Nicht nur Truthahnbraten

Zwei Kilo zunehmen an einem Abend? So feiern Amerikaner im Chiemgau Thanksgiving

In der Familie von Mathew Kiplinger wird das Geflügel sogar draußen frittiert. Üblicherweise wird der Braten im Ofen zubereitet.
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In der Familie von Mathew Kiplinger wird das Geflügel sogar draußen frittiert. Üblicherweise wird der Braten im Ofen zubereitet.
  • Heidi Geyer
    vonHeidi Geyer
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Familie, Essen und Football – darum geht es für viele Amerikaner an Thanksgiving, ihrem wichtigsten Feiertag. Einige US-Amerikaner feiern am 26. November auch im Chiemgau. So sieht ihr Thanksgiving-Dinner in Bayern aus.

Chiemgau – Was bei uns ein ganz normaler Donnerstag im November ist, ist für die Amerikaner der wichtigste Feiertag des Jahres. Jeden vierten Donnerstag im November feiern sie Thanksgiving. Im Chiemgau leben auch US-Staatsbürger, die auf der anderen Seite des Atlantik nicht auf ihr Fest verzichten möchten.

Deborah Spaltmann (61) aus Grassau hat schon seit den 1980er Jahren ihren Lebensmittelpunkt in Deutschland, doch der Thanksgiving-Brauch ist ihr immer noch wichtig. Gemeinsam mit zahlreichen amerikanischen Freunden feierte sie 30 Jahre lang das Fest – immer am Samstag nach Thanksgiving.

Zwei Kilo zunehmen an einem Abend

Heuer macht ihr Corona einen Strich durch die Rechnung und sie musste ihr geplantes Thanksgiving-Dinner absagen. Sie speist in diesem Jahr mit ihrem Mann, nur ein leichtes Essen wird es geben. Immerhin kann Debby Spaltmann über die Sozialen Medien verfolgen, wie ihre Freunde Thanksgiving in den USA feiern.

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Das Essen spielte eine große Rolle bei ihren Festen. „Da konnte man tatsächlich zwei Kilo in einer Nacht zunehmen“, erzählt Spaltmann. Als Aperitif starteten die „Stammtisch-Ladies“ mit einem Southern Comfort Cocktail, dazu Gemüse-Sticks und Dips. Weiter ging es mit knusprigen Brotstangen aus Maismehl, Pastinakensuppe, Blattsalaten mit Birne. Und dann folgte der obligatorische Truthahnbraten, gefüllt mit Maisbrot, dazu Rotwein-Jus.

Platz für Nachtisch?

Obwohl Spaltmann selbst Vegetarierin ist, ist, kocht sie gerne Fleischgerichte für Familie und Freunde. Dazu gab es Kartoffel-Sellerie-Pürree und die typische Cranberry-Soße, abgeschmeckt mit Aprikosen und Zitronen. Wer dann noch Platz für Nachtisch hatte, wählte zwischen einem Pie mit Pecannüssen oder mit Crème Caramel.

Corona schränkt Fest ein

Seit zwanzig Jahren fliegt Matthew Kiplinger (47) aus Prien in die USA, um dort Thanksgiving mit seiner Familie zu feiern. Heuer reist er allerdings wegen der Pandemie ohne seine Frau und die beiden Söhne nach Ohio. Er habe aber auch schon in Deutschland Thanksgiving gefeiert, wo er seit 2001 lebt, sagt Kiplinger. Sogar mit Briten habe er schon gefeiert, erzählt er schmunzelnd. Er spielt mit anderen Amerikanern in zwei Bands. Einmal gaben sie zu Thanksgiving ein Konzert in Obing vor 39 Menschen.

Rinderbraten statt Truthahn

Heuer steht die Familie im Zentrum, auch weil es Matthew Kiplingers Vater nicht gut geht. „Thanksgiving ist das Fest, an dem man zusammenkommt und vier oder fünf Tage mit der Familie verbringt“, sagt der Priener. Ein Rückzug gemeinsam mit dem Menschen, die einem wichtig sind, erklärt er.

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„Wir spielen American Football und Baseball. Außerdem schauen wir immer den ersten Star Wars Film und ‚Stirb Langsam‘ an, dazu gibt es Popcorn.“ Zu Essen gibt es bei Kiplingers nicht immer Truthahn, sondern auch mal Rinderbraten. Heuer wird Kiplingers Schwester einen Truthahn in einem Fass frittieren, so ganz genau weiß es Matthew Kiplinger aber noch nicht. Ein spezielles Familienrezept sei das und nicht der klassische Braten aus dem Backrohr.

„Dankbarkeit für das, was wir haben“

Conor Appleton stammt ursprünglich aus Oregon und lebt mit seiner amerikanischen Familie in Unterwössen. Er schwärmt ebenfalls vom Thanksgiving Dinner. „Bei uns gibt es immer Truthahnbraten mit einer Füllung aus Brotwürfeln, Sellerie, Zwiebeln und Austernsoße. Dazu gibt es Gravy, eine Bratensoße, Rosenkohl und dreierlei Erdäpfel: Kartoffelbrei, Bratkartoffeln und karamellisierte Süßkartoffeln.“

Auch bei Appletons speist man zum Nachtisch Pie, entweder mit Apfel oder Kürbis. „Für mich bedeutet Thanksgiving, das zu feiern, was wir haben“, sagt der 24-Jährige. Vor dem Essen beten Appletons und erzählen bei Tisch, wofür sie dankbar sind. Der Hund der Appletons, Collie Rosie, hat an Thanksgiving auch Grund zur Freude: Sie bekommt nämlich zur Feier des Tages Hühnchenfleisch.

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