Sechs ereignisreiche Jahre in Grassau

Rudi Jantke hatte sich eigentlich einen anderen Abschied gewünscht. Weit entfernt von den Räte, dennoch hochkonzentriert fand die Sitzung im Heftersaal statt. Ein Mikrofon war unabdingbar. Jantke führte das Gremium nach 18 Jahren als Bürgermeister ein letztes Mal. Eder

Bürgermeister Rudi Jantke blickt auf letzte Amtsperiode zurück. Er kann gute Haushaltszahlen und erfolgreich verwirklichte Projekte verweisen

Grassau – „Die letzten zwei Monate hatten wir uns anders vorgestellt und vor allem hätte ich dem neuen Marktgemeinderat und meinem Nachfolger einen anderen Start gewünscht“, betonte Bürgermeister Rudi Jantke in seiner Abschiedsrede im Marktgemeinderat. Die Misere der Corona-Krise sei noch nicht vorbei, dennoch sei die schwierige Zeit bisher gut bewältigt worden. So wurde der Notbetrieb der Gemeinde so gestaltet, dass so wenig wie möglich Service-Verluste entstanden seien, obwohl die Verwaltung bisher komplett im Homeoffice gearbeitet habe.

Lob für Disziplin und Hilfsbereitschaft der Bürger

Der scheidende Bürgermeister lobte die Bürger aus, die sich weitgehend an die Beschränkungen wegen Corona gehalten hätten. Er hob die enorme Hilfsbereitschaft hervor, nannte das Hilfsprojekt „Grassau, Rottau und Mietenkam hält zusammen“, initiiert von Sepp Adersberger, Christian Kern und Thomas Hofmann aus Rottau und abgewickelt mit der Familienstelle.

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In der vergangenen Wahlperiode seien wichtige Projekte verwirklicht worden, so Jantke. Als Beispiele nannte er den Neubau des BRK-Hauses mit Familientreff und den anschließenden großen Kinderspielplatz in der Ortsmitte. Ein Meilenstein war sicher auch der Bebauungsplan Kaiserblickstraße mit dem Bau eines neuen, modernen Senioren- und Pflegeheims mit betreutem Wohnen, in dem die Gemeindebürger bei der Belegung Vorrang haben sowie die Ausweisung von Grundstücken für den Bedarf der Einheimischen. Große Entscheidungen wurden zudem im Rahmen des Schulprojekts getroffen. Die Barrierefreiheit wurde erreicht, die Generalsanierung des kompletten Altbestandes werde durchgeführt und auch der Neubau eines Schulgebäudes wird folgen. Die neue Turnhalle sei bereits errichtet.

An der Mietenkamer Straße konnte ein Mischgebiet für Firmen mit hochqualifizierten Ausbildungsplätze geschaffen werden. Die Voraussetzungen für den Neubau des Feuerwehrgerätehauses in Rottau liegen vor und das Grassauer Feuerwehrgerätehaus wurde bereits erweitert. Jantke erinnerte auch an die Umstellung der kompletten Straßenbeleuchtung auf LED. Ein großes Projekt war zudem die Ortsgestaltung von Mietenkam, sowie der Breitbandausbau und auch der Erwerb von Grundstücken auf dem ehemaligen Körtinggelände, die für die Gemeindeentwicklung von Bedeutung sind.

Jantke bedauerte, dass einige Angelegenheiten während seiner Amtszeit nicht gelöst werden konnten. So konnte der kleine Fußweg von der Haidstaudenstraße ins Ortszentrum nicht umgesetzt werden. Die Gemeinde sei machtlos, wenn ein Eigentümer nicht bereit sei, eine kleine Fläche zu veräußern oder zumindest zur Verfügung zu stellen. Bedauerlich sei auch, dass der Dorfladen in Mietenkam wieder ohne Betreiber ist.

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Intensiv werde den künftigen Marktgemeinderat die Neuplanung des ehemaligen Körting-Geländes beschäftigen. Die Voraussetzungen hierfür hätten sich durch die Erstellung eines Rahmenplans und den Kauf des Grundstücks verbessert. „Der Markt Grassau ist sehr gut aufgestellt, mit sanierten Ortskernen, in der Daseinsvorsorge mit moderner, sicherer Wasserversorgung und Abwasserentsorgung“, versicherte Jantke. Im Bereich Erneuerbare Energien habe die Gemeinde einen weiten Vorsprung und im Bereich Kunst und Kultur seien die ausgezeichnete Musikschule und das Chronikprojekt nur beispielhaft genannt. Auch im Freizeitsektor steht Grassau mit Sportanlagen, Wanderwegen und Reifinger Badesee gut da. Letztlich habe der Markt Grassau eine so gute finanzielle Ausstattung wie nie zuvor in seiner Geschichte.

„Fast paradiesische Zustände“ in der Gemeinde

Grassau habe gut daran getan, sich nicht kaputt zu sparen, sondern in Notwendiges, Wichtiges und Sinnvolles zu investieren. Geschäftsleiter Peter Enzmann ergänzte die Zusammenfassung mit Zahlen. So wurden in den sechs Jahren 112 Millionen Euro verwaltet. Werde 2020 hinzugerechnet, seien es 138 Millionen Euro. 23 Millionen wurden in den sechs Jahren investiert. Aus Sicht der Verwaltung gab es „fast paradiesische Zustände“, betonte Enzmann. Dass die Zusammenarbeit im Plenum so gut war, sei das große Verdienst von Rudi Jantke. Ihm wünschte Enzmann einen erholsamen Ruhestand und dass die Krise möglichst zügig vorbeigehe, damit er mit seinem Wohnmobil die Welt erkunden könne.

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