Schwimmvergnügen im Grassauer Badesee sicherer machen

Derzeit erarbeitet die Marktgemeinde Grassau ein neues Sicherheitskonzept für den Reifinger Badesee. Ob der „Eisberg“ (vorne links) und das Badefloß (Mitte, hinten) bleiben, ist noch offen.
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Derzeit erarbeitet die Marktgemeinde Grassau ein neues Sicherheitskonzept für den Reifinger Badesee. Ob der „Eisberg“ (vorne links) und das Badefloß (Mitte, hinten) bleiben, ist noch offen.

Das Schwimmen im Reifinger Badesee in Grassau soll für die Badegäste ein Vergnügen bleiben: Deshalb hat der Marktgemeinderat jetzt einstimmig eine „Hausordnung“ für die Freizeitanlage erlassen. Neu geregelt wird unter anderem die zeitliche Nutzung, der Aufenthalt und der Badebetrieb.

Von Tamara Eder und Ulrich Nathen-Berger

Grassau – Für die Verkehrssicherheit des vor Jahren erweiterten Baggersees zum Badegewässer mit einer Größe von knapp zwei Hektar (entspricht etwa der Größe zweier Fußballfelder) ist die Marktgemeinde zuständig. Unfälle in kommunalen Badegewässern hatten in der Vergangenheit gezeigt, welche Ausmaße die kommunale Verantwortung haben kann: Der Bundesgerichtshof hatte im November 2017 in einem Urteil zu den Auswirkungen eines Unfalls die Überwachungs- und Rettungspflichten von Personen konkretisiert, die mit der Aufsicht in Schwimmbädern betraut sind und die Bedingungen für den Betrieb von Naturbadeseen verschärft.

Haftung für die Gemeinde so gering wie möglich halten

Vor diesem Hintergrund setzte die Marktgemeinde heuer im März die Satzung zur Benutzung des Sees außer Kraft. Um die Haftung für die Gemeinde so gering wie möglich zu halten und trotzdem einen Badebetrieb zu ermöglichen, werde derzeit ein Sicherheitskonzept erstellt, das schrittweise umgesetzt werden soll, betonte Bürgermeister Stefan Kattari (SPD) in der jüngsten Sitzung des Marktgemeinderates.

Ohne Sicherheitskonzept gebe es drei Möglichkeiten: Sämtliche Badeeinrichtungen zurückzubauen, das heißt, Stege und Badefloß zu entfernen oder das Gelände einzuzäunen und einen Bademeister zu beschäftigen.

Als dritte Variante stehe die Umsetzung eines Beschilderungskonzepts zur Wahl. Die beiden ersten Varianten kommen für ihn nicht in Frage, sagte Kattari. Im Vordergrund müsse ein Badebetrieb in ähnlicher Form wie bislang stehen, damit Familien ohne Aufwand und Kosten das Badegewässer nutzen können. Im Beschilderungskonzept werde gefordert, an allen vier Eingängen Schilder mit Sicherheitshinweisen und der Hausordnung zu installieren.

Aufenthalt auf dem Gelände nur von sechs bis 22 Uhr gestattet

Geregelt werden in der Hausordnung unter anderem, dass ein Aufenthalt auf dem Gelände nur von sechs bis 22 Uhr gestattet ist, Pflanzbereiche außerhalb der Liegewiesen nicht betreten, die Wege mit Kleinkrafträdern nicht befahren werden dürfen, Grillen und Partys untersagt sind sowie Sport- und Badebekleidung zu tragen ist.

Zudem dürfen Hunde zwischen dem 1. Mai und dem 30. September nicht auf dem Gelände sein und müssen in der übrigen Zeit an der Leine geführt werden. Die Benutzung von Booten und Modellbooten aber auch von Surfbrettern ist untersagt.

Klaus Noichl (CSU) verwies auf Stand-Up-Paddles (stehend auf Surfbrett paddeln, kurz SUP), die in jüngster Zeit vermehrt zu sehen seien und für Badegäste gefährlich werden könnten. Entschieden wurde, SUP als nicht zulässig mit aufzunehmen. In der Hausordnung werden ebenfalls das Campen und Aufstellen von Zelten untersagt.

