ZWEITE IMPFUNG FÜR 115 SENIOREN

Senioren der Kursana-Residenz Prien vertragen Corona-Impfung gut: Pieks als Hoffnungsschimmer

Die 100-jährige Gertrud Hardt bekommt von Ärztin Inge Dengl die zweite Corona-Impfung.
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Die 100-jährige Gertrud Hardt bekommt von Ärztin Inge Dengl die zweite Corona-Impfung.
  • Dirk Breitfuß
    vonDirk Breitfuß
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Die Kursana Residenz Prien gehört zu den ersten Altenheim in der Region, in denen impfwillige Senioren schon die zweite und letzte Spritze gegen Corona bekommen haben. Nennenswerte Nebenwirkungen scheint es nicht gegeben zu haben, berichten übereinstimmend der Direktor und der Sprecher der Bewohner.

Prien – Professor Helmut Neunzert wirkt fast euphorisch. Gerade hat der 84-Jährige von einer Ärztin die zweite Corona-Impfung in den Oberarm bekommen. „Für uns ist das ein Hoffnungsschimmer nach einem Jahr Pandemie“, lächelt der Vorsitzende der Bewohnervertretung in der Kursana Residenz Prien. Das größte Seniorenheim der Marktgemeinde ist eine der ersten Einrichtungen überhaupt im Landkreis Rosenheim, in denen die impfwilligen Bewohner beide Impfungen hinter sich haben. Und von nennenswerten Nebenwirkungen spreche niemand, berichtet Neunzert im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung.

„Die Skeptiker sind ins Wanken gekommen“

Der vielfach preisgekrönte Mathematiker, der seit bald fünf Jahren in der Kursana Residenz lebt, hat die Zahlen natürlich parat. 115 Senioren ließen sich beim ersten Durchgang am 30. Dezember pieksen. „Die Skeptiker sind ins Wanken gekommen“, berichtet er, dass sich in den drei Wochen seitdem eine größere Zahl weiterer Bewohner auf die Liste der Impfwilligen setzen ließ. 15 Personen bekamen deshalb jetzt ihre erste Dosis des Wirkstoffs von BioNTech, 115 schon ihre zweite. Etwa 85 Prozent der Bewohner sind nun vor Corona geschützt, rechnet Neunzert hoch.

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Die Nebenwirkungen nennt er „Pipifax“. Einen Tag lang habe die Einstichstelle geschmerzt. Andere Senioren hätten kurzzeitig Muskelschmerzen bekommen oder seien sehr müde gewesen. Von ersthaften Nebenwirkungen hat der 84-Jährige nichts gehört.

Manche betagten Kursana-Bewohner haben gar nichts gemerkt – Gertrud Hardt zum Beispiel, die vor wenigen Tagen ihren 100. Geburtstag gefeiert hat. „Ich habe zweimal Krebs gehabt“, macht die Jubilarin klar, dass sie sich von Corona nicht aus der Ruhe bringen lässt. „Ich habe gar keine Probleme gehabt“, berichtet Hardt von der ersten Impfung.

Dank höchster Sicherheitsstandards hat die Kursana Residenz die Pandemie bisher praktisch Corona-frei überstanden. Auch der Reporter muss sich natürlich testen lassen. In diesem Fall übernimmt das Direktor Stephan Lützel persönlich.

Genauso so beschwerdefrei hat Margarethe Biller den Pieks verkraftet. Nach dem zweiten Stich jetzt „fühle ich mich sicher“, beschreibt die Seniorin, die Anfang des Jahres 90 Jahre alt geworden ist. Jetzt hofft Biller, dass sie ihr rundes Wiegenfest mit den Angehörigen aus Rosenheim, Tutzing und Hamburg bald nachfeiern kann. Für Impfskeptiker hat sie kein Verständnis. „Es sterben doch genug Menschen, muss man da noch dagegen sein?“

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Die Besuche von außen vermissen alle Kursana-Bewohner mehr oder weniger schmerzlich. Die ersten Angehörigen haben schon angerufen. Weil ja jetzt fast alle geimpft seien, hoffen sie auf eine Lockerung der restriktiven Besuchsregelung.

Beim Personal ist die Impfbereitschaft hoch

Für eine solche Lockerung der Sicherheitsvorkehrungen ist es Direktor Stephan Lützel aber auch nach den Impfungen noch zu früh. Sie werden bis auf Weiteres in unveränderter Form beibehalten. Für die Mitarbeiter heißt das, sich zweimal in der Woche einem Corona-Schnelltest zu unterziehen und alle zwei Wochen zusätzlich einen PCR-Test zu machen. Auch bei Personal ist die Impfbereitschaft recht groß. 54 von 74 Mitarbeitern haben Lützel zufolge ihren ersten Termin im Impfzentrum in Rosenheim schon hinter sich. Die Terminabsprache habe sehr gut geklappt. Der Direktor und sein Team versuchen durch viel Aufklärungsarbeit, auch die übrigen zu überzeugen. „Wir kämpfen um jede Seele.“

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Viel Überzeugungsarbeit sei notwendig, denn nicht wenige Mitarbeiter kämen aus Balkanländern und dort würden Corona-Impfungen in den Medien oft negativ dargestellt. Umgekehrt erzählt Lützel von einer türkisch-stämmigen Kollegin, die ihre Ablehnung aufgegeben habe, nachdem sich der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan impfen ließ.

„Irgendwann geht es einem auf die Nerven“

Er selbst berichtet von Muskelschmerzen und einem Ziehen an der Einstichstelle bei seiner ersten Impfung, „Ich glaube, dass es keine echten Beschwerden gab“, fasst er die Erfahrungen zusammen.

Nur fünf Mitarbeiter hätten sich seit Ausbruch der Pandemie vor bald einem Jahr über Familienmitglieder mit Corona infiziert, die Bewohner blieben verschont, bilanziert Lützel. Der 52-Jährige schreibt das den vielen Maßnahmen und dem Zusammenhalt aller Beteiligten zu. Gleichwohl freuen sich alle, wenn es irgendwann wieder leichter wird, alle Stühle im Speisesaal wieder besetzt werden dürfen und der hauseigene Chor wieder singen darf. „Irgendwann geht es einem dann doch auf die Nerven“, stellt Neunzert fest.

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