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Seit April

Seelische Verletzungen: So unterstützt der Priener Helferkreis Ukraine geflüchtete Kinder

Das Organisationsteam für die Kinderbetreuung der Priener Ukrainehilfe: (von links) Pfarrer Mirko Hoppe, Nadine Feraco-Gaertner, Svitlana Cherniavska und Ina Lechner.
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Das Organisationsteam für die Kinderbetreuung der Priener Ukrainehilfe: (von links) Pfarrer Mirko Hoppe, Nadine Feraco-Gaertner, Svitlana Cherniavska und Ina Lechner.
  • Jens Kirschner
    VonJens Kirschner
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Seit April bietet der Priener Helferkreis Ukraine ein Betreuungsangebot für geflüchtete Kinder an. Auch, um den Buben und Mädchen, Stabilität zu geben. Denn diese vermissen nicht nur ihre Heimat.

Prien – Svitlana Cherniavka ist Ende März aus der ukrainischen Hauptstadt Kiew nach Deutschland geflohen. Mit ihren beiden Töchtern hat sie das Land verlassen, nachdem Russland seinen westlichen Nachbarn am 24. Februar angegriffen hatte. In Prien angekommen, habe sie ein „Doppelleben“ geführt, wie die Psychologin auf Englisch erklärt: Sie habe begonnen, im Kindergarten zu arbeiten und zeitgleich noch Online-Kurse für die nationale Luftfahrt-Universität in Kiew gegeben. Und sie ist ein Mitglied im Kernteam der Priener Ukrainehilfe, welches seit Ende April eine Betreuung für die Kinder der Kriegsflüchtlinge organisiert.

Gutes für die Leute tun

„Ich bin Psychologin und habe immer mit Menschen gearbeitet“, sagt sie über ihr Engagement für die Kinderbetreuung des Helferkreises. Zudem gehe es um Ukrainer, „und ich weiß, wie sie sich fühlen“, ergänzt Cherniavka. Darunter vor allem der Umstand, dass sie nicht aus freien Stücken nach Deutschland kamen, sondern weil der Krieg sie dazu gezwungen hatte. „Es ist eine gute Gelegenheit für mich, hier etwas Gutes für meine Leute zu tun“, sagt die 32-Jährige.

In einem Zelt hinter der Turnhalle des Ludwig-Thoma-Gymnasiums werden die Buben und Mädchen wochentags von 8 bis 12 Uhr ehrenamtlich betreut.

Es ist ein Angebot für alle jene, deren Eltern keinen regulären Betreuungsplatz in einer Krippe oder einem Kindergarten finden konnten. Es soll eine Übergangslösung sein, bis für die Kinder ein Platz bei regulären Betreuungsangeboten frei wird. Und: „Es soll eine Entlastung für die Mütter sein, aber auch den Kindern einen Rhythmus und Stabilität geben“, sagt Nadine Feraco-Gaertner, welche sich bei der Priener Ukrainehilfe um die Bereiche Kinderbetreuung und Freizeitangebote kümmert.

Tag startet mit Morgenkreis

Das Angebot finanziere sich vornehmlich aus Spenden, berichtet Pfarrer Mirko Hoppe von der evangelisch-lutherischen Gemeinde Prien. Hoppe gehört ebenso dem Helferkreis an. Ein Großspender aus Prien habe die Einrichtungen im Zelt bezahlt, die Evangelische Landeskirche finanziere die Übungsleiterpauschalen, welche als Aufwandsentschädigung an die Betreuer gehen. Und auch das Landratsamt steuere Geld für das Angebot bei.

Mit einem Morgenkreis beginnt jeder Tag. Und in diesen streuen die Betreuer auch immer einzelne deutsche oder Satzteile ein, um die Kinder langsam an die Sprache heranzuführen. Dies sieht man auch im Zelt. Dort hängen Zeichnungen verschiedener Alltagsgegenstände an der Wand, mit deutschen Begriffen darunter. Aber es bleibt auch genug Zeit zum Spielen, wie sich nicht zuletzt am Potpourri der Spielsachen im Zelt ablesen lässt: Ein Hüpfball ist dort genauso zu finden wie ein Trampolin, dazwischen Brettspiele, Puppen und Rechenschieber.

Kinder vermissen ihre Väter

Drei ukrainische Helfer und zwei aus Deutschland kümmerten sich um die Kinder, sagt Mirko Hoppe. Neben den ukrainischen Kindern gehöre noch eines aus Afghanistan zur Gruppe, für das ebenfalls kein anderer Betreuungsplatz frei gewesen sei. Den Kindern merke man mitunter an, dass sie traurig sind.

Wenn, wie so oft, der Vater im wehrfähigen Alter in der Ukraine bleiben musste, um das Land gegen die Aggressoren zu verteidigen. Und auch seelische Verletzungen durch die Eindrücke der Flucht aus einem kriegserschütterten Land seien erkennbar, so Hoppe.

Seelische Verletzungen

„Ich höre zumindest, dass man es bei einzelnen merkt“, berichtet er über die Erfahrungen der Betreuer mit traumatisierten Kindern. Deutlicher mache sich dies jedoch bei den ABC-Schützen bemerkbar, sagt Hoppe, der auch für die Schulbetreuung der ukrainischen Kinder zuständig ist. „Vielleicht, weil sich die Kinder dort noch mehr verbalisieren“, vermutet Hoppe.

Hier beschwichtigt die Psychologin Svitlana Cherniavka. Einige Kinder bräuchten zwar mehr Aufmerksamkeit, zeigten aber keine besonderen Auffälligkeiten. „Wir haben ein gutes Klima in der Gruppe“, sagt sie.

Das Ziel wiederum ist, den Kindern zum Beginn des neuen Kindergartenjahres im September wirklich einen „richtigen“ Platz in einer Krippe oder einem Kindergarten zu vermitteln. „Das hakt zwar gerade noch, aber wir sind dran“, sagen Mirko Hoppe und Nadine Feraco-Gaertner.

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