Schnell, fleißig und sympathisch

Für 1,05 Euro in der Stunde helfen sie mit, Straßen zu asphaltieren, Grünanlagen zu pflegen, den Kursaal zu bestuhlen oder Kneippbecken zu reinigen. Seit Mitte Juli beschäftigt der Markt Prien drei nigerianische Asylbewerber für "gemeinnützige Arbeit für kommunale Träger".

Weitergehende Arbeitsverhältnisse lässt das Gesetz nicht zu.

Prien - Montag Mittag, Besprechung im Bauhof: Leiter Sepp Furtner und sein Stellvertreter Richard Zettl gehen mit ihrer Mannschaft durch, welche Arbeiten in den nächsten Tagen anstehen. Mit am Tisch sitzen auch zwei Nigerianer: Goodluck Nnadi und Alex Ezehi packen seit Mitte Juli mit an. Zur gleichen Zeit hat Harald Irlacher, Hausmeister der Prien Marketing GmbH (PriMa), mit Felix Fred einen fleißigen Helfer bekommen.

Mitte Juni hatte der Haupt- und Werkausschuss des Marktgemeinderats auf Initiative von Sozialreferentin Eva Munkler grünes Licht für die Anstellung der drei Schwarzafrikaner gegeben, zur "besseren Integration in den Arbeitsmarkt", wie es auf Anfrage der Chiemgau-Zeitung aus dem Rathaus hieß.

Für die Flüchtlinge selbst sind diese Jobs aber zuallererst eine Möglichkeit, der zwangsweise auferlegten Langeweile zu entkommen. Die meisten von ihnen würden gern arbeiten, dürfen aber nach der Ankunft in Deutschland erstmal keinen regulären Vollzeitjob annehmen, selbst wenn sie einen finden würden. Gesetzlich erlaubt ist lediglich "gemeinnützige Arbeit für kommunale Träger", erklärt Alexander Klammer, Personalchef im Priener Rathaus.

Vormittags drücken Ezehi, Nnadi und Fred viermal pro Woche beim Deutschkurs in der Volkshochschule (VHS) die Schulbank, an drei Tagen pro Woche packen sie danach bei Bauhof und PriMa mit an. Mehr als 20 Wochenarbeitsstunden dürfen sie nicht leisten.

Schon vor dem VHS-Kurs hatte ihnen eine ehrenamtliche Lehrerin aus dem Priener Helferkreis regelmäßig im Büro der Bürgerrunde im Rathaus Deutschunterricht erteilt. Weil die drei schon dort engagiert und zuverlässig mitgearbeitet hatten, fiel die Wahl auf sie, als es um die Vergabe der drei Jobs beim Markt Prien ging.

"It makes

my head crazy"

Die Verständigung funktioniert unkompliziert als eine Kombination aus ein paar Brocken Deutsch, ein paar wichtigen bairischen Wörtern ("Servus, Pfiad di"), ein paar Brocken Englisch und viel Körpersprache mit Händen und Füßen.

Die drei Nigerianer sind froh, nach Monaten des Nichtstuns endlich eine Aufgabe zu haben. "It makes my head crazy" ("Es macht meinen Kopf verrückt"), beschreibt Nnadi, wie es ihm und seinen Landsleuten gegangen ist, wenn sie nur in der Unterkunft in der Hallwanger Straße saßen. Der 24-Jährige hat in seiner Heimat als Schweißer gearbeitet, sein drei Jahre älterer Landsmann Ezehi in einem Hotel sozusagen als "Mädchen für alles". Beide sind es also gewohnt, anzupacken und die derzeitige Hitze macht ihnen weniger aus als manchem Einheimischen.

Ezehi und Nnadi helfen mit, Straßenabschnitte zu asphaltieren, Rasen zu mähen, Unkraut zu jäten oder Verkehrsschilder aufzustellen. Zettl attestiert ihnen Fleiß und Zuverlässigkeit.

Genau so froh über die Verstärkung ist Irlacher. "Mir kemma'n schon z'am", schiebt er Skepsis wegen möglicher Sprachbarrieren beiseite. Und während der PriMa-Hausmeister Fred noch im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung als fleißigen und schnellen Mitarbeiter lobt, hat sich der 25-Jährige, wie Landsmann Nnadi gelernter Schweißer, schon entfernt, um mit der Kehrmaschine das Pflaster vor dem Haus des Gastes sauber zu machen. Nach kaum drei Wochen weiß er oft schon selbst, was gerade anliegt.

Sowohl beim Bauhof als auch bei der PriMa sind sich die neuen Kollegen augenscheinlich sympathisch. Es wird viel gelacht, auch wenn die eine oder andere Seite nicht jedes Wort gleich versteht. Und sie bedauern gleichermaßen, dass Gespräche über Persönliches leider nicht möglich sind. Dafür sind die Sprachbarrieren dann doch noch zu groß.

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