ABSCHIED VON PFARRER FRANZ NIEGEL

Seelsorge und Volksmusik

Pfarrer Franz Niegel †
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Pfarrer Franz Niegel †

Der frühere Unterwössner Pfarrer Monsignore Franz Niegel ist am Donnerstag im Alter von 91 Jahren in seinem Altersruhesitz in Marquartstein verstorben. Niegel hat Unterwössen geprägt und sich als Volksmusikpfarrer weit über die Region einen Namen erarbeitet.

Marquartstein/Unterwössen – Als drittes Kind von Heinrich und Elisabeth Niegel kam er am 29. März 1926 in Berchtesgaden zur Welt. Er besuchte die örtliche Volks- und Oberschule. Aus der Kriegsgefangenschaft zurück, legte er 1948 sein Abitur ab. Ab 1948 war er im Priesterseminar in Freising, 1954 empfing er die Priesterweihe.

Als Kaplan kam Niegel zuerst nach Reit im Winkl, dann für 15 Monate nach Waldram bei Wolfratshausen. Seine Kontaktfreude und die Gabe, vorbehaltlos auf die Menschen zuzugehen, halfen ihm, sich überall schnell einzuleben. Ab 1960 war er für zwei Jahre als Kaplan in Wasserburg. Seine erste Pfarrerstelle trat er 1972 in Oberwössen an, was ihm als Bergfreund taugte.

Nach Unruhen und der Amtsenthebung des dortigen Pfarrers wurde Niegel 1963 die Unterwössner Pfarrei zunächst nebenamtlich übertragen. Das erzbischöfliche Ordinariat München bescheinigte ihm später, es sei ihm gelungen, „in sehr kurzer Zeit der Gemeinde über alle Aufregung hinweg zu helfen und besonders der enttäuschten Jugend neues Vertrauen in die Kirche zu schaffen.“ Die Kirchenverwaltung Unterwössen schrieb damals an die Diözese: „Die Wössner, Jung und Alt, hängen an ihrem Pfarrvikar und können sich nicht mehr vorstellen, dass er nur vorübergehend ihr Seelsorger sein sollte.“ Schließlich ernannte ihn Kardinal Döpfner zum Pfarrer von Unterwössen.

32 Jahre lang führte er die Pfarrei, von 1973 bis 1978 war er zudem Dekan des Dekanats Traunstein. Am Ende bescheinigte ihm das Ordinariat „hervorragende Arbeit“ in der Seelsorge wie in der Verwaltung.

Seit seiner Kindheit pflegte er eine große Liebe zur Volksmusik. Das seit 1951 jährlich zweimal veranstaltete Dombergsingen des Priesterseminars geht auf Niegel zurück und hat ihn bekannt gemacht. Dank seiner Freundschaft zu Wastl Fanderl, Annette Thoma, Kiem Pauli und Tobi Reiser entstanden Advents- und Weihnachtssingen, Passions- und Ostersingen und Wössner Erntedank.

1979 verlieh ihm die Gemeinde die Ehrenbürgerwürde. 1992 erhielt er den päpstlichen Ehrentitel des Monsignores. Seinen Ruhestand genoss er ab 1997 in seiner Heimat Berchtesgaden. Nach einem Herzinfarkt und einem Schlaganfall lebte er ab 1999 im Bürgerheim Berchtesgaden, ab 2003 dann im „Marienbad“ Marquartstein.

Der Sterberosenkranz wird am Freitag, 3. November, um 18 Uhr in der Pfarrkirche in Oberwössen gebetet. Dem Requiem am Samstag, 4. November, ab 10 Uhr im „Alten Bad“ schließt sich die Beisetzung auf dem Friedhof an. Ein Gedenkgottesdienst ist am Donnerstag, 9. November, ab 18.30 Uhr in der Pfarrkirche Berchtesgaden.

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