritt, will und kann er nicht untätig werden. Zum einen sei es seine Mentalität, immer etwas bewegen zu wollen, die ihn oft zu 40-Stunden-Wochen und mehr als ehrenamtlicher Vize-Bürgermeister angespornt haben. Zum anderen will er sein Wissen gern weiter einbringen, um laufende Projekte weiter voranzubringen, wenn der neue Bürgermeister und Gemeinderat ihn fragen, denn: „Anbiedern werde ich mich nicht“, betont Schuster.

Als Mitglied im sogenannten Kompetenzteam ist er unter anderem bestens involviert beim Umbau des König Ludwig Saals. Seine organisatorischen Qualitäten hatte er in der endenden Legislaturperiode unter anderem bei der Planung für die Modernisierung von Galerie und Kronasthaus bewiesen.

Auch wenn also vielleicht immer noch einiges zu tun sein wird: Am meisten freust sich der 76-Jährige nun darauf, noch mehr Zeit mit seinen sechs Enkeln im Alter von sechs bis 13 Jahren verbringen zu können.

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