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Kritik von Umweltverband

Hotel Malerwinkel: „Eine ökologische Katastrophe“? - So reagieren Bauherr und Gemeinde

Der Seeon-Seebrucker Gemeinderat hat jetzt grünes Licht für einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan „Malerwinkel“ erteilt. Die Entscheidung fiel in einer öffentlichen Sitzung mit sieben zu zwei Stimmen deutlich aus. Wenn alles glatt läuft, könnte „der neue Malerwinkel“ 2025 in Betrieb gehen. RE
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Im Gemeinderat war die Sache bisher recht eindeutig. Doch nun gibt es am Neubau des Hotels Malerwinkel harsche Kritik.
  • Thomas Stöppler
    VonThomas Stöppler
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Der Malerwinkel in Seeon-Seebruck hat Tradition am Chiemsee. Doch Naturschützer sehen in dem geplanten Neubau eines Hotels in vielerlei Hinsicht eine „Schädigung von Landschaft und Ökologie“.

Seeon-Seebruck - „Der Neubau gefährdet ein geschütztes, landesweit bedeutendes Flora-Fauna-Habitat und europäisches Vogelschutzgebiet“, sagt Reinhold Schopt, Erster Vorsitzender Umweltschutzverband Alztal und Umgebung (UVA). Der Verband erklärte in einer ausführlichen Presseerklärung seine scharfe Kritik am Neubau des Hotels Malerwinkel: „Das Vorhaben hat eine mehrfach größere Baumasse als der Bestand, beziehungsweise als die nach dem bisher gültigen Bebauungsplan von 2006 zulässige“, außerdem stehe das Vorhaben „in völligem Gegensatz zur rechtsverbindlichen Landschaftsschutzverordnung von 1986/2003, zum Landschaftlichen Vorbehaltsgebiet und zum verbindlichen Seeuferkonzept des Regionalplans.“

„Das Verwaltungsgebäude einer Klopapierfirma“

Dabei hatte der Gemeinderat den Bebauungsplanentwurf und die damit einhergehende Änderung des Flächennutzungsplanes im Dezember vergangenen Jahres mit nur zwei Gegenstimmen gebilligt. Kritik gab es zwar bereits auf der Bürgerversammlung im Juli, aber da ging es vor allem um die Optik: „Das Verwaltungsgebäude einer Klopapierfirma“ war dort zu hören gewesen. Nun geht es allerdings um mehr als Optik. Der UVA hat einen langen Katalog an Problemen aufgelistet: Es müsse 25 Meter tief gebohrt werden; diese Tiefgründungen würden nach Ansicht des UVA ein Durchstoßen der wasserundurchlässigen Schichten des Chiemsee-Beckens bewirken. Auch würden Lärm, Feinstoff und andere Emissionen die Flora und Fauna, insbesondere die Muschel- und Fischpopulationen gefährden. Das bestellte Gutachten betrachtet der Verband als „parteiisch und unglaubhaft“. Dieses hatte nämlich keine Gefährdung von Muscheln oder Fischen festgestellt.

„Das Verwaltungsgebäude einer Klopapierfirma“. Der Entwurf stieß auch schon vorher auf Kritik. Allerdings nur aus optischen Gründen.

Auch in die Größe des Projekts ist für den UVA ein Problem: Es seien zu wenig Parkplätze eingeplant. 140 sind im Bebauungsplanentwurf vorgesehen, nötig wären einige mehr. Laut der bayerischen Garagen- und Stellplatzverordnung braucht es pro 10 Quadratmeter Gastfläche einen Parkplatz. Bei den geplanten 1525 Quadratmetern Gastflächen wären schon dafür 150 Parkplätze von Nöten. Dazu kämen noch Parkplätze für die 120 Beschäftigten und die Hotelgäste: „Schon der gesunde Menschenverstand sagt, dass für ein abseits vom ÖPNV gelegenes Hotel mit 150 Betten, ein Restaurant mit 280 Sitzplätzen und für 120 Bedienstete eine Tiefgarage mit 140 Kfz-Stellplätzen wesentlich zu gering angesetzt ist“, erklärte Schopt.

