Der Segelclub Prien ist ein Verein mit Vorbildcharakter

Flottes Tempo mit dem launischen Chiemseewind.
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Flottes Tempo mit dem launischen Chiemseewind.

Auch international erfolgreich, besitzt der SCPC die größte behindertengerechte Bootsflotte Deutschlands.Vorreiter beim integrativen Sport in Bayern und ganz Deutschland.

PrienDer Segelclub Prien (SCPC) hat im Laufe der vergangenen 50 Jahre eine beeindruckende Entwicklung genommen. Dank Leonhard Stippel fand der Verein, der 1969 von einer Handvoll Münchner gegründet wurde, in Prien in der Stippelwerft eine Heimat und ist in das Priener Vereinsleben durch überwiegend einheimische Mitglieder vollständig integriert.

Speziell ausgestattete Boote

Seit 2008 ist der SCPC durch seine Handicap-Abteilung und das Integrative Landesleistungszentrum Segeln (ILSZ) Vorreiter beim integrativen Segelsport in Bayern und darüber hinaus in ganz Deutschland. Unter der Präsidentschaft von Lothar Demps, der den Verein seit über 10 Jahren leitet, trainieren behinderte und nicht behinderte Menschen, besonders Jugendliche, gemeinsam, um sich für Wettbewerbe im In- und Ausland fit zu machen. Dabei werden die körperlichen Defizite durch speziell ausgestattete Boote und die entsprechenden Rahmenbedingungen ausgeglichen.

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Der SCPC verfügt über Boote (2.4mR, Sonar und RS Venture), die speziell auf Menschen mit Behinderung eingestellt sind. Prien besitzt damit die größte behindertengerechte Bootsflotte in ganz Deutschland.

Neben der Integrations- und Breitensportförderung hat die Jugendarbeit einen hohen Stellenwert. In der Saison 2020 werden wieder alle sportbegeisterten Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit und ohne Handicap in der Jugendwoche, im Rahmen des Priener Ferienprogramms und den zahlreichen Schnupperkursen im Verein das Segeln erlernen.

In Kooperation mit der Privaten Aschauer Förderzentrumsschule und der Franziska-Hager-Mittelschule werden im Rahmen des Sportunterrichts wöchentliche Segelkurse durchgeführt.

2017 war erstmals ein 16-Jähriger Clubmeister, Sebastian Meierdiercks, der durch seine körperlichen Einschränkungen die Berufsförderschule in Aschau besucht und Mitglied des Leistungskaders ist. In freundschaftlicher Atmosphäre wird der Umgang mit Wind, Welle, Wasser und die Beherrschung des Bootes in jeder Situation geübt. Die Teilnehmer segeln unter Anleitung selbstständig mit „halbem Wind“, „hoch am Wind“, „raumschots“ und „vor dem Wind“. Richtungsänderungen wie Wende oder Halse werden geübt. Dabei merken die jungen Segler, dass der Wind am Chiemsee launisch sein kann. Sie werden von lizenzierten Trainern sowie von erfahrenen Mitgliedern professionell betreut.

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„Dürfen wir heute wieder kentern?“, fragen die jungen Sportler an heißen Tagen gern ihre Trainer und freuen sich darauf, ihre Optis – typische Anfängerboote – durch starkes Schaukeln zum Umkippen und dem anschließendem Aufrichten zu bringen. Mitmachen kann vom Anfänger bis zum Regattasegler jeder, der Spaß und Lust auf diesen tollen Sport hat.

Regatten besondere Höhepunkte

Erfahrene Segler mit und ohne körperliche Einschränkungen können sich als Mitglieder des SCPC ein Vereinsboot mieten. Highlights sind die Regatten am Chiemsee, die auch vom SCPC mit ausgetragen werden, und die Trainingslager sowie die Wettkämpfe im Ausland, an denen einige der 280 Mitglieder teilnehmen. Besonders beliebt im Angebot des Vereins ist der Prien City Cup. Bereits zum zwölften Mal waren 2019 Segler aus Deutschland, Österreich und Tschechien für drei Tage zum Segelclub Prien gekommen. Sie machten sich den ständig drehenden Wind gefügig, um den Pokal und die Bayerischen Landesmeisterschaften und Tschechischen Meisterschaften in ihren Bootsklassen zu gewinnen.

Die 21 ehrenamtlichen Helfer des SCPC und die 39 internationalen Teilnehmer freuten sich gemeinsam auf den Wettbewerb und die bekanntermaßen umsorgende Verpflegung durch die fünfköpfige Küchencrew. „Dieser Segelevent hat nach all den Jahren fast familiären Charakter“, betont die Vizepräsidentin Martina Blank.

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Bei der letzten Siegerehrung 2019 hielt Bootsklasse 2.4mR-Segler Maik Aberle vom WSVLS (Wassersportverein Lausitzer Seenland) eine ergreifende Rede: „Der Segelsport hat mir nach meinem Autounfall durch die Koordinationsanforderungen im Gehirn, die Kameradschaft und den Trainer Christian Bittner, der immer an mich glaubte, wieder Lebensqualität und Freude gegeben. Segeln ist die beste Therapie“, bekannte er. Die Ärzte hatten ihm prognostiziert, nie wieder gehen und sprechen zu können. Alle Gäste aus Sachsen versprachen, wiederzukommen und bedankten sich beim SCPC für die Gastfreundschaft mit einem großen Präsentkorb von Produkten, die traditionell in diesem „neuen“ Bundesland produziert werden und auch schon vor der „Wende“ beliebt waren.

Auf internationalem Parkett segelte das SCPC-Team Felipe Fauner und Thomas Beer, beide Segler mit körperlichen Einschränkungen, im letzten Jahr bei der Para World Sailing Championship in Cadiz, Spanien. Unter 91 Teilnehmern aus 28 Nationen konnten sie den fünften Platz erringen. Ein beachtlicher Erfolg auch für Christian Bittner, den Trainer des neu zusammengestellten Leistungskaders.

Das Vereinsleben ist geprägt durch Begriffe wie Zusammenhalt, Respekt, Offenheit, Teamwork, Freundschaft, Spaß, Gemeinschaft, gutes Essen, sportliche Leistungsbereitschaft und Herausforderungen.

Das Zusammengehörigkeitsgefühl der Mitglieder zeigte sich auch bei der 50- Jahr-Feier in einer Ballnacht auf Herrenchiemsee und in den Grillpartys vor dem Clubheim. Da ein Generationswechsel bei Helfern und teilweise der Vorstandschaft 2021 ansteht, sind engagierte neue Mitglieder herzlich willkommen.

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