Seestraße in Prien: Bahnübergang für Radler oft eine gefährliche Falle

Für Radfahrer
              gefährlich: Der Schienenübergang der Chiemseebahn in der Seestraße. Hier fädeln immer wieder Radfarer mit ihren Vorderrädern in die Spurrille ein und stürzen. Berger
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Für Radfahrer gefährlich: Der Schienenübergang der Chiemseebahn in der Seestraße. Hier fädeln immer wieder Radfarer mit ihren Vorderrädern in die Spurrille ein und stürzen. Berger

Der Übergang der Chiemsee-Bahn in der Priener Seestraße auf Höhe der Metzgerei ist immer wieder Schauplatz von Fahrradunfällen. In diesem Jahr gab es laut Polizeiinspektion Prien in den Monaten Juni bis Anfang August bereits zehn Stürze – zum Teil mit erheblichen Verletzungen.

Von Ulrich Nathen-Berger

Prien – Dieses Unfallgeschehen war jetzt erneut ein Thema für den Marktgemeindrat: In der jüngsten Sitzung fasste Ordnungsamtleiter Martin Plank in einem Bericht an das Gremium das Unfallgeschehen an der noralgischen Stelle zusammen. Bei der letzten Bahnverkehrsschau im Mai 2018 mit Vertretern der Regierung von Oberbayern als zuständige Aufsichtsbehörde, dem Landratsamt Rosenheim als Straßenverkehrsbehörde, Michael Fessler von der Chiemsee-Schifffahrt sowie der Gemeindeverwaltung sei der Bahnübergang aus rechtlicher Sicht beurteilt worden, so Plenk. Demzufolge habe der Markt Prien sämtliche Maßnahmen zur Unfallverhütung an den gemeindlichen Bahnübergängen ausgeschöpft. Plenk: „Es kam zu keiner Beanstandung.“

Die nächste Bahnverkehrsschau ist am 19. Oktober

Die nächste im zweijährigen Turnus stattfindende Bahnverkehrsschau kündigte der Ordnungsamtsleiter für den 19. Oktober an. „Fester Bestandteil dieser Einsichtnahme werden die Bahnübergänge sein.“

Da sich in der Folge auch weiterhin zum Teil gravierende Unfälle ereigneten, wurden 2019 farbliche Markierungen auf die Fahrbahn angebracht. „Auch dies führte zu keiner Reduzierung der Unfallzahlen“, sagte der Ordnungsamtsleiter. Ein weiterer Schritt zur Entschärfung der Situation werde das Abfräsen des Rad-Angebotsstreifens auf der Fahrbahn sein. Denn durch das starre Verbleiben der Radfahrer innerhalb dieser Markierungen sei der Querungswinkel zum Übergang so spitz, dass ein Verreißen des Vorderrades dieses in den Schienenbereich rutschen lässt und so einen Sturz provoziere. Zudem liege der Gleiskörper erheblich über der Fahrbahnoberfläche: „Auch dann kann bei rutschigen Verhältnissen – zum Beispiel nasser Straße – in Kombination mit einer unsicheren Fahrweise das Vorderrad wegrutschen“, so Plenk.

Nachfrage bei der Polizeidienststelle

Eine Nachfrage bei der Polizeidienststelle hatte laut Plenk ergeben, dass es im vergangenen Jahr zu 14 aktenkundigen Stürzen kam. Die Dunkelziffer liege bedeutend höher. In den Monaten Juni bis Anfang August habe die Polizei heuer bereits zehn Stürze dokumentiert.

Bei zwei Schadensfällen sei es zum gerichtlichen Termin gekommen, berichtete Plenk. „Bei beiden Verfahren wurde vor Urteilsverkündung die Klage zurückgenommen. Jeweils stellte das Gericht die Gewichtung des Allgemeinen Eisenbahngesetzes in den Vordergrund“, mit dem Tenor: „Der sichere Betrieb des Eisenbahnverkehrs ist von hohem Stellenwert und die Überquerung der Schienen, die auch ausreichend kenntlich und beschildert sind, liegt in der Eigenverantwortung des jeweiligen Verkehrsteilnehmers.“

Früher haben die Radfahrer einen Schlenker gemacht

Das sieht auch Michael Feßler so, wie er im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung betonte. „Schienen und Fahrräder sind nicht unbedingt verträglich“, so der Betreiber der Chiemseebahn. „Das Problem mit der Spurrille ist das eine, das Problem mit dem schrägen Schienenübergang mit dem erhöhten Schienenkopf, wo man wegrutschen kann, ist das zweite.“

Seit Jahren gebe es die Suche nach Verbesserungen der Situation, aber bisher habe sich noch keine vernünftige Lösung angeboten. „Seit es die Angebotsstreifen für Radfahrer gibt, steigt die Unfallzahl. Das sind unsere Beobachtungen. Die Radler wollen sich dort an die Vorgabe halten, wo sie zu fahren haben. Früher haben sie einen Schlenker gemacht, um die Schienen besser kreuzen zu können.“

Sein Appell an die Radfahrer: „Einfach aufpassen.“

Zahl der Radunfälle heuer extrem gestiegen

An einem Radunfall an der Stelle OVB-Reporterin Heidi Geyer Anfang Juli beteiligt, als sie über den Besuch von Kanzlerin Merkel live am Chiemsee berichtet hatte. Auf der Rückfahrt vom Hafen in Stock in die Redaktion im Priener Zentrum sei ein E-Bikefahrer buchstäblich in die Heckseite ihres Autos gefallen, berichtet Geyer. „Er hat die Schienen der Chiemseebahn überquert und ist mit dem Rad darin hängen geblieben.“ Sie habe sofort angehalten und sich um den Mann gekümmert, sagt Geyer. Wegen des Kanzlerbesuchs sei viel Verkehr in der Seestraße gewesen und sofort ein langer Stau entstanden. „Dem Mann ist nichts passiert und auch mein Auto ist heil geblieben“, so die Kollegin.

Das sagt die Polizei

Oberkommissar Wolfgang Schlemer Polizei Prien: „Die Zahl der Radunfälle an dieser Stelle ist heuer extrem gestiegen; zum Teil gab es schwere Verletzungen. Wir haben viele Ortseinsichten genommen, die Beschilderung überprüft, den Bodenaufbau begutachtet, ob es mit dem Anschluss der Asphaltdecke an die Schienen Probleme gehen könnte – alles negativ. Es gibt auch Piktogramme auf der Fahrbahn, die auf den gefährlichen Schienenübergang hinweisen – mehr kann eigentlich nicht getan werden. Klar ist, dass die Schienen im richtigen Winkel angefahren werden müssen, aber viele Radfahrer werden offenbar von der Situation überrascht und reagieren dann falsch.“

POK Wolfgang Schlemer.
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