Schule darf nicht nur bequem sein

Die besten Abiturienten des Staatlichen Landschulheims Marquartstein sind in diesem Jahr Moritz Maier, Christina Schwemmbauer und Tobias Fischer (von links).  Foto  Giesen
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Die besten Abiturienten des Staatlichen Landschulheims Marquartstein sind in diesem Jahr Moritz Maier, Christina Schwemmbauer und Tobias Fischer (von links). Foto Giesen

Von 70 Abiturienten am Staatlichen Landschulheim Marquartstein haben 69 in diesem Jahr die Reifeprüfung bestanden. Die drei Besten mit einem Notendurchschnitt von 1,2 sind Tobias Fischer aus Rottau, Moritz Maier aus Marquartstein und Christina Schwemmbauer, Reit im Winkl.

Sehr gut schnitten auch Tobias Ramoser mit 1,3 ab, Jacqueline Bauer, Jimmy Dögerl, David Stöttner und Anna Rubeck mit 1,4 sowie Luka Dakovic, Christoph Heistracher, Florian Ager und Vincent Mühlhammer mit einem Schnitt von jeweils 1,5.

Marquartstein - Dass die Absolventen sicher nicht den ganz einfachen Weg gewählt, sondern sich aus Pflicht und aus Neigung auf einen beschwerlichen Weg eingelassen hätten, bestätigte Oberstudiendirektor Gerhard Pschorn den Scheidenden in seiner Ansprache. Sehr viele von ihnen habe die Schule als ernsthafte, nachdenkliche junge Menschen kennengelernt, als sozial engagierte und hilfsbereite Jugendliche, die in der Gesellschaft etwas bewegen wollen. Dieses Mehr und Andere könne aber nur in einer Schule passieren, die nicht nur aus Regeln und Vorschriften bestehe, sondern den Schülern etwas zumute führe und einiges, nicht nur Intellektuelles, fordere, so Pschorn.

Eine Schule müsse ihre Besonderheiten unmissverständlich darlegen können, sie müsse auch zum Widerspruch herausfordern, denn nur so gebe sie den Anstoß zur positiven Veränderung. "Eine nur bequeme Schule bringt niemanden weiter", so der Schulleiter, der nach vielen Jahren Auslandserfahrung im zweiten Halbjahr die Leitung der Schule übernommen hatte. Wichtig sei es, den jungen Menschen zu zeigen, dass in der heutigen Welt Probleme nicht in Isolation, auch nicht in Überbehütung und schon gar nicht in rein hierarchischen Systemen gelöst werden könnten, sondern in Zusammenarbeit oder gar Partnerschaft. Nicht in der Nachahmung der Tradition, sondern in der Auseinandersetzung mit ihr liege der Gewinn.

Pschorn dankte Eltern, Kollegen und den an der Feier musikalisch beteiligten Schülern und schloss mit der Hoffnung, dass die Schule und die in ihr wirkenden Menschen es den Absolventen ermöglicht hätten, neben aller Information Erkenntnisse zu gewinnen, die zur eigenverantwortlichen Lebensgestaltung befähigen und sie einmal sagen lassen: "Diese Schule kann nicht nur auf ihre Tradition verweisen, in diese Schule schicke ich auch meine Kinder!"

Die Oskar Maria Graf Gesellschaft in München hatte drei eingeschickte Arbeiten aus dem P-Seminar in Deutsch zu Oskar Maria Graf besonders ausgezeichnet: Den ersten Preis erhielt Hannah Sill, den zweiten Michaela Singhartinger und den dritten Paulina Böhne. Die Deutschen physikalische Gesellschaft prämierte die Arbeit von Marius Tillner.

Alle Wortbeiträge wurden musikalisch abwechslungsreich durch elf Abiturienten in verschiedenen Gruppen mit Gesang, Blasinstrumenten, Klavier, Gitarre und Schlagzeug schön umrahmt.

Eine launige Ansprache, abwechselnd in gereimten Versen vorgetragen, hielten Kim Greger und Jimmy Dögerl für die Abiturienten, wobei sie das Publikum vor allem an den unbeschwerten, lustigen Seiten des Schullebens teilnehmen ließen. Für den Elternbeirat gratulierte die Vorsitzende Dr. Sabine Wörnle den Abiturienten und interpretierte das englische Sprichwort "wer fliegen will, braucht Flügel". Diese Flügel hätten sich die Absolventen in den letzten Jahren hart erarbeitet. "Pflegt eure Freundschaften! Nützt euer Wissen, Wissbegierde, Neugierde und Lebensfreude, das heißt euer ganzes Potenzial! Nützt eure Flügel!", gab die Elternbeiratsvorsitzende den Scheidenden mit auf den Weg.

Gedenkminute

für Frank Springer

Sehr traurig wurde es zu Anfang der Rede von Dr. Klaus Ständer, dem Vorsitzenden des Bundes der Altmarquartsteiner (BAM). Er hielt eine Gedenkminute für seinen langjährigen Vorgänger Frank Springer, der mit erst 69 Jahren in der Nacht zuvor verstorben war. In seiner Rede zitierte Dr. Ständer den oft genannten "Marquartsteiner Geist", den die Schülersprecherin Kathi Mader vor Jahren so beschrieben hatte: "Ich habe in Marquartstein die perfekte Bildungsstätte gefunden, um mein Herz und meinen Charakter zu bilden, und irgendwie muss wirklich etwas Besonderes mit uns hier passieren, denn es gibt so viele, die einfach nicht los kommen von Marquartstein, die ihr Leben lang eng mit der Schule verbunden bleiben."

Ständer forderte die von der Schule Scheidenden auf, sich im Bund als Mitglieder registrieren zu lassen, denn über dieses Netzwerk könnten Kontakte aufrecht erhalten und gepflegt werden. Der BAM erhebt keine Beiträge, kann aber nur durch Spenden viele Schüler wirksam unterstützen.

Auch heuer überreichten der Vorsitzende und Silvia Niedermeier vom BAM den Autoren der besten Facharbeiten ein kleines Geldgeschenk, so an Florian Ager, Anna Rubeck und Michael Rätze im Fach Sozialkunde, Franz Josef Aschl in Chemie, Tobias Fischer in Mathematik, Tobias Ramoser im Fach Sport sowie Christoph Heistracher und David Stöttner in katholischer Religion.

Nach der Übergabe der Zeugnisse endete der Festakt mit einem Sektempfang bei Sonnenschein auf der Terrasse und abends mit dem traditionellen Abiturball, diesmal in Bernau. gi

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