Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Almgenossen auf Winklmoosalm gegen Liftführung über Almhütten -Auch Minister Brunner sagt Nein

Aus Skischaukel wird offenbar nichts

Vom Hang der Rossalm, also dem ersten Skihang auf Winklmoos, der über den Scheibelberg zur Steinplatte weiterführt, ist die Winklmoosalm zu sehen. Im weiteren Hintergrund wäre nach den Vorstellungen der Unkener Interessenten der neue Dürrnbachhornlift entstanden. Des Weiteren ein neuer Verbindungslift, der dann über den Dächern der Winklmoosalmhütten zur Bergstation dieses Rossalmliftes geführt hätte. Genauere Planungen lagen nicht vor, wohl aber eine Luftbildaufnahme mit der eingezeichneten Trassenführung. Foto Ostermaier
+
Vom Hang der Rossalm, also dem ersten Skihang auf Winklmoos, der über den Scheibelberg zur Steinplatte weiterführt, ist die Winklmoosalm zu sehen. Im weiteren Hintergrund wäre nach den Vorstellungen der Unkener Interessenten der neue Dürrnbachhornlift entstanden. Des Weiteren ein neuer Verbindungslift, der dann über den Dächern der Winklmoosalmhütten zur Bergstation dieses Rossalmliftes geführt hätte. Genauere Planungen lagen nicht vor, wohl aber eine Luftbildaufnahme mit der eingezeichneten Trassenführung. Foto Ostermaier

Reit im Winkl - Immer unrealistischer wird offenbar die Verwirklichung der Skischaukel zwischen dem Heutal und dem Skigebiet Winklmoos/Steinplatte, einem seit genau 40 Jahren von Kommunalpolitikern, Unternehmern und Wintersportlern aus Unken (Salzburger Land) hartnäckig verfolgten Plan.

Zuletzt hatte der Hotelier Matthäus Unseld mit der Übernahme der Dürrnbachhornbahn, einem für die Skischaukel elementaren Bindeglied zwischen beiden Regionen, ein Zeichen gesetzt, das Umweltschützer, Vertreter der Forstverwaltung ebenso wie die "Aktionsgemeinschaft zum Schutz der Saalforste und des Sonntagshorns" auf den Plan rief (wir berichteten mehrfach).

Selbst der bayerische Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) sah sich genötigt, bezüglich dieses Projektes klare Stellung zu beziehen. "Ich halte eine Neuanlage aus forst-, umwelt- und wirtschaftspolitischer Sicht für nicht akzeptabel", wie er sich in einer schriftlichen Stellungnahme äußerte. Nun hofften die Befürworter der Schischaukel wenigstens auf die Unterstützung der Almgenossen auf der Winklmoosalm, ohne deren Zustimmung nach derzeitigem Planungsstand eine Verbindungstraße nicht geschaffen werden kann. Vor wenigen Tagen nun kamen rund 30 Mitglieder der Almgenossenschaft zu ihrer jährlichen Versammlung im Hotel Unterwirt zusammen. Nach über einstündiger Diskussion stimmte die große Mehrheit der Almgenossen gegen das Projekt.

Schon im Mai 2012 hatten Unseld und ein Salzburger Investor bei den Grundbesitzern des Winklmoosgebiets, der Genossenschaft also, eine Skizze vorgelegt mit der Bitte um Prüfung und Unterstützung. Dabei war geplant, den bestehenden Dürrnbachhorn-Sessellift durch einen nach Süden versetzten Neubau auszutauschen, eine neue Berg- und eine neue Talstation hätten entstehen sollen. Zudem hätte auch ein 450 Meter langer Verbindungslift zwischen der Dürrnbachhorn-Talstation und dem Rossalmlift hergestellt werden müssen. Die Wintersportler wären dabei unmittelbar über den Dächern der Winklmoos-Almen von der einen zur anderen Station befördert worden.

Ein klares Meinungsbild hatte sich unter den Almgenossen vor einem Jahr noch nicht ergeben, vielmehr wollte man abwarten, wie sich die Genehmigungsbehörden, die Politik, die Umweltschützer äußern würden. In der Sitzung der Almgenossen wurde jetzt neuerlich über die in einem Luftbild eingezeichnete Trasse mit all ihren Konsequenzen debattiert - keiner der beiden Unkener Antragsteller war dabei anwesend. Wesentliches Argument der Gegner unter den Almgenossen war offenbar die Liftführung über die Almhütten. "Dies haben sich viele der Anwesenden überhaupt nicht vorstellen können", wie einer der Almbauern nach der insgesamt fünfstündigen Sitzung erklärte.

Die Befürworter stellten dem Vernehmen nach diesen Bedenken eine gesteigerte, touristische Attraktivität entgegen, mehr Gäste also, mehr Umsatz.

Schließlich lehnte die überwältigende Mehrheit der Almgenossen diesen Antrag ab. "Damit ist dieser Plan zwar abgelehnt", erklärt der Vorsitzende der Almgenossen, Josef Speicher, auf Anfrage. Es sei aber gut möglich, dass in den kommenden Jahren eine modifizierte Variante vorgelegt werde. Schließlich habe ja auch die Realisierung der Gondelseilbahn von Seegatterl auf Winklmoos einen langen und nicht einfachen Genehmigungsweg hinter sich.

Es sind Aussagen wie diese, welche "die Aktionsgemeinschaft zum Schutze der Saalforste und des Sonntagshorns e.V." hellhörig werden lassen - von Anfang an kämpften die Mitglieder vehement gegen das Projekt. "Wir sind über diesen ablehnenden Beschluss der Almbauern sehr froh", erklärt einer der Mitbegründer der Schutzgemeinschaft, Walter Kellermann. Er sieht zudem ganz andere Möglichkeiten, die Region touristisch zu stärken. "Es wäre wesentlich sinnvoller, mit Unken ein Bergsteigerdorf zu begründen", dazu gebe es österreichweit schon einige erfolgreiche Vorbilder. Auch der Alpenverein auf österreichischer wie auf deutscher Seite würde dies tatkräftig unterstützen. Eine mögliche Zukunft sieht Kellermann in der Weiterführung der Dürrnbachhornbahn im Sommer als Nostalgiebahn, bei größeren Renovierungen sei auch eine finanzielle Unterstützung vom bayerischen Wirtschaftsministerium denkbar, so der Bergführer.

Die Frage, wie die in die Jahre gekommene Bahn künftig genutzt werden solle, beschäftigte auch die Almbauern in ihrer Sitzung. In einem weitergehenden Beschluss votierten sie mit großer Mehrheit, die Bahn möglichst weiterzubetreiben, zu sanieren und als Nostalgiebahn zu erhalten.

In diese Richtung plant für die nahe Zukunft auch Matthäus Unseld. Etwas zerknirscht räumt er auf Anfrage zwar ein, "dass ich mit dem ablehnenden Beschluss in Bezug auf die Skischaukel wohl leben muss", er beabsichtigt aber durchaus, die Bergstation zu modernisieren und auch die Sesselbahn den zeitgemäßen Bedürfnissen anzupassen. Erhalten und weiterführen wolle er die Bahn "in jedem Fall", so Hotelier Unseld. Auch wenn das Großprojekt, die Skischaukel, wohl nicht zu verwirklichen sei. "Man kann halt nix erzwingen."

Kommentare