Siegsdorfer Gemeinderat vehement gegen Straßenverbreiterung – Bahn plant Umbau

Der Bahnübergang soll nach den Plänen der Bahn auf Kosten des Gehweges am Rathaus verbreitert werden.
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Der Bahnübergang soll nach den Plänen der Bahn auf Kosten des Gehweges am Rathaus verbreitert werden.

Der Verkehr im Siegsdorfer Ortszentrum ist verbesserungswürdig. Nun möchte die Deutsche Bahn im Rahmen eines Umbauprojekts die Straße am Rathaus verbreitern. Dagegen wehrt sich der Gemeinderat.

Von Franz Krammer

Siegsdorf– Zur Vorstellung der Planungen für den Umbau des Bahnhof-Bereiches und der drei Bahnübergänge im Siegsdorfer Ortszentrum waren Vertreter der DB Regio-Netz Infrastruktur GmbH aus Mühldorf und zwei Vertreter des ausführenden Planungsbüro für Verkehrsplanung Fuchs aus Chemnitz zur Gemeinderatssitzung in den Festsaal gekommen.

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Kerstin Mannhaupt vom Ingenieurbüro erläuterte den Umfang der Maßnahmen und ging besonders auf einige baulich schwierig zu lösenden Problempunkte ein. Geplant seien der Ersatz des bisherigen Mittelbahnsteiges durch einen neuen Außenbahnsteig auf der Rückseite des Raiffeisen Lagerhauses und die damit erforderliche Anpassung der Gleis- und Oberleitungsanlagen.

Veraltetes Stellwerk wird ersetzt

Das veraltete mechanische Stellwerk werde aus dem Bahnhofsgebäude ausgelagert und durch ein neues elektronisches Stellwerk mit optimaler Ankopplung der drei Bahnübergänge ersetzt, was auch deren Anpassung zur Folge habe. Der Übergang an der Ruhpoldinger Straße werde dabei mit einseitigem Gehweg und besserem Querungswinkel erneuert, der Übergang am Bahnhof erhalte beidseitig einen Fußgängerweg und damit eine Anbindung an den zusätzlichen Außenbahnsteig.

Behinderungen durch Baumaßnahmen

Größter Problempunkt sei dabei der Umbau des Bahnüberganges am Rathaus, der nach den Bestimmungen des Eisenbahnbundesamtes eine Verbreiterung der Straße am Pfarrerberg zur Folge hätte. Die aufwendigen Baumaßnahmen seien aber auch mit massiven Behinderungen und Einschränkungen während der Umsetzung verbunden.

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Bürgermeister Thomas Kamm erkundigte sich über den Zeitplan und der Abfolge der Sperrungen. „Die Hauptarbeiten sind im Zeitraum von Mitte August bis Mitte September 2021 geplant, in dieser Zeit wird auch der Zugverkehr eingestellt sein“ sagte Mannhaupt. Für die Übergänge seien jeweils zwei Wochen Sperrzeit eingeplant, beginnen möchte man an der Hauptstraße bereits Anfang August. Anschließend folge der Übergang am Bahnhof und im September der an der Ruhpoldinger Straße. „Es wird aber immer nur einer der drei Übergänge gesperrt sein“, sagte Mannhaupt.

Gehsteig soll verengt werden

Verwunderung bis Unmut regte sich im Gemeinderat zur Planung an der Hauptstraße, nach der die Bahn den Gehsteig am Rathaus auf 1,30m verengen möchte. Hintergrund sind Vorschriften der Bahn die eine Ausweitung der Gemeindestraße, die als Umleitungsstrecke für die A8 ausgewiesen ist, zur Folge haben. Als Alternativen schlugen die Planer einen stufenlosen Umbau des nördlichen Treppenweges, den barrierefreien Umbau des Billmayer Berges mit einem Fahrstuhl oder die Einrichtung von vorgeschalteten Lichtzeiten mit Wartezeiten bis zu vier Minuten vor.

Zeit drängt

Aus allen Fraktionen kamen dazu Fragen und Anregungen. Die Vertreter der Bahn und des Ingenieurbüros machten deutlich, dass die Zeit dränge, sie jedoch für Vorschläge und gemeinsame Lösungen dankbar seien, um ein Planfeststellungsverfahren zu vermeiden.

Keine Kosten für die Gemeinde

Die Kosten der Umbaumaßnahme werden laut Planern zu je einem Drittel die Deutsche Bahn und die Bundesrepublik Deutschland übernehmen, das verbleibende Drittel teilen sich der Bund und das Land Bayern, sodass der Gemeinde keine Kosten entstehen.

Bürgermeister Kamm fasste in seinem Fazit die vorgebrachten Bedenken seines Gremiums zusammen und verdeutlichte: „Vergessen sie vor lauter Regeln und Vorschriften nicht die Probleme der Gemeinde und der Bevölkerung.“ In weiteren Gesprächen werde man versuchen, mit den Planern an alternativen Lösungen zu arbeiten.

Optionen werden geprüft

Die Gemeinde werde mit der Autobahndirektion bezüglich der Umfahrungs-Situation oder einer möglichen Beschränkung des Durchgangsverkehrs für LKW´s Kontakt aufnehmen, die Planer sollen den stufenlosen Umbau der nördlichen Treppe mit einem Abbruch der Stützmauer und der Treppen oder dem Einbau eines Aufzuges genauer untersuchen.

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