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Fragen und Antworten zur geplanten Ortsumfahrung der Chiemseegemeinde

Welche Entlastungsspange führt künftig die Blechlawine aus Seeon-Seebruck?

Varianten der geplanten Entlastungsspange in Seebruck
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Die Varianten der geplanten Entlastungsspange in Seebruck.
  • Marina Birkhof
    VonMarina Birkhof
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Der Industrieverkehr, der seit Jahrzehnten durch die Chiemseegemeinde rollt, setzt den Straßen stark zu. Abhilfe soll das Projekt „Staatsstraße 2095 Entlastungsspange Seebruck“ schaffen. Der aktuelle Sachstand:

Seeon-Seebruck - „Eine Querung der Alz ist immer problematisch“, räumt Seebrucks Bauamtsleiter Josef Heiß im Gespräch mit chiemgau24.de ein. „Wir versuchen natürlich das kleinere Übel zu erreichen, aber Eingriffe in die Natur sind bei solchen Bauprojekten wie der Entlastungsspange leider unvermeidbar.“

Jetzt gelte es, jene Lage zu finden, die am verträglichsten erscheine und mit Ausgangsflächen entsprechend kompensiert werden könne: „Wir sind froh, dass wir uns nicht nur auf eine Spange versteifen, sondern mit der Erweiterung des Untersuchungskorridords alle Möglichkeiten abwägen können und so einen Weitblick auf das bisher mit rund 15 Millionen Euro geplante Gesamtprojekt erhalten.“ So könne man sich am Ende „guten Gewissens“ für eine Trasse entscheiden. Die sanierungsbedürftige Seebrucker Alzbrücke indes werde 2022 neu gebaut. 

Wieso braucht es eine Raumempfindlichkeitsanalyse (REA)?

Bereits am 14. Dezember 2020 stellte das Staatliche Bauamt die Ergebnisse der Raumempfindlichkeitsanalyse (REA) dem Gemeinderat und der Öffentlichkeit vor. Das Ziel: Möglichst konfliktarme Korridore für die Varianten der Entlastungsspange Seebruck zu finden.

Der Aufgabenbereich der REA als Grundlage für die Variantenerarbeitung beinhaltet unter anderem das Erkennen von möglichen Konfliktbereichen bereits in einem sehr frühen Planungsstadium, die Beurteilung möglicher Veränderungen von Raum- und Umweltfunktionen sowie die Beurteilung der planungs- und baurechtlichen Erfolgsaussichten von Korridoren und die rechtssichere Basis aller weiteren Planungsschritte.

Das Vorgehen im Rahmen der REA in einem festgelegten Untersuchungsbereich umfasst die Untersuchung des Raumwiderstands separat für alle Schutzgüter nach UVPG sowie die Überlagerung aller Schutzgüter zu einer Raumempfindlichkeitskarte.

Die blau eingezeichnete Trasse einer möglichen Entlastungsspange nördlich des Ortsteils Graben stammt vom Architekturbüro Landbrecht und soll vor allem als Diskussionsgrundlage dienen. Eine genaue, mögliche Trassenführung steht noch nicht fest. 

Entlastungsspange: Auch “Korridor Nord“ in Untersuchungen eingebunden

Im Ergebnis, so lautet die Erklärung aus dem Bauamt, kristallisierte sich heraus, dass sich innerhalb des REA-Untersuchungsraums der drei angedachten Korridore ein weiterer “Korridor Nord“ aus gutachterlicher Einschätzung als konfliktärmer darstellt als die drei anderen Korridore. Er entspricht darüber hinaus in weiten Teilen dem Verlauf der früher geplanten Ortsumfahrung Seebruck.

Am 21. Dezember vergangenen Jahres wandte sich Bürgermeister Bartlweber - unterstützt von den Fraktionsvorsitzenden der Freien Wähler und CSU - mit einem Schreiben an das Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr an Staatsministerin Kerstin Schreyer und Ministerialdirektor Helmut Schütz mit der Bitte, auch den Korridor Nord in die weiteren Untersuchungen mit einzubeziehen.

Im Antwortschreiben vom 29. Januar 2021 habe Schreyer der Gemeindeverwaltung mitgeteilt, dass auch der “Korridor Nord“ in die Untersuchungen eingebunden und im Rahmen der weiterführenden Umweltverträglichkeitsstudie (UVS) geprüft und untersucht werde. „Diese positive Antwort ist für uns ein wichtiger Meilenstein“, hebt Heiß hervor und unterstreicht, derzeit würden die vertieften Untersuchungen (UVS) laufen, die sicherlich noch einige Monate in Anspruch nehmen werden.

