Social Dancing statt Social Distancing bei ersten Tanzkursen in Prien nach Lockdown

Silvia Wangler (Mitte) dirigiert in ihrer Tanzschule die Paare bei ersten Kurs nach einem Vierteljahr. Berger
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Silvia Wangler (Mitte) dirigiert in ihrer Tanzschule die Paare bei ersten Kurs nach einem Vierteljahr. Berger

Drei Monate mussten sie die Füße stillhalten. Jetzt dürfen Tänzerinnen und Tänzer wieder aufs Parkett. In den beiden Tanzschulen in Prien war bei den ersten Paarkursen nach der Corona-Pause kaum etwas von Einschränkungen, dafür umso mehr Erleichterung zu spüren.

Von Dirk Breitfuß

Prien – Nach ein paar Takten aus den Lautsprechern wagt ein Paar schon die erste Drehung. Die Freude steht allen ins Gesicht geschrieben beim ersten Tanzkurs nach drei Monaten. Silvia Wangler, Lehrerin und Inhaberin der gleichnamigen Tanzschule an der Bachstraße, hat einen Cha-Cha-Cha zum Wiedereinstieg ausgewählt. Nach der Durststrecke will sie vor allem eins: Freude vermitteln. Sie nennt es „Social Dancing“.

Die vier gemischten Doppel, die den ersten Paarkurs seit Mitte März bilden, gehen auch privat gemeinsame Wege. Das ist eine wichtige Bedingung, um mitmachen zu dürfen. Sonst ist es im Tanzsaal fast so, als gäbe es das Coronavirus nicht. Maskenpflicht gilt nur im Treppenhaus und den Vorräumen. Im Saal selbst dürfen die Masken fallen.

Grüne Punkte auf dem Parkettboden

Stühle und kleine grüne Punkte auf dem Parkett teilen den Raum. Jedes Paar hat seinen Bereich, beim Wiener Walzer im Dreivierteltakt durch den ganzen Raum zu schweben ist zurzeit nicht drin. Aber das tut der Freude keinen Abbruch. „Ein kleiner Neuanfang“ sei der Abend, sagt einer der Herren, und alle nicken.

In den ersten Wochen hatten sie zuhause noch öfter getanzt, um nicht aus der Übung zu kommen. Dann aber schwand langsam die Motivation, geben alle zu. Zu sehen ist es nicht, der Cha-Cha-Cha wirkt ziemlich gekonnt. Wangler nimmt nur kleine Korrekturen vor.

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Die Vortänzerin ist topfit. Sie hat täglich daheim getanzt und fast täglich ein Fitnessprogramm absolviert, erzählt sie im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Für einige Kurse, vornehmlich für jüngere Schüler wie die Hip-Hopper, gab es auch Online-Kurse und Lernvideos von Wangler und ihrer Kollegin Christine Wenger. Die beiden geben den Großteil der Kurse an der Bachstraße.

Der Tanzlehrerin ist die Erleichterung über den Neustart deutlich anzumerken. Jeden Tag hätten sie seit Mitte März Existenzängste geplagt, erzählt sie. „Der Tag, als ich zugesperrt habe, war der Horror“, erinnert sie sich.

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Lange ließ die bayerische Politik die Tanzschulen im Unklaren, wann und wie es weitergehen kann. Jetzt ist Wangler froh, dass die Hygieneregelen relativ human umzusetzen sind. In Baden Württemberg zum Beispiel müssten für jedes Paar 40 Quadratmeter Tanzfläche reserviert sein. Gleichwohl lässt es Wangler langsam angehen und schöpft nicht alle Kapazitäten aus, um in den ersten Öffnungstagen Erfahrungen zu machen. Die sind bisher gut, auch die ersten Kinder hätten sich brav an die Maskenpflicht und die anderen Regeln gehalten, freut sich Wangler.

Korrekturen nur mündlich möglich

Ähnlich lobende Worte findet Bernd Ziegler, der zeitgleich in seiner Tanzschule an der Bernauer Straße auch wieder die ersten Paare unterrichtet. Es ist schwieriger, Korrekturen vorzunehmen bei den Bewegungen, weil er die Tanzschüler, anders als sonst, ja nicht berühren dürfe, sondern nur mit Worten erklären kann, was sie anders machen sollen.

Aber trotz dieser Erschwernis sind auch die Paare bei ihm und seiner Frau Judith mit Feuereifer bei der Sache. Auch Ziegler nutzte während des Lockdowns die neuen Medien und Möglichkeiten, um mit seinen Schützlingen in Kontakt zu bleiben. Ein Beispiel für einen Online-Tanz mit vielen Teilnehmern findet sich in unserer Online-Ausgabe.

Zusatzveranstaltungen wie Discoabende wird es in beiden Priener Tanzschulen auf absehbare Zeit nicht geben. In den Genuss von Discolicht kommen erstmals nur die Teilnehmer der Kurse, die im März plötzlich unterbrochen wurden.

Einnahmeausfälle bei 70 Prozent

Wangler fängt aus Kulanz bei einigen Anfängerkursen noch mal von vorne an. Sie bangt noch um die Feier zum fünfjährigen Bestehen ihrer Tanzschule, die im Herbst steigen soll.

Wie sie ist auch Ziegler dankbar, dass trotz der langen Pause nur einzelne Kunden gekündigt haben und die meisten bei der Stange geblieben sind. Das habe sehr geholfen, die finanzielle Durststrecke mit 70 Prozent Einnahmeausfall zu überstehen, so Ziegler.

In beiden Schulen sind die Leute beim Restart noch zurückhaltend bei den Anmeldungen zu neuen Kursen, die ab dem Wochenende langsam anlaufen sollen. Ziegler und Wangler tasten sich Tanzschritt für Tanzschritt zurück in die Normalität. „Ich fahr halt beim Hiphop nicht auf Vollgas“, sagt Wangler, damit niemand zu sehr ins Schwitzen kommt. Die Umkleiden müssen ja erst mal zu bleiben.

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