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Erinnerungen in Buchform: Siegsdorfer radelte 100.000 Kilometer durch die weite Welt

Claus Unterbuchberger auf der 80 Kilometer langen Pistenfahrt vom Roten Meer (Dahab) zum Katharinen-Kloster unterhalb des Berg Moses.
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Claus Unterbuchberger auf der 80 Kilometer langen Pistenfahrt vom Roten Meer (Dahab) zum Katharinen-Kloster unterhalb des Berg Moses.

Er überquerte den Himalaya und verbrachte im Iran die Nacht unter hellglitzernden Sternen am blauschwarzen Himmel. Claus Unterbuchberger trägt einen riesigen Schatz an Erinnerungen in sich von unzähligen Radreisen auf allen Kontinenten. Die veröffentlichte er nun in einem Buch.

Siegsdorf – Rund 100.000 Kilometer legte er im Sattel zurück. Der 76-Jährige will Menschen mitnehmen auf seine Reisen und anregen, sich auf den Weg zu machen zu fernen Zielen. Dazu veröffentlichte Claus Unterbuchberger sein Buch „Radle ins Leben – steig niemals ab“, das neben frühen Ruhpolding-Erinnerungen seine Reisen in den Jahren 1961 bis 1980 umfasst.

Mit 16 Jahren auf dem Rad nach England

Seine erste Auslands-Radtour führte den gebürtigen Ruhpoldinger mit 13 Jahren ins österreichische Salzkammergut, mit 16 durchquerte er Deutschland und radelte bis nach England. „Seit ich radeln kann, benutze ich das Rad, um Unbekanntes zu entdecken“, erklärt er im Interview mit der Chiemgau-Zeitung. „Auch wenn das früher nur der alte Marmor-Steinbruch in Ruhpolding war“, fügt er humorvoll an.

Reisegeld in der Großmarkthalle verdient

Als junger Mann und als Student habe er zwei Wochen lang von frühmorgens bis abends in einer Großmarkthalle gearbeitet, um sich die 300 D-Mark für die nächste Radreise zu verdienen, erinnert sich Unterbuchberger. Der Vater, ein Friseurmeister mit einem Geschäft in Ruhpolding, legte noch ein bisschen was dazu. Alternativ ins bequemere Reisemittel Auto umzusteigen, war für ihn nie ein Thema.

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Leidenschaft fürs Radfahren war größer, als die Sehnsucht nach einer Freundin

„Die Leidenschaft fürs Radfahren zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben. Ich habe erst mit 23 Jahren den Führerschein gemacht, als es geschäftlich unumgänglich war.“ Für eine Freundin hatte er bei drei Stunden Radfahren täglich damals noch keine Zeit. Die Ausdauer und Zähigkeit, die er bei seinen Radtouren benötigte, halfen ihm später für seinen beruflichen Erfolg, ist der Siegsdorfer überzeugt. Auch das Selbstbewusstsein.

Vom privilegierten Ort in die weite Welt

Claus Unterbuchberger wohnt seit Jahrzehnten mit seiner Frau Hanni auf dem Oberscharam – unterhalb des Klosters Maria Eck. Die beiden wissen, dass das ein Privileg ist, wie er sagt. Trotzdem zog es ihn immer wieder in die Ferne. Die vielen Radtouren führten Unterbuchberger um die ganze Welt. Er bereiste auf dem Fahrrad Europa, den Mittleren Osten, Asien, Russland, Nordafrika, Südamerika, Australien und Neuseeland. Die weiteste Strecke auf dem Rad legte er mit über 4 000 Kilometern von Bremen aus nach Skandinavien zurück. Die letzte lange Auslandsreise auf dem Rad absolvierte der 76-Jährige vor zwei Jahren mit 500 Kilometern in Vietnam.

„Man bekommt nur, was man selbst auf den Weg bringt.“

In seinem Buch berichtet er auf 426 Seiten von seinen vielen Reisen. „Wenn nur einer sich mit dem Rad auf dem Weg macht, war es die Mühe wert, es zu schreiben“, so sein Wunsch. Unterbuchbergers Botschaft: „Im Leben ergibt sich nichts von alleine. Man bekommt nur sicher, was man selbst auf den Weg gebracht hat.“

Alleinsein, Schmerz und Erschöpfung

Radfahren ist für den studierten Werbefachmann, Unternehmer, Entwickler und Verwalter von eigenen Markenrechten Sport und Entspannung zugleich. Neben Ausdauer war es die Fähigkeit, sich alleine auf dem Fahrrad stundenlang mit sich selbst zu beschäftigen, die er benötigte. Oft aushalten musste er Schmerz und Erschöpfung. „Du lernst, immer wieder an deine Grenzen zu gehen.“

Jedes Gepäckstück bedeutet Gewicht

Was nahm er mit auf die Reise? „Meine Packliste ist immer die gleiche“, erklärt er. „Jedes unnötige Stück bedeutet Gewicht. Im Norden benötigt man deutlich mehr, als in südlichen Regionen.“ Die wichtigsten Reiseutensilien neben dem Rad selbst seien Pass, Reise-Tagebuch und Fotoapparat.

Noch mit 76 Jahren steigt Claus Unterbuchberger aufs Fahrrad

Die unzähligen Erlebnisse und Momente hält er nicht nur mit der Kamera fest, sie stehen ihm alle lebendig vor dem inneren Auge. Zu Beginn seiner Auslands-Radtouren hätten die Überquerung des Ärmelkanals, der Besuch von Oxford-Cambridge und London sowie das Zusammentreffen mit einem Lehrer einen „gewaltigen Entwicklungs-Schub“ ausgelöst. Das hielt bis heute. Immer noch steigt der 76-Jährige auf Rad und Ski. Und schreibt schon am zweiten Buch. Viel gibt es noch zu erzählen.

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