UNTERSTÜTZUNG FÜR POLIZEI

Sicherheitswacht Prien hat auf Streife offene Augen für kleine Probleme

Die Eisenrichter-Unterführung gehört zu den Fixpunkten bei den Rundgängen von Eva Wegener (rechts) und Heike Klocke. An der Verbindung zwischen Schul- und Hallwanger Straße unter der Bahnlinie hindurch ignorieren viele Radler die Aufforderung, abzusteigen. Sie werden von den Sicherheitswächterinnen freundlich daran erinnert.
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Die Eisenrichter-Unterführung gehört zu den Fixpunkten bei den Rundgängen von Eva Wegener (rechts) und Heike Klocke. An der Verbindung zwischen Schul- und Hallwanger Straße unter der Bahnlinie hindurch ignorieren viele Radler die Aufforderung, abzusteigen. Sie werden von den Sicherheitswächterinnen freundlich daran erinnert.
  • Dirk Breitfuß
    vonDirk Breitfuß
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Seit gut zwei Jahren hat Prien eine Sicherheitswacht. Ehrenamtliche unterstützen mit Streifengängen die Arbeit der Polizei. Ihr Fazit fällt positiv aus. Die Menschen in Prien sind offenbar recht pflegeleicht.

Prien – Als der Mann die beiden Damen in den dunkelblauen Uniformjacken entdeckt, fängt er an zu rennen. Aber seine Angst ist unbegründet: Eva Wegener und Heike Klocke werden ihm keinen Strafzettel verpassen, auch wenn sein Auto im Halteverbot steht. Dazu haben die beiden gar keine Befugnis. Sie gehören zu den momentan fünf Ehrenamtlichen, die in Prien als Sicherheitswächter Streife gehen.

„Hohe Akzeptanz“ in der Bevölkerung

Aber das Beispiel belegt, dass die Sicherheitswacht eines ihrer wesentlichen Ziele erreicht: durch Präsenz in der Öffentlichkeit Ordnungswidrigkeiten zu verhindern. In der Marktgemeinde scheint das sehr gut zu funktionieren, berichtet auch Polizeihauptkommissar Georg Sewald. Er koordiniert bei der örtlichen Inspektion (PI) die Einsätze. „Die Sicherheitswacht leistet einen sehr positiven Beitrag und hat eine hohe Akzeptanz“, bilanziert er gut zwei Jahre nach der Einführung. Damals hatten Polizeipräsident Robert Kopp und der damalige Bürgermeister Jürgen Seifert betont, dass Prien zwar ein sicherer Ort zum Leben sei, aber „objektive und subjektive Sicherheit sich ein Stück weit auseinanderentwickelt“ hätten.

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Die Sichtbarkeit der uniformierten Ehrenamtlichen verschafft den Bürgern ein Stück gefühlte Sicherheit. Oft würden sie angesprochen, berichtet Wegener im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Die 52-Jährige war durch einen Aufruf der PI auf die Sicherheitswacht aufmerksam geworden, Klocke war als Helferin bei der Kommunalwahl 2020 ein Plakat der Gemeinde ins Auge gesprungen. „Ich gehe mit offenen Augen durch die Welt. Wenn ein Kanaldeckel oder ein Ziegel auf dem Dach locker ist, gehe ich nicht einfach vorbei“, schildert die 61-Jährige. Ihre Grundeinstellung kann sie nun in offizieller Funktion nutzen.

Im Sommer 2020 hatten die Beiden die 40-stündige Ausbildung absolviert und gehen seitdem gemeinsam auf Streife, in der Regel einmal in der Woche. Der Einsatzplan Sewalds richtet sich nach den Möglichkeiten des Teams, der überwiegende Teil ist berufstätig.

Die PI hatte seinerzeit lange gebraucht, bis sie ein halbes Dutzend geeigneter Bewerber gefunden und ausgebildet hatte, um Anfang 2019 in Prien starten zu können. Drei davon sind heute noch dabei, berichtet Sewald, die übrigen seien aus beruflichen oder privaten Gründen aus Prien weggezogen. Prominentester Sicherheitswächter im Ort war zwischendurch der heutige Bürgermeister Andreas Friedrich, der damals in der Kommunlaufsicht im Landratsamt Rosenheim tätig war. Als ehemaliger Leiter des Priener Ordnungsamtes war er für die vielen kleinen Problemchen sensibilisiert.

