RISIKEN IM WINTER

Schlittschuhfahren auf dem Chiemsee - Spaß und Gefahr liegen in Rimsting nah beieinander

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  • Elisabeth Sennhenn
    vonElisabeth Sennhenn
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Schlittschuhlaufen auf dem Chiemsee ist eine schöne, wenn auch gefährliche Sache. In der Schafwaschener Bucht in Rimsting vergnügten sich zahlreiche Sportler auf dem Eis. Doch ganz in der Nähe war dieses schon brüchig. Die Wasserwacht warnt vor Leichtsinnigkeit auf dem gefrorenen See.

Rimsting – Es war ein schöner Anblick, all die bunten Schneeanzüge und Anoraks der Eisläufer inmitten der weißen Pracht zu sehen: Am Wochenende wagten sich in der Schafwaschener Bucht in Rimsting viele Menschen auf den zugefrorenen Chiemsee. Doch keine zwei Kilometer weiter, auf Höhe des Strandbads, zeigten sich verräterische, schwarze Flecken auf dem Eis. „Hier ist höchste Vorsicht geboten, denn das bedeutet, die Eisschicht ist an dieser Stelle zu dünn, es tritt bereits Wasser an die Oberfläche“, warnt die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft DLRG. Bei vielen Eisflächen im Freistaat sei die Lage trügerisch. Sie hat Tipps zusammengetragen (siehe OVB-Grafik), wie man für seine eigene Sicherheit sorgen kann.

Rettungsleiter am Strand, „Eisretter“ um den Hals

Mitunter legen dabei manche kreative Techniken an den Tag: „Es gibt Leute, die gehen mit dem Akkuschrauber nach draußen und prüfen anhand des Bohrlochs die Dicke des Eises“, erzählt Otto Dauer, Technischer Leiter der Wasserwacht Prien-Rimsting. Diese Methode habe aber ihre Tücken, erklärt der Wasserretter: „Selbst wenn das Eis am Bohrloch dick genug ist, kann das Eis ein paar Meter weiter nur einige Zentimeter dünn sein.“

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Gefährlich werde es zum Beispiel, wenn ein Gewässer Strömungen ausgesetzt sei, wie der Chiemsee: Hier laufen unterm Eis die Tiroler Achen, die Prien und kleinere Bäche zu. Auch an solchen Stellen, sagt Dauer, sei das Eis oft dünner.

Die Wasserwacht selbst prüfe keine zugefrorenen Gewässer mehr auf ihre Sicherheit, wie das vor vielen Jahren mal der Fall war, sie halte auch keine Wache am See wie im Sommer. Daher sei jeder, der sich aufs Eis wage, selbst verantwortlich. Grundsätzlich könne man dies dort tun, wo schon jede Menge andere Eisläufer oder Spaziergänger unterwegs seien: „Dann ist man zumindest nicht allein auf weiter Flur und könnte Hilfe bekommen.“ Allerdings, so Wasserwachtler Dauer, dürfe man nicht selbstverständlich von der Hilfsbereitschaft fremder Menschen ausgehen, schließlich bedeutet Rettung auf dem Eis auch immer, sein eigenes Leben in Gefahr zu bringen.

Zur Not hilft auch ein Anorak

Angenommen, man kommt selbst in die Situation und will jemandem helfen, was rät die Wasserwacht?

Laut Dauer stünden an einigen Stränden Eisrettungsleitern zur Verfügung, so auch in Rimsting am Seehof und an der Strandanlage (siehe Tipps). „Zur Not geht auch der eigene Anorak, den man, flach auf dem Bauch liegend, dem Eingebrochenen zum Festhalten zuschiebt.“ Manche Eisläufer hätten auch einen „Eisretter“ dabei, zwei kleine Pickel an einer Schnur, die man sich um den Hals hängen könne: „Damit kann man sich am Rand des Eislochs einharken und sich mit viel Kraft möglicherweise selbst wieder hochziehen“, erklärt Dauer. Er warnt jedoch davor, dass Kinder und Senioren vielleicht nicht die Kraft dazu hätten. Das Gewicht kalter, nasser Kleidung sei nicht zu unterschätzen: „Der Chiemsee hat derzeit etwa drei Grad Wassertemperatur, da kommt es auf jede Minute an.“ Je dicker und wasserabweisender die Kleidung, desto besser.

27 Jahre lang im Eis

Zuletzt musste die Wasserwacht 2017 einen Mann aus einem Eisloch retten, als das Bayerische Meer so zugefroren war, dass Leute in Scharen von Prien zur Herreninsel spazierten. „Die größte Gefahr dabei ist, dass der Eingebrochene unter Wasser gerät und das Einsturzloch nicht mehr findet“, so Dauer. Man verliere im dunklen Eiswasser sehr schnell die Orientierung. Möglicherweise wurde dies einem Chiemgauer Schlittschuhläufer zum Verhängnis, der 1985 vor den Augen seiner Tochter ins Chiemsee-Eis einbrach und nicht gerettet werden konnte: Seine Leiche wurde erst 27 Jahre später von Tauchern geborgen.

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Auch seinem Hund habe vor Kurzem ein Spaziergänger am Langbürgner See nicht mehr helfen können, als das Tier einbrach. „Niemals dem Vierbeiner auf dem Eis nachlaufen“, ist daher Dauers Rat.

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