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Reit im Winkler Schafhalter hat Zweifel

Schnapsidee oder guter Vorschlag? Ein Halsband soll Schafe vor dem Wolf schützen

DemWolf sind viele Bauern gar nicht böse. Eher auf die Menschen, die die Situation politisch nicht lösen.
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DemWolf sind viele Bauern gar nicht böse. Eher auf die Menschen, die die Situation politisch nicht lösen.
  • Heidi Geyer
    VonHeidi Geyer
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Innovationen können viel bewirken. Aber können sie auch das ewige Dilemma um die Wölfe und die Almwirtschaft lösen? Was ein Reit im Winkler Schafhalter zum Vorschlag aus dem Ministerium sagt.

Reit im Winkl/Berlin – Es klingt wie ein schlechter Witz, aber es ist durchaus ernst gemeint: Sogenannte Vitalhalsbänder sollen laut Bundesumweltministerium künftig helfen, wenn ein Wolf Schafe reißen will. In der Region sorgt dieser Vorschlag für Unruhe, um es milde auszudrücken.

Schon lange verhärten sich die Fronten in der Frage, ob Wölfe und Landwirtschaft, insbesondere Almwirtschaft, sich unter einen Hut bringen lassen. Im vergangenen Jahr hatten mehrere Wolfsrisse in der Region für Aufruhr gesorgt, die Regierung von Oberbayern genehmigte schließlich den Abschuss des sogenannten Chiemgauer Problemwolfs. Dieser hatte mehrere Weide- und Nutztiere gerissen und war sogar eines Abends direkt durch die Bergener Ortsmitte gelaufen. Für viele Landwirte ein Affront, denn sie fürchten nicht nur um ihre Tiere, sondern um den Fortbestand ihres Wirtschaftszweigs.

Herdenschutz auf Almen umstritten

Umweltschützer hingegen beharren auf dem europäischen Schutzstatus des Wolfs und fordern die Landwirte zu mehr Herdenschutz auf. Wie dieser aussehen muss, ist umstritten, da eine wolfssichere Einzäunung als auch ein Schutz der Tiere durch einen Herdenschutzhund aus Sicht vieler Bauern nicht überall umsetzbar sei, besonders auf den Almen.

Nun müssen also neue Lösungen her. In einem Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung vor zwei Wochen hatte der Leiter der Unterabteilung Naturschutz im Bundesumweltministerium erklärt, dass neue Möglichkeiten zur Verbesserung des Herdenschutzes geprüft werden. Technische Innovationen sollen bei der schwierigen Frage helfen, wie eine Koexistenz von Landwirtschaft und dem streng geschützten Wolf in Zukunft möglich sein soll. Als Beispiel nannte besagter Beamter Josef Tumbrinck, dass sogenannte Vitalhalsbänder eine Innovation seien, die man prüfe – zusätzlich zu bestehenden Herdenschutzmaßnahmen.

Man kennt das Prinzip vom Menschen: Sogenannte Wearables oder Fitnessuhren zeichnen den Herzschlag auf und ermitteln mittels GPS-Ortung, auf welchen Strecken man unterwegs war. Was für den Menschen oftmals eine Unterstützung fürs Training oder eine Spielerei mit den eigenen Fitnessdaten ist, soll nun auch gegen den Wolf helfen.

Spärliche Informationen

Wie das genau funktionieren soll, dazu hält sich das Bundesumweltministerium jedoch bedeckt. Trotz einer detaillierten Anfrage und mehrerer Nachfragen der OVB-Heimatzeitungen, werden diese Fragen nicht beantwortet. Medienberichten zufolge soll ein Ortungssensor in den Halsbändern die Halter benachrichtigen, wenn ihre Tiere unter Stress stehen. Zum Beispiel, wenn ein Wolf in die Herde eindringt. Details, wie das genau funktionieren soll, bleiben unklar.

Für Wendelin Schmücker, Vorsitzender des Fördervereins der Deutschen Schafhaltung ist der Ansatz „weltfremd ideologisch verblendet und abgehoben“. Wie soll das gehen, fragt sich auch Willi Gstatter aus Reit im Winkl. Er hat selbst vor zwei Jahren elf Schafe an einen Wolf verloren. Den Sinn in einem Vitalhalsband sieht er nicht, schließlich gebe es schon jetzt Kameras, die den Halter per SMS warnen, wenn sich etwas Ungewöhnliches am Stall oder auf der Weide abspielt. „Aber das ist dann auch zu spät. Bis ich dann dort bin, kann ich sie tot zamklauben“, sagt Gstatter.

Schafe mögen keine Fremdkörper

Was ihn an der ganzen Debatte stört: Die Bauern haben doch eine Beziehung zu den Tieren und kennen ihre Viecher und deren Verhalten. „Ich bin nicht enttäuscht vom Wolf, sondern vom Menschen“, sagt Gstatter. Er gibt auch zu Bedenken, dass schon die Kennzeichnung durch Marken den Tieren missfalle und sie diese oft versuchen, zu entfernen. „An einem Halsband können sich Schafe leicht verletzen, wenn sie an Zäunen oder Ästen hängen bleiben“, findet Gstatter. Da habe jemand keine Ahnung, ist sein Resümee. Zwar ist es in den vergangenen Monaten ruhig um den Wolf im Chiemgau geworden. Aber aus Gstatters Sicht gibt das noch keine Entwarnung: „Mein Sohn hat erst vor ein paar Tagen Spuren oberhalb von Oberwössen entdeckt. Das war ganz sicher ein Wolf.“