Noch bis 11. Juni: 

Sirenen an den Gleisen in Prien: Was Arbeiter schützt, macht die Anwohner rasend

Bis zu 600 Meter lang sind die gelben, zum Teil vollautomatisierten Spezialzüge, die derzeit das Gleisbett wischen Bad Endorf und Übersee sanieren. 

Im Rahmen von Gleiserneuerungsarbeiten sind derzeit zwischen Prien und Übersee große Baumaschinen im Einsatz. Deren Warnsignale gehen vielen Bürgern auf die Nerven. Was steckt dahinter?

Prien - Es sind wahre Ungetüme, die seit Anfang April auf der Bahnstrecke zwischen Bad Endorf und Übersee zur Sanierung des Gleisbetts eingesetzt werden. Bis zu 600 Meter lang sind die gelben, zum Teil vollautomatisierten Spezialzüge, die auf der 15,5 Kilometer langen Strecke Schienen, Schwellen, Schotter und das darunter liegende Sand-Kies-Gemisch (Planum) austauschen. Was derzeit vielen Bürgern ziemlich auf die Nerven geht, sind die lauten Warnsignale, mit der die Arbeiter der Gleisbauzüge vor heranrasenden Zügen auf dem Nachbargleis gewarnt werden. Diese sind kilometerweit zu hören und rauben den Bürgern teilweise sogar nachts den Schlaf. 

Wie ein Bahnsprecher aus München auf Anfrage der Chiemgau-Zeitung erklärte, sind die Warnsignale aus Gründen der Unfallverhütung zwingend vorgeschrieben. Nur so lässt sich der Zugverkehr während der Arbeiten zumindest auf einem Gleis aufrechterhalten. Da die Bahnlinie München-Rosenheim-Salzburg zu den wichtigsten Ost-West-Verbindungen im süddeutschen Streckennetz gehört, wolle man nach Möglichkeit auf eine Komplettsperrung verzichten, sagt der Sprecher. In diesem Fall würden zudem Züge ausfallen und durch Busse ersetzt werden müssen. Keine genauen Angaben machen wollte der Sprecher über die genaue Lautstärke der Warnsignale. Diese müssten „mindestens drei Dezibel lauter sein“ als der Maschinenlärm des Gleisbauzugs. Aufgrund übergeordneter Unfallvorschriften gebe es hier keinen Ermessensspielraum. Die Signale dienen zum Schutz der Arbeiter. Die Zahl schwerer Arbeitsunfälle konnte so deutlich reduziert werden, erklärt der Sprecher der Bahn aus München. 

14.000 Schwellen und 13,9 Tonnen Schotter 

Unterschiedliche Informationen gab die Bahn zu den Betriebszeiten, in denen die Warnsignale zu hören sein sollen. Während in Handzetteln an Anwohner von Arbeiten „rund um die Uhr“ die Rede war, hieß es in der Antwort auf eine Presseanfrage der Chiemgau-Zeitung, dass die Gleisbauarbeiten „aus Rücksicht auf die Anwohner auf die Tageszeiten zwischen 6 und 22 Uhr beschränkt“ werden sollen. Bis vergangene Woche wurden die Gleise in den Bahnhöfen Bad Endorf und Prien sowie das Gleis von Bad Endorf in Richtung Prien erneuert. Dabei tauschten die Bahnmitarbeiter 16,9 Kilometer Schienen, 14.000 Schwellen und 13,9 Tonnen Schotter aus. Aktuell laufen noch bis 7. Mai die Arbeiten in umgekehrter Richtung am Gleis von Prien nach Bad Endorf. 

Zwischen 7. und 23. Mai will die Bahn das Gleis von Prien in Richtung des ehenmaligen Bahnhofs Rottau erneuern. Im Anschluss folgen bis 11. Juni Arbeiten am Gleis in der Gegenrichtung. Von 6. bis 13. Juni sind Erneuerungsarbeiten am Überleitgleis zwischen Rosenheim Ost und Rosenheim Süd sowie am Abzweig-Gütergleis Rosenheim Süd bis Landl vorgesehen. In diesem Bereich werden lediglich die Gleise erneuert. 

Bauzüge arbeiten hochautomatisiert 

Bei den Gleisbauarbeiten kommen zwei hochautomatisierte Gleisbauzüge zum Einsatz. Sie sorgen für die nach etwa 20 bis 30 Jahren notwendige Erneuerung des Schienenfundaments. Im Einsatz ist dabei nach Auskunft der Bahn pro Zug eine Arbeitsrotte von acht bis zehn Mitarbeitern. Die sogenannte Bettungsreinigungsmaschine sorgt mit ausgefeilter Technik dafür, den Schotter und die darunter liegende Planumsschicht zu entfernen und auszutauschen. Um Ressourcen zu schonen und Transportkosten zu sparen, wird ein Teil des Schotters im Rahmen eines Recyclingprozesses zurückgewonnen, aufbereitet, vor Ort mit Neuschotter gemischt und gleich wieder eingebaut. Schotter, der sich etwa aufgrund von Größe, Form oder Porösität nicht mehr verwenden lässt, wird „sortengerecht“ entsorgt. 

Der Austausch der Schienen erfolgt im Anschluss mit einem sogenannten Gleisumbauzug. Schienen und Schwellen werden dabei vollständig erneuert. Die Altschienen werden komplett eingeschmolzen und zur Produktion von Neumaterialien wiederverwendet. Auch Altschwellen werden teilweise aufbereitet und auf weniger stark genutzten Nebengleisen verbaut. Beide Großbaumaschinen für die Gleiserneuerung schaffen bei guten Bedingungen rund 250 Meter pro Stunde. 

Wichtige Teile der europaweit eingesetzten Großbauzüge werden übrigens von der Firma Robel Bahnbaumaschinen in Freilassing hergestellt. In den Bahnhöfen können die Großbaumaschinen aufgrund beengter Verhältnisse nicht zum Einsatz kommen. Für die dortigen Bauarbeiten wird deshalb konventionell mit Baggern, Schienenhebern und Winden gearbeitet. Wie die Deutsche Bahn weiter informiert, werden heuer allein in Bayern rund 1,6 Milliarden Euro für Qualitätsverbesserungen im Schienennetz investiert. Wesentlicher Bestandteil davon sind Bauarbeiten. Die gesamten Gleiserneuerungsmaßnahmen zwischen Rosenheim und Übersee schlagen dabei mit 16 Millionen Euro zu Buche.

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