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FÜNF JAHRE NACH DER FLUCHT

Der Syrer Ahmad Al Hamede schließt in Traunstein seine Ausbildung als Klassenbester ab

Der frisch gebackene Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik Ahmad Al Hamede (Mitte) mit seinem Chef Klaus Muggenhamer (links) und dem ebenfalls übernommenen Lehrling Alex Wagner (rechts), mit dem der 35-jährige Syrer die Berufsschule besuchte.
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Der frisch gebackene Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik Ahmad Al Hamede (Mitte) mit seinem Chef Klaus Muggenhamer (links) und dem ebenfalls übernommenen Lehrling Alex Wagner (rechts), mit dem der 35-jährige Syrer die Berufsschule besuchte.
  • VonMarkus Müller
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Rund fünfeinhalb Jahre nach seiner Flucht und Ankunft in Deutschland schloss Ahmad Al Hamede in der Berufsschule Traunstein seine Ausbildung zum Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik als Klassenbester ab. Ein Beispiel für gelungene Integration.

Traunstein/Grabenstätt – In Traunstein hat sich der 35-Jährige sehr gut eingelebt und auch beruflich läuft alles nach Plan. Seine Ausbildungsfirma Muggenhamer in Erlstätt übernahm ihn umgehend als Geselle.

Chef lobt den Fleiß und starken Willen

„Ich bin narrisch zufrieden mit ihm, das ist nicht selbstverständlich, dass jemand nach fünf Jahren so gut Deutsch kann und dass der Hansi, wie wir ihn hier bei uns nennen, Klassenbester in der Berufsschule war“, freut sich Klaus Muggenhamer. „Er hat von Anfang einen starken Willen gezeigt und ist sehr fleißig und genau“, lobt der Unternehmer.

Tatkräftige Unterstützung gab es vom Lehrlingskollegen und Klassenkameraden Alex Wagner: „Wir haben uns auf die Prüfungen gemeinsam vorbereitet und ich habe ihm manche Sachen nochmals einfach erklärt, wenn es Verständnisschwierigkeiten gab.“ Die beiden bleiben Kollegen, denn auch Wagner ist von Muggenhamer übernommen worden.

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In Syrien wartet die „Hinrichtung ohne Prozess“

Doch ganz befreit und unbesorgt ist er auch nach seinen schulischen und beruflichen Erfolgen nicht, denn nach wie vor genießt er als Flüchtling nur subsidiären Schutz. Dieser greift, wenn im Rahmen des Asylverfahrens weder der Flüchtlingsschutz noch die Asylberechtigung gewährt werden können und im Herkunftsland ernsthafter Schaden droht.

In Syrien erwarte ihn „die Hinrichtung ohne Prozess, denn ich habe 2015 Fahnenflucht begangen“, erzählt der Ex-Soldat. Er habe fünf Jahre lang im syrischen Bürgerkrieg in der Armee von Diktator Baschar al-Assad gegen die Terrorvereinigung Islamischer Staat (IS) und gegen Rebellen gekämpft. Die Ungewissheit um seine Zukunft in Deutschland belasteten ihn sehr.

Sorge vor Spionage und Konsequenzen

Die Kontakte zu seiner Mutter, die ihn bei seiner Flucht bis zur syrisch-türkischen Grenze begleitet habe, versuche er auf ein Minimum zu beschränken, denn „in Syrien wird man ausspioniert, der Geheimdienst hört Telefonate ab und liest WhatsApp und Messenger mit“.

Am 13. November 2015 ist der Syrer dann nach rund einmonatiger Flucht in Deutschland angekommen und hat seine erste Nacht in München in einer zentralen Flüchtlingsunterkunft verbracht. Kurz darauf kam er als Asylbewerber in die Gemeinde Seeon-Seebruck, wo er zunächst mit anderen Flüchtlingen rund ein Jahr im ehemaligen Gasthaus Gruber Alm in Roitham lebte.

Ehrenamtliche Helfer unterstützten bei der Bewerbung

In Roitham fand er mit den ehrenamtlichen Helfern Peter und Sonja Huber zwei wichtige Ansprechpartner und Vertrauensleute, mit denen er bis heute freundschaftlich verbunden ist. „Sie sind wie Vater und Mutter für mich, und ich freue mich immer, wenn ich sie sehe“, erzählt der Mittdreißiger und erinnert sich daran, wie Peter Huber mit ihm damals eine Bewerbung für ein Praktikum schrieb.

Dem Chef „unheimlich dankbar“ für die Chance

Kurz darauf kam es zu einem erfolgreichen Vorstellungsgespräch bei Firmenchef Klaus Muggenhamer in Erlstätt. „Nach zwei Wochen habe ich ihn gefragt, ob ich eine Lehrstelle bekommen könnte und er hat sofort ja gesagt“, so Al Hamede. Seinem Chef ist er unheimlich dankbar, dass er ihm das alles ermöglicht hat. Das ganze Muggenhamer-Team habe ihn bei den Prüfungsvorbereitungen voll unterstützt, ihm alle benötigten Materialen zur Verfügung gestellt und wichtige Tipps gegeben.

In der Freizeit auf dem Radl unterwegs

„Nach dem vielen Lernen habe ich mich belohnt und mir ein Fahrrad gekauft, das ich nun in Raten abbezahle“, so der frisch gebackene Heizungsbauer, der in seiner Freizeit am liebsten um den Chiemsee radelt und die herrliche Natur genießt. Doch auch zur Arbeit fährt Al Hamede, der zwar einen Führerschein, aber aus Kostengründen kein Auto besitzt, täglich mit dem Fahrrad, und das zu jeder Jahreszeit.

„Niemals aufgeben“

Keine Frage, seiner Einstellung, dass „das Leben ein Kampf ist“ und man „niemals aufgeben darf“, wird er weiterhin treu bleiben. Er hoffe jeden Tag darauf, verrät Al Hamede, dass er endlich die Zusage bekomme, für immer hier in Deutschland bleiben zu dürfen.

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