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Welle der Hilfsbereitschaft

Seeon-Seebruck ist auf Ukraine-Flüchtlinge vorbereitet

Das Ehepaar Heide und Andreas Parschik aus Seebruck hat einer Familie aus der Ukraine eine leer stehende Doppelhaushälfte zur Verfügung gestellt.
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Das Ehepaar Heide und Andreas Parschik aus Seebruck hat einer Familie aus der Ukraine eine leer stehende Doppelhaushälfte zur Verfügung gestellt.

Geld für Lebensmittel, ein Platz zum Schlafen, Schulpflicht – bei der Aufnahme ukrainischer Flüchtlinge gibt es viel zu klären. Viele Antworten gab es im Truchtlachinger Bürgersaal.

Von Arno Zandl

Seeon-Seebruck – Die Gemeinde stellt für Menschen, die aus der Ukraine vor dem Krieg geflohen sind, das ehemalige Gebäude der Lebenshilfe in Seeon zur Verfügung. Die Gruber-Alm in Roitham ist wegen ihres schlechten Zustands laut Bürgermeister Martin Bartlweber (FWS) dieses Mal aber keine Option. Er hatte vor Kurzem in den Truchtlachinger Bürgersaal eingeladen und rund 50 Interessierte über die Flüchtlings-Betreuung informiert.

Gemeinde setzt auf Zusammenhalt

Der Landkreis, so erklärte Bartlweber, sorge für die Möblierung der Unterkunft, die Gemeinde für die nötige Erstausstattung von Kleidung, Hygieneartikel und Nahrungsmitteln. In Seeon-Seebruck setze man wieder auf einen ähnlichen Zusammenhalt von Helfern wie er sich bereits bei der zurückliegenden Flüchtlingswelle 2015/16 bewährt habe.

Jeder erwachsene Flüchtling aus der Ukraine erhalte 330 Euro monatlich an Grundsicherung, um den Lebensunterhalt finanzieren zu können. Dieses Geld könne auch von der Gemeindeverwaltung ausbezahlt werden, nachdem ein Flüchtling offiziell registriert worden sei.

Klar ist laut Bürgermeister Bartlweber mittlerweile auch, dass schulpflichtige Kinder erst drei Monate nach ihrer Registrierung in Deutschland schulpflichtig seien. Sechs Monate nach der Registrierung haben Flüchtlingskinder einen Betreuungsanspruch in Kitas.

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Das Ehepaar Heide und Andreas Parschik stellt in Seebruck in Seebruck einem ukrainischen Ehepaar im Alter von 80 und 73 Jahren sowie deren 45-jähriger Tochter eine leer stehende Doppelhaushälfte zur Verfügung. Die Familie stammt aus Charkiw und spricht die dortige Amtssprache russisch. Heide Parschik berichtete, dass sie sehr froh sei, bei dem Treffen in Truchtlaching auf eine Russisch sprechende Helferin gestoßen zu sein, die nun als Dolmetscherin helfen soll. Zuletzt habe man sich bei einem Einkauf im Edeka-Laden nur durch Handzeichen verständigen können, welche Lebensmittel gekauft werden sollten. Hundert Euro für die Lebensmittel kamen als Soforthilfe vom Sozialfonds der Gemeinde. „Die Flüchtlingsfamilie ist hoch traumatisiert, sie hat momentan den ganzen Tag die Jalousien geschlossen und traut sich abends das Licht nicht einzuschalten. Nach ihrer Ankunft in Seebruck haben sie erst einmal zwei Tage durchgeschlafen“, berichtete Heide Parschik.

Vater bleibt bei den Großeltern im Kriegsgebiet zurück

Julia Landinger aus Truchtlaching hat eine 48-jährige Mutter mit ihren beiden 14- und 20-jährigen Töchtern aufgenommen, die aus Kiew kamen. Der Mann sei in der ukrainischen Hauptstadt zurückgeblieben, um sich um die Großeltern zu kümmern, die aufgrund ihres Alters und wegen ihrer Krankheit nicht mehr flüchten konnten.

In diesem Fall gibt es keine große Sprachbarriere, „weil die 20-jährige Soziologie-Studentin, ihre kleine Schwester und Mutter recht gut Englisch sprechen“, sagt Gastgeberin Julia Landinger. Die aufgenommene Familie habe im Dachgeschoss ihr eigenes Reich. Die Küche werde von allen gemeinsam genutzt. Die Familie sei überaus dankbar und hilfsbereit, wodurch in kürzester Zeit eine harmonische Wohngemeinschaft entstanden sei.

Der Ausweis dauert einige Wochen

Ein Problem sei, dass die Ukrainer nach Registrierung erst nach drei bis vier Wochen den Aufenthaltsausweis von der Bundesdruckerei erhalten, sagte Landinger. Diesen Ausweis benötige man beispielsweise zum Erhalt einer Krankenkassenkarte. „In dieser Zeit sind aber Notfallbesuche beim Arzt jederzeit möglich“, sagte Bartlweber.

Ihm sei es wichtig, „dass kein blinder Aktionismus bei der Hilfe gegenüber den Flüchtlingen entstehe, sondern dass vorher überlegt werde, zu welchem Zeitpunkt welche Hilfe nötig und gewinnbringend ist.“ Die anwesenden Bürger der Informationsveranstaltung gaben zu verstehen, dass sie zur Mithilfe bereit sind, wenn es erforderlich wird. Interessenten können sich bei der Gemeindeverwaltung unter der Nummer 0 86 67/88 85 21 melden.

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