ZURÜCK IM KLASSENZIMMER

Schulen rund um den Chiemsee füllen sich wieder mit Leben

Am Montag Nachmittag herrschte erneut Ruhe, aber am Vormittag durften fast alle Kinder wieder in die Breitbrunner Grundschule zurückkehren.
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Am Montag Nachmittag herrschte erneut Ruhe, aber am Vormittag durften fast alle Kinder wieder in die Breitbrunner Grundschule zurückkehren.
  • Tanja Weichold
    vonTanja Weichold
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Euphorie, Sorge, Erleichterung? Selten dürfte ein Schultag so gemischte Gefühle ausgelöst haben. Mit Beginn des Lockdowns Mitte Dezember sahen die Schüler monatelang kein Klassenzimmer mehr von innen.

Breitbrunn/Gstadt/Bernau/ Prien – Umso größer war gestern die Freude bei vielen Grundschulkindern sowie den Jugendlichen aus den Abschlussklassen der Mittel- und Realschulen, dass sie wieder in die Schule gehen durften. Unsere Zeitung hörte sich bei mehreren Schulleitern um, wie der erste Vormittag verlief.

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Kinder nach Möglichkeit in die Schule holen

Rektorin Gabriele Eich von der gemeinsamen Grundschule Gstadt und Breitbrunn ist froh, dass die Kinder wieder da sind. „Sie sind so gern gekommen. Es ist so wichtig, dass sie wieder in diesem sozialen Rahmen lernen können.“ In der Grundschule mit insgesamt rund 75 Kindern sind die Erste, die Zweite und die Vierte Klasse regulär vor Ort, die Dritte Klasse wird zur Hälfte im Wechsel unterrichtet. Rektorin Eich fährt fort: „Ich bin sehr darauf bedacht, die Kinder nach Möglichkeit in die Schule zu holen.“ Zum Teil seien noch eigens Möbel aus den Klassenzimmern geräumt werden, um Platz zu schaffen, damit der vorgegebene Mindestabstand eingehalten werden kann.

Planung durch Vorgaben und Örtlichkeiten nicht ganz einfach

Rektorin Petra Henz von der Grundschule Bernau berichtet: „Die Klassen Eins bis Drei kommen in geteilten Gruppen mehrere Tage in der Woche im Wechsel, die Vierten Klassen sind vier Tage komplett vor Ort, da diese bereits seit Schuljahresbeginn in extra großen Räumen der Schule untergebracht und unterrichtet werden.“ Die Schwierigkeiten in der Planung liegen in den vielen Komponenten, die sowohl vom Staat vorgegeben werden, wie auch durch die Örtlichkeiten bedingt seien und passgenau zugeschnitten werden müssen.

Schulassistenz unterstützt Notbetreuung

Die Notbetreuung besuchen laut Henz nur wenige Kinder. Dafür habe sie beim Schulamt in Rosenheim eine Schulassistenz beantragt, die genehmigt worden sei und die ab 1. März bei den Hygienemaßnahmen und der Notbetreuung unterstütze.

Abschlussklassen der Kommunalen Realschule Prien sind zurück

Andrea Dorsch, Direktorin der Priener Kommunalen Realschule, berichtet, dass gestern rund 75 Schüler in drei Abschlussklassen zurückgekehrt seien. Diese werden zum Teil auf zwei Räume aufgeteilt unterricht, Teamlehrer unterstützen jeweils als zweite Lehrkraft im Unterricht. Das Hygienekonzept sei für den neuen Schulstart noch einmal „geschärft“ worden. Sobald weitere Jahrgangsstufen in den Unterricht zurückkehren, müsse an der Realschule auf Wechselunterricht umgestellt werden, um alle Hygienevorgaben erfüllen zu können.

Einige Schulaufgaben stehen an

Sowohl die Schüler als auch die Lehrer hätten sich auf den gestrigen Tag gefreut. „Wir waren auch gespannt, wie der Lernzuwachs im Homeschooling war.“ Für die Abschlusszeugnisse müssen nun „valide Noten“ geschrieben werden, vier Schulaufgaben stehen in den kommenden beiden Wochen an.

Kinder in der Schule wieder behutsam aufnehmen

Wichtig ist Dorsch in den ersten Tagen: „Wir wollen die Kinder behutsam wieder aufnehmen, sie sollen jetzt erst einmal wieder ankommen, sie haben alle ihr Päckchen zu tragen.“ Die gegenseitige Bereicherung beim Lernen habe zuhause gefehlt. Die Stimmung am ersten Schultag sei konzentriert und „nicht überschwänglich“ gewesen.

14 Klassen im Wechsel von Präsenz und Homeschooling

Claudia Decker, Rektorin der Grundschule Prien, sagte im Gespräch mit unserer Zeitung: „Es ist sehr schön, dass die Kinder wieder da sind, das hat ihnen gutgetan und sie haben sich gefreut.“ Die Hälfte der insgesamt 318 Schüler durfte am Montag kommen, die zehn Klassen in Prien und die vier in Wildenwart sind aufgeteilt und wechseln sich mit Präsenz und Homeschooling ab.

Ständiges Umplanen das ganze Schuljahr über

Bei aller Freude hätten die Lehrer auch eine „ungewöhnliche Ruhe“ im Unterricht wahrgenommen. „Die Kinder haben zurückhaltend gewirkt, sie müssen sich erst wieder zurücktasten.“ Für die Schule selbst bedeute dieses Schuljahr ein ständiges Umplanen, im Hintergrund laufe der Prozess weiter, die Voraussetzungen für die Digitalisierung zu schaffen. Die Lehrer müssen jeweils zwei Gruppen im Auge behalten. Auch eine Notbetreuung für über 20 Kinder sei zu organisieren. „Wir stoßen personell unsere Grenzen“, erklärt Decker.

Freiwillige Reihentestungen an der Grundschule Prien

Die Grundschule Prien nimmt an der Langzeitstudie „Covid Kids Bavaria“ des Freistaats Bayern teil. Sechs Universitätskinderkliniken begleiten das Projekt in 150 Kinderbetreuungseinrichtungen in ganz Bayern. Auf der Internetseite des Klinikums der Ludwigs-Maximilians-Universität heißt es, dass die Ansteckungsgefahr von Kindern als auch allgemeine Fragen der Kindergesundheit untersucht werden. Laut der Priener Grundschulrektorin Claudia Decker steht am 10. März der letzte von insgesamt drei Testerminen bei 40 Kindern an. Diese werden „willkürlich“ ausgewählt aus jenen Schülern, die sich freiwillig gemeldet haben. Getestet wird in Prien aber nicht nur im Rahmen dieses Projekts. Anlässlich der Rückkehr in die Schule am Montag habe eine Reihentestung bei den Lehrern stattgefunden. Auch den Schülern sei der Test auf freiwilliger Basis angeboten worden, wozu ein Arzt in die Schule gekommen sei. Etwa die Hälfte der anwesenden Schüler aus Prien und Wildenwart habe das Angebot angenommen. „Es geht darum, für mehr Sicherheit zu sorgen“, erklärt Claudia Decker. Ein wiederkehrendes Testen sei ihrer Meinung nach sinnvoll, vor allem vor dem Hintergrund, dass sich ansteckendere Mutationen ausbreiten. Eine Entscheidung sei noch nicht getroffen worden.

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