Gisela Sengl (rechts) 2019 neben Grünen-Fraktionsvorsitzendem Ludwig Hartmann in Seebruck. Links steht Anton Maier, Gemeinderatsmitglied der Grünen.

Was der Bauamtsleiter als erfreulich einstuft, sieht Gisela Sengl, regionale Abgeordnete der Grünen Landtagfraktion, mit Skepsis - und das nicht zum ersten Mal. Sie hat sich daher mit einem Fragenkatalog an das Ministerium gewandt, um mehr über die Umweltverträglichkeitsprüfung und das Raumordnungsverfahren der Trassenvarianten in Seebruck zu erfahren.

Warum vier Trassenkorridore?

Sie fragt sich unter anderem warum vier Trassenkorridore geprüft werden, obwohl bei dreien bereits ein sehr hoher Raumwiderstand bescheinigt worden sei, was ein Ausschlusskriterium für eine nachfolgende UVS darstellen würde. Zudem formieren sich bei Sengl Zweifel, da der neu hinzugekommene Korridor weitestgehend der ursprünglich angedachten Ortsumfahrung entspricht. Die sei nämlich aufgrund der als sehr hoch bewerteten Umweltrisikostufe im Ausbauplan bereits in der zweiten Dringlichkeit eingestuft und damit nicht weiter verfolgt worden.

„Warum wurde nicht bereits vor Planungsbeginn der Entlastungsspange ein Verkehrsgutachten erstellt, um belegbare Zahlen zur Verkehrswirksamkeit im Vorfeld einer solch weitreichenden Planung zu haben und wie hoch sind die Kosten für alle Gutachten und für die UVS?“ lautet die Abschlussfrage an das Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr.

Nördlicher Bereich in vollständige Prüfung einbezogen

Die Antwort des Ministeriums: „Bei der Erarbeitung der Raumempfindlichkeitsanalyse für eine mögliche Entlastungsspange von Seebruck wurde ergänzend zu dem zunächst abgestimmten Untersuchungsgebiet auch der Bereich nördlich von Seebruck untersucht, da sich bei den Untersuchungen andeutete, dass ein nördlicher Korridor aus naturschutz- fachlicher Sicht und insbesondere im Hinblick auf den europäischen Gebietsschutz (Natura 2000) die vergleichsweise geringste Raumempfindlichkeit aufweist.“ Für eine vollständige und abschließende Alternativenprüfung sei somit auch der nördliche Bereich mitzubetrachten.

Um die für den Raum verträglichste Alternative zu ermitteln, seien in der nun anschließenden Umweltverträglichkeitsstudie die planerisch noch zu konkretisierenden Varianten gegenüberzustellen und zu vergleichen. Dabei spiele es zunächst keine Rolle, dass für die angesprochene Ortsumfahrung Seebruck, die in der zweiten Dringlichkeit des Ausbauplans für die Staatsstraßen eingestuft sei, das Umweltrisiko ebenfalls als hoch bewertet worden sei.

Die Alzbrücke in Seebruck aus der Vogelperspektive.

„Vielmehr wurde durch die Aufnahme der Ortsumfahrung Seebruck in den Ausbauplan grundsätzlich der Bedarf einer Ortsumfahrung von Seebruck festgestellt - ob nun in Form einer kleinräumigen Entlastungsspange oder einer großräumigeren Ortsumfahrung“, heißt es aus dem Ministerium.

Die Raumempfindlichkeitsanalyse beurteile ferner lediglich den Raumwiderstand im Untersuchungsraum anhand der Schutzgüter des Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetzes: „In die Beurteilung des Raums gehen noch keine Trassenvarianten oder deren verkehrlichen Entlastungswirkungen ein. Das Verkehrsgutachten und das hydrologische/hydrogeologische Gutachten sind dann im nächsten Schritt Grundlagen für den Variantenvergleich.“

Projekt „Staatsstraße 2095 Entlastungsspange Seebruck“: Welche Kosten gibt es bisher?

Die Kosten für die erfolgten naturschutzfachlichen Kartierungen, die bereits durchgeführte Raumempfindlichkeitsanalyse und die noch folgende Umweltverträglichkeitsstudie belaufen sich laut Ministerium voraussichtlich auf rund 100.000 Euro.

Das Verkehrsgutachten und das hydrologische/hydrogeologische Gutachten seien noch nicht beauftragt, sodass nur Erfahrungswerte von anderen Maßnahmen herangezogen werden könnten. Die Kosten für das Verkehrsgutachten werden voraussichtlich in einer Größenordnung von rund 40.000 Euro und für das hydrologische/hydrogeologische Gutachten von rund 50.000 Euro liegen.

mb

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