Seit Mai im Amt

Übersees Bürgermeister Eberhard Bauerdick tritt überraschend zurück - So geht es im Rathaus weiter

Als amtsältester Gemeinderat vereidigte Anton Stefanutti (links, Bündnis90/Grüne) heuer im Mai Eberhard Bauerdick als Ersten Bürgermeister. Der kündigte nun völlig überraschend seinen Rücktritt an.
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Als amtsältester Gemeinderat vereidigte Anton Stefanutti (links, Bündnis90/Grüne) heuer im Mai Eberhard Bauerdick als Ersten Bürgermeister. Der kündigte nun völlig überraschend seinen Rücktritt an.

In Übersee tritt der neue Bürgermeister zurück. In der Gemeinderatssitzung am Donnerstag, 3. Dezember, verkündete Eberhard Bauerdick (GfÜ) im nichtöffentlichen Teil völlig überraschend seinen Abschied zum 31. Januar. Das sind die Gründe.

Von Tanja Weichold

Übersee – Bei der Kommunalwahl hatte das ehemalige Mitglied der CSU-Vorstandschaft als Außenseiter völlig überraschend den amtierenden Bürgermeister Marc Nitschke (CSU) in der Stichwahl besiegt. Er habe sich auf das Amt gefreut und seine ganze Kraft und sein Herzblut hinein gesteckt, sagt Bürgermeister Eberhard Bauerdick (GfÜ) gegenüber den OVB-Heimatzeitungen. „Ich bin ein positiv denkender Mensch, manchmal holt einen die Realität ein, die Zeit war sehr lehrreich.“

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Er habe nur noch für das Amt gelebt, so Bauerdick, der dem Vernehmen nach gesundheitliche Gründe und die hohe Belastung in der nichtöffentlichen Sitzung als Gründe für den Rücktritt nannte. In einer öffentlichen Stellungnahme schreibt er: „Ihre Anregungen aber auch Sorgen und Wünsche haben mich bis weit in den privaten Bereich beschäftigt, ein Abschalten war und ist für mich nicht mehr möglich.“ Bevor diese Tatsache seiner Gesundheit und seinem Familienleben nachhaltig schade, stelle er das Amt zur Verfügung.

Entscheidung nicht mit der Fraktion abgestimmt

Bei der Fraktionssprechersitzung wenige Tage vor der Gemeinderatssitzung vergangene Woche sei noch keine Rede vom Rücktritt gewesen, berichtet Anton Stefanutti, Fraktionssprecher Bündnis90/Grüne im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Selbst Stefan Haneberg, Fraktionssprecher der GfÜ, der auch der Bürgermeister angehört, klingt fünf Tage nachher immer noch erschüttert. Die Entscheidung habe Eberhard Bauerdick alleine getroffen, sie sei nicht mit der Fraktion abgestimmt und völlig unerwartet gekommen.

GfÜ muss die Situation erst bewerten und verarbeiten

Für die Gemeinde Übersee sei der Rücktritt so kurz nach der Wahl „unglücklich“ so Stefan Haneberg weiter. „Wir hätten uns das anders gewünscht.“ Die Situation sei nun schwierig. „Wir müssen das erst verarbeiten und bewerten“, erklärt Haneberg auf die Frage, ob die GfÜ bei der Neuwahl einen Kandidaten ins Rennen schicken wird.

Marco Ehrenleitner (CSU) schreibt auf Anfrage: „Der Rücktritt hatte sich in unseren Augen, unter anderem durch die lange Ausfallzeit kurz nach Amtsantritt, bereits abgezeichnet.“ Bürgermeister Bauerdick war kurz nach Amtsantritt nach einem Unfall sieben Wochen krank. Für die Gemeinde stelle dieser Rücktritt eine immense Belastung dar. „Nun müssen die Amtsgeschäfte erneut übergeben werden und eine Nachfolge muss sich erst wieder in die Thematiken einarbeiten, bis wieder produktiv Verwaltungsaufgaben erledigt werden können.“´

CSU berät erst noch über eine Kandidatur

Die Bürgermeisterstellvertreter hätten bereits unter Beweis gestellt, dass sie einen Großteil der Geschäfte kommissarisch zu übernehmen in der Lage seien. Auf eine baldige Neuwahl sei hinzuarbeiten. „Seitens der CSU werden wir uns in der Fraktion, der Ortsvorstandschaft und mit unseren Mitgliedern via Videokonferenz beraten, ob und welchen Kandidaten wir für die Neuwahl aufstellen werden.“ Die Zusammenarbeit der Fraktionen mit Bürgermeister Bauerdick sei stets fair gewesen. „Die Mitarbeit verlief immer konstruktiv.“ Wolfgang Hofmann (Bayernpartei) sagt im Telefonat, er sei angesichts der Rücktrittsabsicht des Bürgermeisters sprachlos und vor dem Kopf gestoßen. „Ich dachte eigentlich, wir haben im Gemeinderat gut und konstruktiv zusammengearbeitet.“ Wichtige Sachen seien angepackt worden.

