Der Schuldentilger von Reit im Winkl geht

Von der einen Hand in die andere:Im Rahmen der letzten Gemeinderatssitzung überreichte der scheidende Reit im Winkler Bürgermeister Josef Heigenhauser (rechts) seinem Amtsnachfolger Matthias Schlechter die Bürgermeisterkette. Hauser

Josef Heigenhauser hat sich als Bürgermeister von Reit im Winkl verabschiedet. In die Geschichte seiner Gemeinde wird der Freie Wähler sicher als derjenige Amtsinhaber eingehen, der es geschafft hat, einen riesigen Schuldenberg von neun Millionen Euro abzutragen.

Von Hanns Ostermaier

Reit im Winkl – Vielleicht war das Programm der letzten Sitzung des Gemeinderats in seiner alten Zusammensetzung ein Sinnbild für die Amtszeit des scheidenden Reit im Winkler Bürgermeisters Josef Heigenhauser (Freie Wähler). So galt es, zwar noch einige nüchterne Tagesordnungspunkte abzuarbeiten und acht verdiente Gemeinderäte würdig zu verabschieden.

Vom riesigen Schuldenberg befreit

Es galt für Heigenhauser aber auch selbst, nach zwölf Dienstjahren einen passenden Abschluss zu finden, einen Weg zurück in die Normalität als Gemeindebürger. Es war Heigenhauser ein Bedürfnis, den Gemeinderäten und der zahlreichen Zuhörer im Rahmen seiner Abschiedsrede Eindrücke aus seiner Amtszeit in Wort und Bild nahe zu bringen.

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Geprägt war diese für Heigenhauser, ein gelernter Bankkaufmann, zu einem guten Teil von Zahlen, von sehr vielen Zahlen vorrangig zur finanziellen Situation seiner Heimatgemeinde. Seine Devise in den zwölf Jahren war stets: Bei wohl überlegten Investitionen die konsequente Reduzierung des enormen Schuldenstandes von rund neun Millionen Euro, den er und der Gemeinderat bei seinem Antritt 2008 vorfanden.

Innerhalb einer Dekade schaffte es Heigenhauser, diesen Schuldenberg auf knapp 1,5 Millionen Euro schrumpfen zu lassen – nicht, ohne sich und seiner Gemeinde einiges abzuverlangen, wie er zugab.

Auch Pro-Kopf-Verschuldung verringert

Gemessen pro Kopf bedeutet dies einen Rückgang von 3800 Euro auf nunmehr 647 Euro. Da nahm er sogar die Bezeichnung „Sparfuchs“, wie ihn Amtsnachfolger Matthias Schlechter (CSU) in einer kurzen Laudatio bezeichnete, eher als Kompliment zur Kenntnis denn als Makel. Schlechter fügte an, Heigenhauser habe sich „stets zutiefst loyal und selbstlos in den Dienst seiner Gemeinde gestellt“.

So habe er sich zu Beginn seiner Tätigkeit sechs Wochen lang unentgeltlich in sein neues Aufgabenfeld eingearbeitet, habe krankheitsbedingt während der zweiten Amtszeit, immerhin sechs Jahre, genau an zwei Tagen gefehlt, und zudem auch noch ein Restguthaben von 27 Urlaubstagen, das er schlicht verstreichen lasse.

Zahllosen Besuche bei Geburten, Jubiläen, Feiern

Am Ende seiner letzten Gemeinderatssitzung war es Heigenhauser auch ein Anliegen, jenseits von endlosen Finanzzahlen und bürokratischen Verfahrenswegen, von aufreibenden Verhandlungen und dem Studium unzähliger Verwaltungsschriften aufzuzeigen, was für ihn der zweite Schwerpunkt als Bürgermeister gewesen ist: Das Wohlergehen der Bürger. Davon konnte er sich anlässlich seiner zahllosen Besuche bei Geburten, Jubiläen, Hochzeiten, Kirchenfeiern, Beerdigungen ein Bild machen. Manch humorvolle, warmherzige Anekdote von diesen Begegnungen integrierte er dabei in seine Abschiedsrede.

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Wie wichtig ihm der soziale Zusammenhalt und das Miteinander waren, verdeutlichte schließlich eine große Anzahl von Fotos, die er den Gemeinderäten und den Besuchern im Festsaal als letzte, eher inoffizielle Amtshandlung präsentierte. Bilder von Zusammenkünften, von Sport- und Brauchtumsveranstaltungen, von kleineren und größeren Festen, von den Reit im Winkler Bürgern eben, die er in diesen zwölf Jahren begleiten durfte.

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Eingestreut hatte er in diesem durchaus emotionalen Bildervortrag aber immer wieder auch Motive, die ihm besonders am Herzen liegen: Aufnahmen rund um Reit im Winkl aber ohne Menschen stattdessen von Bergen, Seen, blühenden Wiesen, unberührter Natur. Grad so, als seien diese Bilder Mahnung und Verpflichtung für kommende Verantwortungsträger. Das letzte Bildmotiv schließlich überschrieb er mit: „Aus is und gor is und schod is, dass wohr is!“ – Und mit dem Zusatz: „Aber grod g`recht is.“

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