Nach 2 Jahren Verhandlungen

Siegsdorf setzt sich bei Behörden durch: Ab sofort Tempo 30 im Ortskern

In der Siegsdorfer Ortsmitte gilt ab sofort von Kreisel zu Kreisel Tempo 30: Die Bauhof-Mitarbeiter Rupert Huber und Michael Lindner montieren auf dem Bild die entsprechenden Schilder auf der Traunbrücke.
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In der Siegsdorfer Ortsmitte gilt ab sofort von Kreisel zu Kreisel Tempo 30: Die Bauhof-Mitarbeiter Rupert Huber und Michael Lindner montieren auf dem Bild die entsprechenden Schilder auf der Traunbrücke.
  • vonFranz Krammer
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Endlich ist es soweit: In der Siegsdorfer Ortsmitte gilt ab sofort Tempo 30. Vorangegangen waren zwei Jahre lange Verhandlungen mit Behörden und Polizei, Lärmberechnungen, Gutachten und Geschwindigkeits-Messungen.

Siegsdorf – Das Limit betrifft den Bereich zwischen dem Kreisverkehr an der Traunbrücke und dem Kreisel am Sparzer Weg. In den nächsten Monaten können sich die Verkehrsteilnehmer an die neue Regelung gewöhnen, bevor im neuen Jahr dann die ersten Geschwindigkeitsmessungen erfolgen werden.

Idee: Hinweise auch auf der Straße

Der Gemeinderat, der von der lange ersehnten Zulassung im Rahmen der vorangehenden Sitzung erfuhr, zeigte sich erleichtert und zufrieden, dass die Umsetzung des Tempolimits nun endlich zum Tragen kommt. Sind dadurch doch weniger Lärmbelastung für die Anwohner und erheblich mehr Sicherheit für die Passanten entlang der Ortsdurchfahrt zu erwarten. Stefanie Buchner (UW), die im Frühsommer 2018 mit ihrem Antrag für eine Temporeduzierung das Verfahren angestoßen hatte, regte dazu noch an, im Frühjahr auch auf den Fahrbahnen optische Hinweise zur Beschränkung auf 30 Km/h anzubringen.

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Auch in Rimsting beschäftigt das Tempolimit den Gemeinderat

Das Ringen um eine Verkehrsberuhigung in Siegsdorf verlief ähnlich zäh wie in vielen anderen Kommunen: Im Juli 2018 beauftragte der Gemeinderat die Verwaltung mit der Prüfung einer rechtlichen Umsetzung einer 30 Km/h-Beschränkung, worauf im August Gespräche mit Polizei und dem Landratsamt stattfanden. Dabei wurde klar, dass eine solche Maßnahme nur an Unfallschwerpunkten, Altenheimen, Kitas oder Schulen möglich sei. Nachdem die Bürgermeister Thomas Kamm (UW) und Manfred Guggelberger (CSU) ein Seminar zum Thema besucht hatten, wussten sie um die Möglichkeit, die Lärmbelastung der Anlieger als Anlass für ein Tempolimit zu nutzen.

Lärmbelästigung mit 74 Dezibel

Im Dezember 2018 gab die Gemeinde ein Lärmgutachten in Auftrag, das erst im Juli 2019 bei der Verwaltung einging und ernüchternde Zahlen aufwies: Auf Basis der prognostizierten Verkehrszahlen für das Jahr 2030, ergaben sich im Gutachten an den Häuserfronten entlang der Hauptstraßen in Siegsdorf und Eisenärzt Werte bis zu 74 Dezibel, was die Autoren als gesundheitsschädlich einstuften. In der Folge ließ sich die Gemeinde von einer spezialisierten Rechtsanwalts-Kanzlei über das weitere Vorgehen beraten und führte erneut Gespräche mit Verkehrspolizei und Behörden. Parallel dazu ergab eine Umfrage des Gewerbeverbundes bei einigen Hundert Siegsdorfer Bürgern ein eindeutiges Votum von rund 75 Prozent für die Tempo-Beschränkung.

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Keine Ortsumfahrung für Eisenärzt

Nach einer weiteren Grundsatzentscheidung des Gemeinderates für Tempo 30 erst in Siegsdorf, anschließend in Eisenärzt im November 2019, erstellte die Kanzlei den Entwurf einer Verkehrsrechtlichen Anordnung zur Vorlage bei den Behörden. Nach einer „Nachbesserung“ in Absprache mit der Rechtsabteilung des Landratsamts konnte dann endlich grünes Licht für die Maßnahme gegeben werden.

Für die Ortsdurchfahrt Eisenärzt, so Bürgermeister Thomas Kamm, werde allerdings ein Lärmaktionsplan erforderlich werden, der demnächst in Zusammenarbeit mit der erfahrenen Kanzlei angegangen werden soll. Zweiter Bürgermeister Guggelberger meinte dazu: „Schade, dass die Visionen der Gemeinde zu einer Ortsumfahrung von Eisenärzt bei den zuständigen Behörden kein Gehör finden.“ Er ermunterte das Gremium und die Verwaltung aber, nicht aufzugeben und die Umsetzung einer praktikablen Umfahrung im Auge zu behalten.

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