Forderung der Anwohner

Sicher über die Seestraße in Prien? Mittelinsel statt Fußgängerüberweg

Zunächst soll mit einer provisorischen Mittelinsel die Überquerung der Seestraße im Bereich der Stauden-Einmündung für Fußgänger sicherer gemacht werden.
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Zunächst soll mit einer provisorischen Mittelinsel die Überquerung der Seestraße im Bereich der Stauden-Einmündung für Fußgänger sicherer gemacht werden.
  • Ulrich Nathen-Berger
    vonUlrich Nathen-Berger
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Mehr Sicherheit beim Überqueren der Straße fordern Anwohner der Kreuzung Seestraße-Stauden in ihrem Antrag an den Markt Prien. Ein Fußgängerüberweg fand bei der Polizei allerdings keine Zustimmung. Der Marktgemeinderat diskutierte jetzt einen Lösungsvorschlag von Bürgermeister Andreas Friedrich.

Prien – In seiner Juli-Sitzung hatte der Marktgemeinderat einstimmig die Zulässigkeit des Bürgerantrags zur Fußgängerüberquerung an der Seestraße bestätigt. Das Quorum laut Gemeindeordnung war mit 233 gültigen Stimmen erfüllt worden. Jetzt stand das Thema auf der Tagesordnung der jüngsten Sitzung zur Beratung an.

Mangelnde Querungszahlen

„Die rechtlichen Möglichkeiten haben wir dann zusammen mit dem zuständigen Sachbearbeiter der Polizeiinspektion Prien, Polizeioberkommissar Wolfgang Schlemer, abgeklärt“, sagte Friedrich. Die Stellungnahme sei allerdings negativ ausgefallen.

Die Anordnung eines Fußgängerüberwegs setze voraus, dass mindestens 50 Personen pro Stunde an einem durchschnittlichen Tag die entsprechende Stelle überqueren wollen. Diese Zahl werde wohl nicht erreicht, heißt es in dem Schreiben der Polizei an die Marktgemeinde, dass Ordnungsamtleiter Martin Plenk in der Sitzung vortrug.

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Zudem müssten die Verkehrsteilnehmer bei einer erlaubten Geschwindigkeit von 50 Kilometer pro Stunde den FGÜ ab einem Abstand von 100 Metern erkennen können; die Aufstellfläche für Fußgänger müsse mindestens 50 Meter einsehbar sein. In der Konsequenz würde es den Wegfall der Parkplätze im Bereich der Hausnummern 31 bis 33 bedeuten, heißt es in der Stellungnahme weiter.

Auch die sogenannte Unfalllage spricht nach Ansicht der Polizei nicht für einen FGÜ. 2016 habe es letztmalig einen Verkehrsunfall mit einem querenden Fußgänger gegeben. Dabei sei ein zehnjähriger Bub unvermittelt auf die Fahrbahn gelaufen und von einem Fahrzeug erfasst worden.

Unfalllage in Seestraße unauffällig

Weitere Unfälle seien dort nicht bekannt. Die Unfalllage sei somit unauffällig.

In einem weiteren Punkt wird auf ein „trügerisches Sicherheitsempfinden“ an einem Fußgängerüberweg verwiesen. Der FGÜ könne eine sichere Querungshilfe nur dann sein, wenn sich alle Beteiligten an die Vorgaben halten. Der Fußgänger habe sich vor dem Überqueren zu überzeugen, dass die Fahrzeuge tatsächlich stehen bleiben. Dies müsse über einen Blickkontakt zwischen dem Fußgänger und dem Autofahrer erfolgen. Erst wenn der Verkehr wirklich steht, könne die Fahrbahn betreten werden. Vor allem für „verkehrsschwache Personen“ wie Kinder oder ältere Menschen stelle ein FGÜ eine gewisse Scheinsicherheit dar, die dann eher einen gegenteiligen Effekt erwirke, so die Polizei.

Keine alternativen Standorte in der Seestraße

Alternative Standorte gibt es laut Polizei im gesamten Verlauf der Seestraße nicht. „Wenn wir dem Bürgerantrag folgen und einen Fußgängerüberweg beschließen besteht die Gefahr, dass Landratsamt und Polizei unseren Beschluss kassieren“, gab Bürgermeister Friedrich zu bedenken. „Somit hätten wir nichts erreicht.“

Stattdessen schlug er eine andere Variante vor: Eine Mittelinsel, „um dem Wunsch der Bürger nach zukommen und eine sichere Querungsmöglichkeit der viel befahrenen Seestraße zu schaffen“. Dazu hatte Friedrich eine Skizze vorbereitet, die er dem Gremium vorstellte.

Dauerhafte Mittelinsel geplant

Nach kurzer Diskussion beschloss der Marktgemeinderat mit 22:1 Stimmen (zwei Räte fehlten entschuldigt) „die Planung einer dauerhaften Mittelinsel wie im vorgelegten Plan skizziert“. Zusätzlich soll im kommenden Jahr der Einmündungsbereich Seestraße/Staudenstraße überplant werden. Damit folgte das Gremium zum Teil dem Vorschlag von Martin Aufenanger (Freie Priener), „die Seestraße generell zu überplanen“.

Sonja Werner (Die Grünen) stimmte gegen den Beschluss, weil sie ihn für nicht ausreichend hält, um auch aus Stauden kommenden Fußgängern und Radlern, insbesondere Kindern, eine sichere Querung zu ermöglichen. „Ich habe Zweifel, dass diese Lösung dem entspricht, was die Antragsteller im Sinn hatten“, sagte sie auf Anfrage der Chiemgau-Zeitung.

Provisorische Querung soll schnell kommen

„Wir werden nächstes Jahr eine konkrete Planung durchführen und auch den Kreuzungsbereich mit der Staudenstraße miteinbeziehen“, sagte Bürgermeister Friedrich unserer Zeitung. Schnellstmöglich werde jetzt aber eine provisorische Querungs-Hilfe errichtet.

Die lasse sich mit vorgefertigten Kanalschacht-Ringen aus Beton realisieren, „einer vorne, einer hinten, aufgefüllt mit Kies oder Sand“. Die Insel soll möglichst so platziert werden, „dass auch möglichst wenig Parkbuchten für das Provisorium wegfallen“.

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