Staatssekretär Gerhard Eck: "Es führt kein Weg vorbei an der Einführung des Digital-Funknetzes"

Ein "Sicherheitsproblem" droht

Rimsting - Die Diskussion über die geplante, flächendeckende Einführung des neuen Digitalfunkes für Feuerwehren, Rettungsdienste, Technisches Hilfeswerk und die Polizei schlägt in Rimsting und Umgebung hohe Wellen. Die Errichtung eines Funkturmes, der zum Aufbau des ersten gemeinsamen Netzes in dieser Gegend benötigt wird, ist nicht in Sicht. "Wenn es defintiv zu keinem Standort für einen Tetra-Funkmasten im Bereich der Ratzinger Höhe kommt, haben wir ein Sicherheitsproblem", sagte Gerhard Eck, Staatssekretär im bayerischen Innenministerium, an einem "runden Tisch" am Mittwoch im Gasthaus "Weingarten".

Vorgesehen ist, die Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) wie Feuerwehren, Rettungsdienste, das Technische Hilfswerk und die Polizei von Bund und Ländern mit einem gemeinsamen, bundesweiten digitalen Funk auszustatten. Die technische Grundlage bietet das "Terrestrial Trunked Radio" (Tetra). Das Ziel in Bayern: eine Einführung des neuen Digitalfunkes bis 2015.

Bislang sind noch viele Fragen offen. Die Diskussion läuft - auch und gerade in Rimsting. Auf Initiative von Gemeinderätin Mary Fischer und Landtagsabgeordnetem Klaus Stöttner (beide CSU) diskutierte nun Innenstaatssekretär Eck an einem "runden Tisch" mit Vertretern der Rettungsorganisationen, Polizei, Bürgermeister und Vertretern der umliegenden Bürgerinitiativen.

Die Bedürfnisse der Bevölkerung seien ernst zu nehmen, betonte Stöttner. Die Bürger seien über offene Fragen aufzuklären.

"Wir haben bundesweite Vorgaben", sagte Eck. "Es führt kein Weg vorbei an der Einführung des BOS-Digital-Funknetzes." Geplant sei die erstmalige Einrichtung eines gemeinsamen Netzes für alle Rettungsorganisationen und die Polizei. Zustande kommen könne eine deutschland- und europaweite Kommunikation. "Wir müssen uns vernetzen und alle technischen Möglichkeiten ausnutzen, um gegen Gefahren wie Terrorbedrohungen und Naturkatastrophen besser gewappnet zu sein," betonte der Staatssekretär.

Wolfgang Zacher, der Leiter der Projektgruppe BOS-Digitalfunknetz Bayern im Innenministerium, verwies auf den Beschluss der dem Schengener Abkommen beigetretenen Staaten, ein Netz für alle Rettungsorganisationen einzuführen. In Bayern seien zu diesem Zeck 950 Basisstationen erforderlich. Laut Zacher sollen sie bis 2012 eingerichtet und dann in den Jahren 2013 und 2014 schrittweise in Betrieb gehen. Das Ziel: Ab 2015 soll ein flächendeckender BOS-Funk stehen.

Als Vorteile nannte Zacher unter anderem, dass dieser digitale Funk im Vergleich zum analogen, der bisher zum Einsatz komme, abhörsicher sei und eine bessere Verbindung ermögliche. Die Strahlenbelastung liege "weit unter dem zulässigen Grenzwert".

Wolfgang Krüger von der ausführenden Projektgruppe "DigiNet" erläuterte die Standortsuche für die notwendigen Tetra-Masten. "Wir finden keinen Standort im Bereich der Ratzinger Höhe trotz Überprüfung von 17 Stellen. Die Versorgung bereite daher in diesem Bereich ein Problem." Auf Nachfrage der Chiemau-Zeitung erläuterte Krüger, dass der von ihm genannte Bereich Ratzinger Höhe neben Rimsting und Bad Endorf auch einen Teil von Halfing und den Simssee umfasse.

Im Landkreis Rosenheim seien insgesamt 23 Standorte für Masten nötig, so Krüger weiter. Für 15 gebe es bereits eine vertragliche Regelung.

In der Diskussion erklärte Sebastian Ruhsamer, Kreisbrandrat der Feuerwehr: "Wir haben die modernste Fahrzeugflotte, aber die älteste Funktechnik." Wenn im Bereich der Ratzinger Höhe die Versorgung nicht gewährleistet sei, ergebe sich ein Problem. Denn in diesem Gebiet seien, wie die Erfahrung zeige, zahlreiche Einsätze zu bewältigen.

Auch Harald Moser vom Bayerischen Roten Kreuz Rosenheim wünschte sich "auf alle Fälle" den Aufbau des BOS-Digitalfunkes. Eine Vernetzung sei notwendig, um für Katastrophen-Einsätze gerüstet zu sein. Die Vertreter der Rettungsorganisationen machten auch deutlich, dass die Leistung beim Digital-Funk nur ein Watt betrage, im Gegensatz zum anlogen Funk mit sechs Watt.

Die gesundheitlichen Auswirkungen des Tetra-Funks diskutierten Baubiologen Johannes Schmidt aus Neubeuern und Geundheitsexpertin Dr. Evi Vogel vom Umweltministerium. Auch der Staatssekretär bezog Stellung: "Wir müssen vorsichtig sein." th

www.chiemgau24.de/tipps

Kommentare