Monika Reiter aus Bernau ist Schneiderin, Richterin und trägt nun seltene bayerische Medaille

Stolz ist die Obermeisterin auf ihre silberne Verdienstmedaille des Freistaats.
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Stolz ist die Obermeisterin auf ihre silberne Verdienstmedaille des Freistaats.
  • Silvia Mischi
    vonSilvia Mischi
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Iris Berben hat sie. Bischöfin Susanne Breit-Keßler und Kabarettistin Luise Kinseher auch. Jetzt auch Monika Reiter aus Bernau. Sie hat die silberne Verfassungsmedaille des Freistaats erhalten. Die Obermeisterin der Schneiderinnung lebt ihre Kreativität bei Faschingskostümen aus.

Bernau– Der Bayerische Landtag ehrt mit der silbernen Verfassungsmedaille Bürger, die sich aktiv für die Werte der Bayerischen Verfassung engagieren. Reiter ist Schneidermeisterin, Innungschefin und ehrenamtliche Richterin und freute sehr, als sie von Landtagspräsidentin Ilse Aigner die Auszeichnung überreicht bekam. Reiter war damit eine von 39 Personen, der diese Ehre im Rahmen eines Festakts zuteil wurde. Summa summarum haben diese Medaille bis dato nur 1.198 Menschen im Freistaat verliehen bekommen.

Jede Menge Faschingsorden im Atelier

In Monika Reiters Modeatelier stechen fließende Stoffe, Gewänder, Fotos und Faschingsorden ins Auge. Zur närrischen Zeit hat die 70-Jährige eine ganz besondere Verbindung. So stellt sie seit 15 Jahren die Kostüme der Kolbermoorer Garde und des jeweiligen Prinzenpaares her. „Da sind 18 Kinder, zwei Prinzenpaare, die Kasperl und die Garde einzukleiden“, schlüsselt sie auf. Sie freut sich, denn bei diesen Aufträgen „kann ich meine Kreativität voll ausleben“. Sobald das Motto feststünde, geht es ans Grübeln und Skizzen fertigen. „Ich arbeite hierbei mit Aquarellzeichnungen“, so Reiter.

Natürlich hätten aber die jeweilige Prinzessin oder der Prinz ein Mitspracherecht bei ihren Kostümen. „Sie müssen sich ja auch wohlfühlen darin.“ Änderungen könne es des Weiteren geben, wenn die Choreographien der Tänze Gestalt annehmen.

„Da kann es schon passieren, dass am Rock nachgebessert werden muss, damit Kleid und Anzug auch bei jeder Bewegung gut sitzen“, erklärt Reiter. 40 Stunden sitze sie an einer dieser Traumroben für die Tollitäten.

Selbst bereits 22 Auszubildende unterrichtet

Doch nicht nur die Kolbermoorer Tollitäten und Co. Wissen Reiters Fertigkeiten zu schätzen. Mehrer Gilden haben schon das Atelier in Bernau aufgesucht. Auch das Pruttinger Prinzenpaar absolvierte die Session schon in Reiter-Designs. „Hier musste ich einmal in einer Nacht- und Nebelaktion ein Kleid retten, das für die ausgedachte Hebefigur nicht geeignet war“, erinnert sie sich schmunzelnd. Hat alles dennoch geklappt? „Freilich“, gibt sie freimütig zu.

Die Liebe zum Detail bei ihren Arbeiten merkt man an der Umsetzung der Themen. So bekommt der Prinzen dem Original nachempfundene Kleidung oder mit Abnähern und Taillengürtel die Prinzessin den entsprechenden Motto-Touch. Die Schnittführung ist dabei das A und O“, weiß die Meisterin.

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Sie brennt für ihren Beruf und für ihr Handwerk. Nicht ohne Grund ist sie bereits mehrfach als Obermeisterin der Innungwiedergewählt worden. 2015 wurde Reiter überdies der Goldene Meisterbrief verliehen. Sie war überdies Referentin an der Mode Fachschule in Bern/Worb (Schweiz) sowie an der Fachschule Müller & Sohn in München gewesen. Mehrfach waren ihre Auszubildenden Kammersieger sowie Zweit- und Drittplatzierten beim praktischen Leistungswettbewerb der Handwerksjugend auf Kammerebene.

Monika Reiters Vater war unglücklich über ihre Berufswahl

„Insgesamt haben 22 Auszubildende bei den Beruf des Schneiders erlernt“, so Reiter nicht ohne Stolz. Dass der Abschluss „Meister“ auch wieder in ihrem Metier reaktiviert wird, dafür setzt sie sich mit ihren Innungskollegen ein. „Das ist wichtig. Der Meistertitel ist ein Qualitätssiegel und bescheinigt zudem, dass man die Buchhaltung in der Selbstständigkeit et cetera gelernt hat“, betont die Bernauerin.

Ihr eigener Weg in das Schneidermetier war alles andere als ein leichter für die langjährige Freiburgerin. Sie fing 1967 ihre Ausbildung als Damenschneiderin im Atelier Paula Feist in Freiburg im Breisgau an. „Mein Vater hat die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, als ich ihm sagte, was sich machen will“, erinnert sich Reiter noch gut.

Zahlreiche fachliche Fortbildungen

Von dort wechselte sie unter anderem ins Modeatelier Franziska Sirtl in München, absolvierte einen Lehrgang in Zuschneidetechnik bei Müller & Sohn in München und wechselte dann als Gesellin der Damenoberbekleidungskonfektion zur Firma Hack nach Rosenheim. Weitere Stationen folgten in München, ehe sie 1973 Direktrice in der Modeabteilung der Firma Klepper in Rosenheim wurde. Besonders lehrreich sei auch ihre Gesellinenzeit in der Modeabteilung von Italmodell Borelli in München gewesen. Zwei Jahre später ging es in die Meistervorbereitung der Handwerkskammer für München und Oberbayern. „1976 legte ich die Meisterprüfung ab, bestand diese und eröffnete nur 14 Tage nach Erhalt des Titels mein erstes eigenes Geschäft“, so Reiter. Aufgrund ihres Abschlusses mit der Note 1,3 erhielt sie überdies die Förderung durch die Stiftung für Begabtenförderung im Handwerk in Bonn.

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Besonders in die Würdigung mit der Verdienstmedaille hat auch Reiters Engagement als ehrenamtliche Richterin am Landessozialgericht in München eingewirkt. Hier ist sie seit 1995 aktiv. Zuvor war sie bereits vier Jahre ehrenamtliche Richterin am Sozialgericht, München. „Seit 2014 bin ich auch Mitglied im Ausschuss der ehrenamtlichen Richter“, ergänzt Reiter.

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