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Spuren der Vergangenheit bei Wohnbauprojekt

50 Skelette auf Baustelle in Seeon-Seebruck entdeckt: Herkunft soll aufgeklärt werden

Andreas Zauner ist archäologische Fachkraft und einer jener, die helfen, die Funde auf der einstigen Grabstelle freizulegen. 
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Andreas Zauner ist archäologische Fachkraft und einer jener, die helfen, die Funde auf der einstigen Grabstelle freizulegen. 
  • VonGabi Rasch
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  • Jens Kirschner
    Jens Kirschner
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Dort, wo der Harrecker Hof wieder aufgebaut werden soll, haben Archäologen 50 Skelette freigelegt. Was nun mit den Überresten geschieht.

Seeon-Seebruck – Eigentlich sollte sich auf der Baustelle des „Wohnbrauprojekts Ischl“ in dem kleinen Kirchendorf Ischl bei Seeon etwas in Richtung Zukunft tun. Doch im Moment wird dort nach Spuren der Vergangenheit gegraben: Vor etlichen Wochen ist man bei Erdarbeiten auf Siedlungsbefunde und Skelette gestoßen.

Deshalb verzögert sich der Baubeginn des Wiederaufbaus des Harrecker-Hofes, von dem noch wenige Grundmauern übrig geblieben sind. Elf neue Wohnungen, die durch die Gemeinde vermietet werden, sollen in dem neuen Gebäude entstehen. Bei den Erdarbeiten ist man hinter der nördlichen Friedhofsmauer der Kirche Sankt Martin auf die ersten Skelette gestoßen. Um die Kirche, die 1432 erbaut und 1651 barockisiert wurde, befand sich Mitte des 19. Jahrhunderts ein im Halbrund angelegter Friedhof.

Alterbestimmung mit Kohlenstoffisotop

Die Archäologin Katrin Heigermoser von der Gesellschaft „Archäologie Hofmann & Heigermoser“ geht fest davon aus, dass die rund 50 Skelette aus der Neuzeit stammen. Um ein Massengrab handle es sich freilich nicht, wie Heigermoser berichtet. „Ein normaler Friedhof“, wie sie sagt. Maximal ließen sich Nachbestattungen bei Familiengräbern feststellen.

Wie geht es nun weiter? „Die Gebeine werden ausgegraben, in der Anthropologischen Staatssammlung München erforscht und untersucht und dann zum Teil wieder bestattet“, erklärt die Archäologin. Die Anthropologen interessiert dabei zum einen das Alter, welches sie nach dem Zerfall des Kohlenstoffisotops C14 bestimmen. Dies auch, um zu datieren, in welche historische Epoche die Funde einzuordnen sind. Aber auch die Todesursache ist relevant für die Forscher, die anhand der Knochen nachvollziehen könnten, ob die Verstorbenen gegebenenfalls gewaltsam ums Leben kamen.

Akribisch legen die Archäologen die Skelette frei, die bei Erdarbeiten auf der Baustelle in Ischl zutage getreten sind.

Arbeiten in zwei Wochen abschließen

Neben den Skeletten ist man unter anderem auch auf Siedlungsbefunde eines Vorgängerhofes gestoßen. „Bis etwa 1850 stand von vor dem Harrecker oder Moier Hof ein Vorgängerbau in Form eines Bauernhofes“, berichtet der Bürgermeister Seeon-Sebrucks, Martin Bartlweber (FW).

Auch diese Funde werden jetzt entsprechend dokumentiert. Gleiches gilt für mögliche Funde, die im Zuge des weiteren Leitungsbaus auftreten. Sobald das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege die Freigabe erteilt hat, können die Bauarbeiten fortgeführt werden. Zumindest vonseiten der Archäologen will man die Arbeiten in höchstens zwei Wochen abgeschlossen haben, wie Archäologin Katrin Heigermoser berichtet.

Wiederaufbau des Harrecker Hofes

Um aber keine Zeit zu verlieren, wurde der Bau eines Parkstadels für die späteren Wohnungen vorgezogen. Die Fundamente stehen schon, und Anfang Juni soll nach Angaben von Bauamtsleiter Josef Heiss der Holzstadel aufgestellt werden. In dem Gebäude des Parkstadels werden auch die Heizung und Elektronik für die Fotovoltaik-Anlagen und die Grundleitungen für die neuen Gebäude integriert.

Mit insgesamt zehn Wochen Verzögerung bei der Errichtung des Wohngebäudes rechnet Rathauschef Martin Bartlweber. „Die gute Zusammenarbeit mit der Landesdenkmalbehörde, dem Landratsamt und dem archäologischen Büro ist es zu verdanken, dass wir kaum Stillstand auf der Baustelle hatten“, ergänzt der Bürgermeister. Allerdings kommen mit den Ausgrabungen auch Mehrkosten auf die Gemeinde zu, welche Bürgermeister Bartlweber auf rund 40.000 Euro schätzt.

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