Die Rechnung mit den Stellplätzen

Das Landratsamt Traunstein, das für die Erteilung der Baugenehmigung zuständig ist, erklärte auf OVB-Anfrage, dass noch kein Antrag für das Baugenehmigungsverfahren vorliege. Allerdings bestätigte es die vom UVA errechneten Zahlen für die notwendigen Stellplätze nicht. Denn Terrassenfläche und Innenflächen summieren sich nicht, sondern werden getrennt behandelt. Die Logik ist, dass die Gäste entweder draußen oder drinnen sitzen - je nach Wetter. Daher reiche es grundsätzlich für die Stellplatzgenehmigung aus, die größere Fläche als Grundlage heranzuziehen. Für die 150 Hotelgäste wären 25 Parkplätze fällig.

Komplizierter ist die Situation um das Wasser: Denn neben den Bohrungen sei, laut UVA, auch die Situation um die Bauwasserhaltung und der Niederschlagswasserbeseitigung nicht schlüssig. Weil der Boden nicht versickerungsfähig ist, müsse auch das Regenwasser auf Dauer anders entsorgt werden, als wie geplant durch wasserdurchlässige Verkehrsflächen. Das ginge aus dem Gutachten hervor. Das Wasser in den Chiemsee einzuleiten, würde die Fauna bedrohen. Wie das Wasser schadlos beseitigt wird, sei noch unklar. Das Wasserwirtschaftsamt Traunstein hat für nächste Woche eine Stellungnahme angekündigt, die limnologische Forschungsstation Seeon ließ eine Anfrage unbeantwortet.

Verdacht auf nachgelagerte Erweiterung

Viel ergieber war auch die Antwort des Bauherrn, der Meine Volksbank Raiffeisenbank eG, nicht: „Unsere Gedanken und Planungen rund um das Projekt Malerwinkel entwickeln sich dynamisch weiter, dabei tragen wir selbstverständlich auch sämtlichen umweltschutztechnischen und rechtlichen Aspekten Rechnung“, erklärte ein Sprecher auf Anfrage des OVB. Sobald der Entwicklungsstand es zulasse, werde man Auskunft geben, hieß es weiter.

Auch den wohl größten und eventuell sogar justiziablen Vorwurf des UVA ließ man unbeantwortet: „Bei den vorgelegten Unterlagen drängt sich der Verdacht auf, dass das Planungskonzept auf eine zwangsweise nachgelagerte Erweiterung für Personalwohnungen, für Betriebs- und Parkflächen, sowie für die Entwässerung des Betriebsgeländes ausgelegt ist“, erklärte Schopf.

 Seeon-Seebrucks Bürgermeister Martin Bartlweber (FW)

„Einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan“, erklärt aber Seeon-Seebrucks Bürgermeister Martin Bartlweber (FW), „macht man ja genau um so etwas zu verhindern.“ Es müsse dann genauso umgesetzt werden, „da gibt es auch keinen Spielraum im Nachgang.“ Sollten etwa noch Wohnungen für das Personal geplant werden, so müsse das woanders passieren: „Auf diesem Areal - es ist ja auch sehr vollgepackt - ist kein Platz für weitere Bebauungen“, erklärte Bartlweber.

„Wir sind uns der Sensibilität bewusst“

Überhaupt zeigte sich der Bürgermeister gegenüber dem OVB nicht von der Kritik überrascht: „Wir sind uns der Sensibilität des Chiemseeufers ja bewusst. Deshalb habe man auch gleich die Ortsgruppe des Bund Naturschutz bei den Planungen mit ins Boot geholt.“ Vieles, erklärte der Bürgermeister, sei noch nicht fertig geplant, wie etwa die Fragen um die Wasserbeseitigung. Die zuständigen Fachbehörden prüften alle Kritikpunkte und man nehme die Kritik des UVA durchaus ernst. Im März geht der Plan erneut in den Gemeinderat, bis dahin sollten einige der offenen Fragen geklärt sein.

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