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Spatenstich wegen Corona abgesagt – Bau beginnt im Januar

Schutz für traumatisierte Kinder in der Mattisburg in Gstadt

Der Benediktushof in Mitterndorf – ab der dritten Kalenderwoche in 2022 beginnt der Umbau zur Mattisburg.
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Der Benediktushof in Mitterndorf – ab der dritten Kalenderwoche in 2022 beginnt der Umbau zur Mattisburg.
  • VonElisabeth Kirchner
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Noch ist der Benediktus-Hof im Gstadter Weiler Mitterndorf leer und man sieht ihm sein Alter an. Bald aber rollen die Bagger heran für den Umbau. Dieser dauert etwa 18 Monate. Die Arbeiter werden in 20 Containern untergebracht, der Gemeinderat war dafür.

Gstadt – „Was unsere Mattisburg-Kinder brauchen, werden sie in diesem Internat finden“, sagt Johanna Ruoff, Gründerin der Stiftung „Ein Platz für Kinder (epfk)“. Das therapeutische Internat wird im Benediktus-Hof in Mitterndorf einziehen. Auch wenn der offizielle Spatenstich für die neue Mattisburg mit Landtagspräsidentin Ilse Aigner coronabedingt abgesagt wurde, der Baubeginn ab der dritten Kalenderwoche 2022 steht fest.

Der Spaten blieb unbenutzt.

Ruoff erklärt der Chiemgau-Zeitung beim Betreten des kahlen Gebäudes, dass im Innern im wahrsten Sinne kein Stein mehr auf dem anderen bleiben soll. So sollen die beidseitigen Treppenhäuser nach außen verlegt werden. Dadurch entstehen in dem Gebäude vier voneinander getrennte Wohneinheiten im ersten und zweiten Stock. Barrierefreiheit, Lift und Brandschutzauflagen sind somit gewährleistet.

Klassenräume und Therapeutenzimmer

Im Erdgeschoss werden drei Klassenräume, Bibliothek, Lehrer- und Musikzimmer und im Dachgeschoss Verwaltung und Therapeutenzimmer untergebracht, und im Keller kommen Heizung, Waschküche und Lager unter.

Ruoff geht gegenüber unserer Zeitung noch einmal auf die Mattisburg und deren Ziele ein: „Die Kinder, die hier leben werden, sind schwer traumatisiert, leiden unter emotionalen Schädigungen, Konzentrationsschwierigkeiten und Entwicklungsverzögerungen, vor allem im sprachlichen Bereich. Das alles macht einen regulären Schulbesuch oft nicht möglich.“

So entstünden Lücken im Schulstoff, die es aufzufüllen gelte. Am Chiemsee sollten die Kinder lernen, aber auch zur Ruhe kommen. Das Internat vereine eine vollstationäre Jugendhilfeeinrichtung und eine Außenstelle des Sonderpädagogischen Förderzentrums Prien.

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„Die Präsidentin des Bayerischen Landtags, Ilse Aigner, hat die Schirmherrschaft für das Internat übernommen“, so Ruoff und zitiert ihre Aussage: „Jedes Kind verdient die Chance auf ein glückliches Leben – das wird hier am Chiemsee möglich gemacht. Das Projekt der Stiftung ist einzigartig in Deutschland.“

Und so nimmt es nicht Wunder, dass sich nicht nur die Schwestern vom Kloster Frauenwörth (mit denen die Stiftung einen Erbpachtvertrag unterzeichnet hat), sondern auch der Gemeinderat von Gstadt einstimmig positiv zu dem Projekt geäußert haben (wir berichteten).

Der Gemeinderat genehmigte schon vor einem Jahr die Bauvoranfrage, nun gab es in der jüngsten Sitzung grünes Licht für den Bauantrag auf Umbau und Sanierung. Binnen kürzester Zeit fand das Projekt auch großzügige Unterstützung von außen, was auch sehr willkommen ist, denn allein der Umbau des Hofes zur Mattisburg wird vier Millionen Euro verschlingen.

„Ohne die großzügige Fördersumme von 1,75 Mio Euro durch den Sternstundenverein wären wir sicher noch nicht dort, wo wir heute sind“, ist Ruoff überzeugt. Auch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) fördere im siebenstelligen Bereich das Projekt.

Der Bau sei durchfinanziert, freut sich Ruoff, aber es bedürfe noch weiterer Zuwendung. Denn das Haus muss auch eingerichtet werden. Die Einrichtung und Mobiliar sind baulich auf die Jungen und Mädchen abgestimmt: „Sie sind nahezu unkaputtbar“, so Ruoff.

Zuweisung über die Jugendämter

Die epfk engagiert sich seit über 15 Jahren für traumatisierte Kinder, denen man in einer geschützten Umgebung, den so genannten Mattisburgen, ein neues Zuhause bieten wolle. Die Zuweisung erfolgt über die Jugendämter.

Nun soll nach Hamburg und Halle also eine dritte Mattisburg am Chiemsee entstehen: „Die wollen wir in Eigenregie betreiben.“ Noch immer sei es für sie „unfassbar, wie toll wir hier aufgenommen wurden.“ Für Ruoff gibt es „keine heilsamere Umgebung für schwer verletzte Kinderseelen als das Umfeld der Felder, Berge und Wälder des Chiemsees.“

Gemeinderat Gstadt stimmt 20 Containern für die Mitarbeiter der Baufirma zu:

In seiner jüngsten Sitzung votierte der Gemeinderat Gstadt mit nur einer Gegenstimme für die temporäre Aufstellung einer 15 mal 15 Meter großen Containeranlage für den Umbau des Benediktushofs. Während der 18-monatigen Bauphase sollen 20 Container aufgestellt werden, die während dieser Zeit den Mitarbeitern der externen Baufirma als Unterkunft, Aufenthaltsraum, Küche und Büro dienen. Laut Bürgermeister Bernhard Hainz (FWG) ist die Genehmigung nur für diese Zeit vorgesehen, also nicht von Dauer. Auf Nachfrage von Hans Obinger (FWG) sagte der Rathauschef, dass das Vorhaben auch mit dem Landratsamt abgesprochen sei.

Kreisel ist gegen die Container: „Ein Hotel geht doch auch!“

Michael Rappl (FWG) wollte wissen, wie es mit dem Strom aussehe und ob für die Container ein Fundament erforderlich sei. Was das angehe, sei eine Fachfirma damit beauftragt, antwortete Hainz. Die Fläche werde mit Planie-Verdichtung hergestellt. Und was den Strom angehe, so Hainz, sei das „deren Sache.“ Geschäftsleiter Thomas Wagner fügte hinzu, dass laufende Gebühren abgerechnet werden.

Georg Kreisel (Bürgerliste) sagte: „Ich halte nichts von dem Antrag. Ein Hotel geht doch auch.“ Bürgermeister Hainz widersprach. Das ganze Bauvorhaben sei ein externes Angebot, bei späteren Arbeiten sollen auch lokale Anbieter berücksichtigt werden. Georg Anderl (Bürgerliste) erkundigte sich nach den Stellplätzen. Der Nachweis müsse auf dem eigenen Grund erbracht werden, sagte Rathauschef Hainz. Dominikus Schreiber (FWG) forderte, die Durchgangs-Straße zu den hinter dem Grundstück liegenden landwirtschaftlichen Flächen freizuhalten. Die geplante Containeranlage liegt im Außenbereich und ist nur zulässig, wenn öffentliche Belange nicht beeinträchtigt werden und die Erschließung gesichert ist. Der Bauwerber muss Kanal und Trinkwasser herstellen. Gegen den Beschluss stimmte nur Georg Kreisel.

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