Daniela Ludwig (CSU) verwies auf Camper, die sich auf der angrenzenden Wiese vermehrt aufhalten. Gegen die Camper sei im Grunde nichts einzuwenden, nur frage sie sich, wo diese ihre Notdurft verrichten. Das Problem sei bekannt, so der Bürgermeister. Diese Wiese gehöre aber einem Landwirt und die Gemeinde sei nicht zuständig. Mehrfach sei dieser aufgefordert worden, den Zugang abzusperren.

Generelles Parkverbot als nicht notwendig erachtet

Olaf Gruß (SPD) fragte, ob die Zufahrt zum Parkplatz in die Hausordnung einbezogen werden könne, dann sei das Campen auch nicht möglich. Laut Klaus Noichl ist der Parkplatz in Reifing zu klein und an heißen Badetagen werde die Zufahrt zugeparkt. Der Rettungsweg sei nicht mehr frei, meinte er. Der Bauausschuss habe die Situation begutachtet und ein generelles Parkverbot als nicht notwendig erachtet, so Kattari.

Hans Genghammer (FW) fragte nach Sanktionsmaßnahmen.

Wie Geschäftsführer Peter Enzmann ausführte, kann bei Verstößen gegen die Hausordnung bei der Polizei Anzeige erstattet werden.

Richard Schreiner (SPD) erkundigte sich, was unter dem Verbot von „übermäßigem Alkoholkonsum“ zu verstehen sei. Dies soll verhindern, dass sich Betrunkene am See aufhalten, erklärte Kattari. Er sei nicht der Meinung, dass die Formulierung komplett entfallen sollte. Thomas Göls (CSU) schlug vor zu fixieren, dass sich stark alkoholisierte Personen auf dem Gelände nicht aufhalten dürfen. Dem stimmten die Räte alle zu.

Laut Sicherheitskonzept gibt es fünf Gefahrenstellen. Zum einen der Nichtschwimmerbereich, der bislang durch eine Bojenkette vom tiefen Bereich getrennt ist. Nach dem Sicherheitskonzept sollte diese Kette entfernt werden, da im Einzelfall Kinder dort nicht mehr stehen können. Stattdessen sollten Schilder im Wasser, die auf den tiefen Bereich des Sees hinweisen, installiert werden.

„Auf die Bojenkette zu verzichten, ist uns aber zu heiß“, gab der Bürgermeister zu bedenken. Auch Schreiner fügte an, dass auf diese Kette auf keinen Fall verzichtet werden könne. Die Gefahr, an der Abbruchkante des flachen Bereiches ins tiefe Gewässer zu gelangen sei größer, als sich an der Kette zu verletzten. Dem schloss sich auch Franz Heuberger (SPD) an, der meinte, man dürfe die Kinder nicht dieser Gefahr aussetzen.

Die zweite Gefahrenstelle sei der Steg, sagte Kattari.

Hier müsse ein Schild angebracht werden, das ein seitliches Herunterspringen aufgrund der geringen Wassertiefe untersagt. Eine weitere Gefahrenquelle sei die Badeinsel, das Badefloß. Auf dieser könnte ein Lagerfeuer entfacht werden. Vorschlag sei, ein kleineres Badefloß anzuschaffen. Ein weiteres Gefahrenschild sowie eine Ausstiegsmöglichkeit müsse am nord-östlichen Zugang geschaffen werden.

Aufblasbarer Eisberg im See eine der Gefahrenquellen

Als fünfte Gefahrenquelle bezeichnete Bürgermeister Kattari den aufblasbaren „Eisberg“. Nach Auskunft von Gutachtern dürfe der Eisberg ohne Badeaufsicht nicht mehr installiert werden.

Zu prüfen sei, ob es hierfür Alternativen gebe. Nach dem vorliegenden Vorschlag der Gutachter müssen eine Reihe von Schildern aufgestellt werden. Schilder an den vier Eingängen, aber auch an den Stegen, im Nichtschwimmerbereich und weiteren Stellen werden erforderlich.

So werde aus dem Reifinger Badesee ein „Reifinger Schildersee“ fügte Richard Schreiner an. dennoch: Das Ratsgremium nahm das Beschilderungskonzept einstimmig an.

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