„Solange es die Gesundheit erlaubt“

Seit 20 Jahrenversieht Gottfried Wolf den Mesnerdienst in der Pfarrei Kammer. In diesen Tagen feierte er seinen 80. Geburtstag. Oberkandler

Gottfried Wolf ist eben 80 Jahre alt geworden und noch immer verrichtet er mit großer Freude seinen Dienst als Mesner in der Pfarrkirche in Kammer. Seit 20 Jahren tut er das und will noch lange nicht damit aufhören. Alles hat damit begonnen, dass Wolf sich um Hausmeisterarbeiten rund um die Kirche kümmerte.

Von Klaus Oberkandler

Kammer – Seit 20 Jahren versieht Gottfried Wolf den Mesnerdienst in der Pfarrei Johannes der Täufer in Kammer. Er hat gerade seinen 80. Geburtstag gefeiert. Anlässlich dieser beiden Jubiläen berichtete Wolf in einem Gespräch mit der Heimatzeitung über seine abwechslungsreiche Arbeit im Dienst der Kirche, die er weitermachen möchte, solange es seine Gesundheit erlaubt. Mit Irmi Gartner steht bereits eine Nachfolgerin bereit. Sie hat 2018 ihre Ausbildung an der überdiözesanen Mesnerschule in Freising abgeschlossen und wechselt sich jetzt schon in 14-tägigem Rhythmus mit Gottfried Wolf im Mesnerdienst ab.

Hausmeisterarbeiten führten ihn zum Dienst als Mesner

Wolf selbst wurde ein „Crashkurs“ in Klostergut Harpfetsham bei Palling angeboten, den er absolviert und sich dabei die nötigen Kenntnisse für den Dienst als Mesner angeeignet hat. Das ist jetzt bald 20 Jahre her. Der gebürtige Münchener ist gelernter Maschinen- und Apparatebauer. Er hat unter anderem über acht Jahre bei der damaligen Traunsteiner Brauerei Kiesel als Betriebsschlosser gearbeitet.

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1970 wechselte er zur Post, wo er bis zu seinem Ruhestand 1996 für die Wartung von Aufzügen, Heizungen und anderem technischen Gerät zuständig war. Privat widmet er sich dem Filmen und der Fotografie. Die Vereinsabende des Filmclubs Traunstein besucht er regelmäßig und liebt den fachlichen Austausch mit Gleichgesinnten. Heuer wurde er für 50 Jahre Mitgliedschaft in der Krieger- und Soldatenkameradschaft Kammer geehrt.

Auf vielerlei Arten mit der Kirche verbunden

Zum Mesnerdienst kam er, weil seine Frau Gisela im Pfarrbüro gearbeitet hat, und er die Hausmeisterarbeit für die Kirche erledigte. „Dazu gehörte es unter anderem, die Kirche auf- und zuzusperren, sich um den Friedhof zu kümmern und im Winter den Schnee zu räumen, bevor die Gläubigen zum Gottesdienst kamen“, erzählt er. Stadtpfarrer Sebastian Heindl habe ihm schließlich vorgeschlagen, den Mesnerdienst zu übernehmen: „Ich hatte damals auch schon öfter meine Vorgängerin vertreten, wenn sie keine Zeit hatte.“

Und auch sonst war Gottfried Wolf auf vielerlei Art mit der Kammerer Kirche verbunden, in deren unmittelbarer Nähe er noch heute wohnt. Von 2002 bis 2010 war er Mitglied des Pfarrgemeinderates. Der älteste seiner drei Söhne ist zudem gelernter Orgelbauer und spielte die Orgel in Kammer. „Ich freue mich heute immer noch besonders über die Arbeit mit den Ministranten“, sagt der 80-jährige Mesner, und dass derzeit etwa 30 Mädchen und Buben ministrierten. „Etwas mehr Mädchen als Buben“, sagt er anerkennend.

Der Mesnerwitz vom Pfarrer

Wolf stellt ihnen allen ein gutes Zeugnis aus: „Sie sind sehr brav.“ An Streiche, die sie ihm gespielt haben, könne er sich nicht erinnern. Auch die ehemaligen Ministranten berichten nur Gutes über Wolf. Er sei immer für sie da gewesen und habe sich „wie ein Vater“ um sie gekümmert.

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Wolf selbst berichtet, auch mit den fünf Priestern, unter denen er in den letzten zwei Jahrzehnten seinen Dienst getan habe, habe es „immer ein gutes und harmonisches Einvernehmen“ gegeben. Durchaus mit Humor. Er erzählt lachend, dass Pfarrer Rupert Berger, mittlerweile 93 Jahre alt, einmal einen Mesnerwitz zum besten gegeben habe. Berger wurde ebenso wie Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI., am 29. Juni 1951 von Michael Kardinal Faulhaber in Freising zum Priester geweiht.

Berger prägte als Dozent für Liturgiewissenschaft durch Lehre, zahlreiche Publikationen und Beratertätigkeiten die Liturgiereform, die durch das II. Vatikanische Konzil angestoßen wurde. Außerdem war er 30 Jahre lang Stadtpfarrer von Bad Tölz. Im Ruhestand kehrte er wieder nach Traunstein zurück, wo er noch heute lebt.

Der Witz handelte von einem Mesner, der mehrfach versuchte, Einlass in den Himmel zu bekommen, an der Pforte aber immer wieder von Petrus mit dem Hinweis abgewiesen wurde, man brauche im Himmel keine Mesner. Als er das dritte Mal keinen Einlass fand, fragte der Mesner nach dem Grund. Petrus antwortete: „Weil wir hier auch keine Pfarrer haben.“

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Zu seinem 80. Geburtstag wünscht sich Gottfried Wolf neben stabiler Gesundheit, dass er noch lange die Kerzen zuschneiden und gerade aufstecken kann, damit der Altar in der Kammerer Pfarrkirche auch „stets ein sauberes Bild abgibt“.

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