Anton Stefanutti: „Bürgermeister wollte Probleme alleine lösen.“

Anton Stefanutti (Bündnis90/Grüne) wirft Bürgermeister Bauerdick vor, dass er sich im Vorfeld der Kandidatur besser mit der Aufgabe hätte auseinandersetzen sollen. Die beiden Bürgermeister-Stellvertreter hätten Bauerdick mehrfach Arbeitsteilung angeboten, darauf sei dieser nicht eingegangen. Zwischen den Zeilen war herauszuhören, dass er Bauerdick nicht für einen Teamarbeiter hält.. „Er wollte alle Probleme alleine lösen“, sagt Stefanutti. Diese seien in der Gemeinde „irre“.

Dringende Projekte sind zu verhandeln

Als Beispiele nennt er abseits von Corona die geplante Wohnbebauung auf dem Deutz-Gelände, das geplante Seniorenheim oder die künftige Wohnbauplanung am Chiemseeufer. „Der Bürgermeister müsste dringend verhandeln. Es gibt eine ganze Reihe von Dingen, die geregelt werden müssen.“ Am 21. Dezember sei nun eine Sondersitzung anberaumt. Innerhalb von drei Monaten müsse in Coronazeiten eine Neuwahl durchgepeitscht werden. „Und das alles zum ungünstigsten Zeitpunkt für Übersee.“

Stellvertreterin lobt Arbeit des Überseer Bürgermeisters

Zweite Bürgermeisterin Margarete Winnichner (Bündnis90/Grüne) sagt, auch bei ihr sei die Überraschung groß. „Er hat viele Dinge ganz gut angepackt“, beurteilt sie die Arbeit von Bürgermeister Bauerdick. Offenbar geht sie davon aus, dass sie den scheidenden Bürgermeister nicht nur im Weihnachtsurlaub, sondern möglicherweise länger bis zu den Neuwahlen vertreten muss. „Ich muss schauen, wie ich das in meinem beruflichen Kontext einbaue“, so Winnichner, die stellvertretende Geschäftsführerin der Diakonie Traunstein ist.

Aus den sieben Wochen, in denen sie den Bürgermeister heuer schon krankheitsbedingt vertrat, nahm sie positive Erfahrungen mit. „Die Zusammenarbeit mit dem Dritten Bürgermeister, den Fraktionsvorsitzenden und der Verwaltung war sehr gut und kooperativ.“ Damit rechnet sie auch fest bei allem was jetzt kommt. „Wir werden im Sinne der Gemeinde unser Bestes geben.“ Es sei machbar, die ungewöhnliche Situation zu meistern. Ob sie bei der Neuwahl noch einmal den Hut als Bürgermeisterkandidatin in den Ring wirft, dazu trifft sie keine Aussage. In vorsichtige Worte gekleidet nennt sie es „schwierig“ und „ungut“, dass die Nachricht vom Rücktritt aus nichtöffentlicher Sitzung an die Öffentlichkeit gelangte.

Hoffen auf einen fairen Wahlkampf

Überrascht vom Rücktritt Bauerdicks zeigt sich auch Dritter Bürgermeister Herbert Strauch (FBL). „Es ist gut gearbeitet worden“, kommentiert er die Zusammenarbeit im Gemeinderat. Er hoffe nun im Sinne der Gemeinde, dass kein Kampf um die Bürgermeisternachfolge entbrenne, so wie dies beim letzten Wahlkampf der Fall gewesen sei. „Mir ist wichtig, dass wir parteiübergreifend im Sinne der Gemeinde gut zusammenarbeiten.“ Viele Herausforderungen stünden an. Aus der aktuellen Situation werde man das Beste machen. „Wir müssen uns arrangieren.“

So geht es nun weiter

Landratsamts-Pressesprecher Michael Reithmeier erklärt, dass der Gemeinderat über den schriftlichen Entlassungsantrag des Bürgermeisters frühestens zwei Wochen nach Einreichen abstimmen kann. Die Zustimmung des Gremiums ist rechtlich notwendig. Danach sei Bürgermeister Eberhard Bauerdick eine Entlassungsverfügung zuzustellen.

Der Gemeinderat entscheide, ob die Entlassung zum beantragten Zeitpunkt erfolgen soll oder ob ein späterer Zeitpunkt gerechtfertigt sei. Rechtsgrundlagen seien Artikel 16 des Gesetzes über kommunale Wahlbeamte (KWBG) und Paragraph 23, Absatz 1, Nummer 4, des Beamten-Statusgesetzes. Die Rolle des Landratsamts beschränke sich auf die rechtsaufsichtliche Beratung und Unterstützung der Gemeinde. Außerdem setzt das Landratsamt den Termin für die Neuwahl fest.

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