Siebenbürgerheim in Rimsting vom Virus verschont

Striktes Hygienekonzept:In dem Heim für Siebenbürger Sachsen in Rimsting ziehen Bewohner und Mitarbeiter an einem Strang und setzen die Regeln konsequent um. Thümmler

Rimsting – In vielen Alten- und Pflegeheimen häufen sich die Infektionen mit dem Corona-Virus: Im Siebenbürgerheim in Rimsting gibt es dagegen noch keinen I nfektionsfall – weder bei Bewohnern noch bei Mitarbeitern. Heimleiter Michael Schlander über seine Strategie gegen die Pandemie.

Von Hans Thümmler

In dem 1953 eröffneten Haus mit seinen derzeit 71 Pflegeplätzen und 47 sogenannten Rüstigenplätzen wohnen 72 Siebenbürger Sachsen. Seit dem 1. Juni 2019 leitet der 39-jährige Michael Schlander das Altenheim in Rimsting. Der aus dem Augsburger Raum stammende ausgebildete Gesundheits- und Krankenpfleger hat ein Studium im Fach Gesundheits- und Sozialmanagement absolviert.

Michael Schlander fordert Hilfe vom Staat. re

Worauf führen Sie zurück, dass es bei Ihnen keine Infektionen gibt?

Michael Schlander: Dies ist neben den frühzeitigen Schutzmaßnahmen der Aufklärungsarbeit und Disziplin innerhalb der Einrichtung zu verdanken. Die Heimleitung und der Trägerverein haben sehr früh, bereits weit vor den Verordnungen der Bayerischen Staatsregierung, die Maßnahmen zum Gesundheitsschutz eingeleitet und umgesetzt.

Wie haben die Heimbewohner reagiert?

Schlander: Die Heimbewohner haben die Wichtigkeit dieser Schutzmaßnahmen ebenfalls erkannt und mitgetragen. Auch die Mitarbeiter waren sich dessen bewusst und haben diese dankenswerterweise auch außerhalb ihrer Arbeit eingehalten, zum Beispiel die Kontaktbeschränkungen.

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Wie haben Sie auf Verdachtsfälle bei Mitarbeitern reagiert?

Schlander: Bei Verdachtsfall im engen Familienkreis befand sich der Mitarbeiter in einer betrieblich angeordneten Quarantäne.

Wann haben Sie schon vorsorglich Schutzmaßnahmen ergriffen?

Schlander:: Unsere Heimbewohner und Angehörige sowie Mitarbeiter, externe Dienstleister und Lieferanten wurden sehr früh über die Schutzmaßnahmen informiert. Bereits am 5. März haben wir eine Besuchereinschränkung und ab 12. März bereits ein Besuchsverbot veranlasst.

Wie sehen die Schutzmaßnahmen konkret aus?

Schlander: Es wurden Abstandsregelungen per Markierungen auf dem Boden eingeführt. Im Speisesaal wurde die Tischordnung gemäß den Abstandsregeln geändert. Zusätzlich wurde der Speisesaal erweitert, indem man den anliegenden Pavillon mit Speiseplätzen belegte. Wir haben frühzeitig bereits ab 27. März eine Maskenpflicht bei allen Mitarbeitern und nach Verfügbarkeit dann auch bei den Heimbewohnern aus dem Rüstigenbereich eingeführt.

Haben Sie eine Isolierstation?

Schlander: Durch den Ausbau der Pflegeabteilung waren wir in der Lage, eine eigene Isolierstation vorzubereiten. Diese befindet sich derzeit im Standby-Betrieb und kann jederzeit hochgefahren werden. Wir haben einen Pandemieplan. Unsere Mitarbeiter sind nach diesem Plan geschult und in das Konzept eingewiesen.

Welche Regeln gelten aktuell für Besucher im Siebenbürgerheim?

Schlander: Besucher können sich bei der Pflegedienstleitung telefonisch anmelden. Nach derzeit gesetzlicher Bestimmung darf pro Bewohner ein nahestehender Besucher kommen. Die Besuchszeiten sind von 14 Uhr bis 18 Uhr. Nach Möglichkeit soll das Treffen im Freien und unter Einhaltung der Schutzmaßnahmen stattfinden.

War am Anfang ausreichend Schutzausrüstung verfügbar?

Schlander: Anfänglich mussten wir mit der Schutzausrüstung improvisieren. Die Schutzausrüstung wie Masken, Handschuhe und Desinfektionsmittel konnten nicht mehr über die gewohnten Lieferketten beschafft werden. Glücklicherweise ist es uns gelungen, rechtzeitig unsere Bestände und Vorräte aufzufüllen. Sehr löblich ist auch die gute Zusammenarbeit mit dem Landratsamt Rosenheim und dem Katastrophenschutz, die uns mit Ausrüstung und Material unterstützt haben.

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Wie meistern die Pflegemitarbeiter die Corona-Krise?

Schlander: Bei uns sind aktuell 40 Pflegekräfte beschäftigt. Das Krankheitsaufkommen ist geringer als im Regelbetrieb. Wir stellen einen starken Zusammenhalt und eine gute Stimmung im Team fest. Generell haben wir bei allen unseren Mitarbeitern ein großes Wir-Gefühl. Unsere Pflegekräfte begleiten und unterstützen unsere Heimbewohner sehr liebevoll und individuell und kümmern sich sehr um sie. Durch gute Aufklärung und Information sind unsere Mitarbeiter sehr umsichtig, aber nicht ängstlich. Sie fühlen sich von der Situation nicht überfordert.

Wie bewerten Sie die Vorgaben der bayerischen Regierung?

Schlander: Die von der bayerischen Staatsregierung verordneten Lockerungsmaßnahmen wurden sehr kurzfristig herausgegeben. Vor allem die Lockerung des Besuchsverbotes kurz vor dem Muttertag hat uns herausgefordert. Jedoch konnten wir auch diese kurzfristig gut realisieren. Durch die Quarantänevorschriften konnten unsere Kurzzeitpflegeplätze nicht belegt werden. Es durften keine Heimbesichtigungen stattfinden. Somit konnten wir auch einige Heimplätze nicht belegen, das heißt, wir haben noch einige Zimmer zu vergeben. Dadurch fehlen uns natürlich die Heimeinnahmen. Zudem haben wir erhebliche Mehrkosten bei den Aufwendungen für das Schutzmaterial, also Masken und Anzüge. Es wäre wünschenswert, wenn der Staat die Heime hier finanziell unterstützen würde. Interview Hans Thümmler

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