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Sein Nachfolger im Rathaus, Martin Plenk, ist einer der wichtigen Ansprechpartner für Wegener, Klocke und Co. Wenn ihnen Gefahrenstellen auffallen, informieren sie die zuständige Stelle direkt. Klocke berichtet beispielhaft von einem Radler, der sich bei einem Sturz im Eichental über eine Baumwurzel leicht verletzt hatte. Ein paar Tage später sei die Wurzel verschwunden gewesen.

Bei ihren Rundgängen nehmen die Sicherheitswächterinnen insbesondere potenzielle Problemstellen ins Visier: In Grünanlagen erinnern sie Hundehalter an die Leinenpflicht, am Bahnhof haben sie ein waches Auge auf die Einhaltung der Maskenpflicht, am Skaterplatz im Sportpark achten sie darauf, dass die jungen Leute ihren Müll wieder mitnehmen. 80 Prozent weniger Abfall schätzt Wegener als Effekt der bloßen Präsenz der Damen in Dunkelblau. Allein die Abzeichen auf den Ärmeln und die Namensschilder verleihen ihnen offenbar Respekt. Sonst gehören nur noch Funkgerät, Notizblock und Pfefferspray zur Standardausrüstung.

Hilfsbereitschaft nach Ermahnung

Schlechte Erfahrungen haben die beiden Damen nach eigener Aussage in den bald neun Monaten als Sicherheitswächterinnen noch nicht gemacht – im Gegenteil: Oft würden sie unterwegs angesprochen und gebeten, sich um das ein oder andere Problemchen zu kümmern.

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Brenzlige Situationen sind die Ausnahme: Klocke erinnert sich noh sehr genau an den Sturz eines Kindes in einen schwer zugänglichen Schacht am Wendelsteinplatz.

Auf der Suche nach einem Schlüssel, um sich Zugang zu verschaffen, kam den Sicherheitswächterinnen ausgerechnet ein Mann zu Hilfe, den sie kurz zuvor noch ermahnt hatten, weil er seinen Hund im Eichental nicht an der Leine hatte.

So erklärt die Bayerische Polizei auf ihrer Internetseite die Aufgaben und Kompetenzen der Sicherheitswachten im Freistaat:

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„Die Bayerische Sicherheitswacht ist sichtbares und ansprechbares Bindeglied zwischen der Bevölkerung und der Polizei. Die Ehrenamtlichen auf Streife sind zusätzliche Augen und Ohren der Polizei im Dienste der öffentlichen Sicherheit und Ordnung.

Hierbei halten sie stets Kontakt zur Polizei und sorgen so dafür, dass schnell und gezielt professionelle Hilfe in Notlagen oder Gefahrensituationen alarmiert und geleistet werden kann. Die Sicherheitswacht ergänzt auf diese Weise die Polizeiarbeit. Ein Ersatz für die Polizei kann und soll sie aber definitiv nicht sein.

Die in der Bayerischen Sicherheitswacht ehrenamtlich tätigen Bürgerinnen und Bürger sind keine Polizisten. Sie übernehmen weder originäre Aufgaben der Polizei noch üben sie die Befugnisse der Polizei aus.

Sie ersetzen nirgendwo in Bayern den Schutzmann vor Ort oder handeln an seiner Stelle, sondern sie erhöhen die wahrnehmbare und aufmerksame Präsenz im öffentlichen Raum.“

Bis zu acht Sicherheitswächter, die für ihre Streifengänge eine Aufwandsentschädigung erhalten, erlaubt das Budget der Polizeiinspektion Prien. Fünf Plätze sind derzeit belegt, vier davon von Frauen. Wer Interesse an der ehrenamtlichen Tätigkeit im Dienste der allgemeinen Sicherheit hat, kann sich unverbindlich bei der PI Prien unter 0 80 51/90 57 0 melden.

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