Schleppjagd auf Herrenchiemsee: Statt hunderte Zuschauer gibt es heuer nur Natur pur

Traditionelle Herbst-Schleppjagd auf Herrenchiemsee: Heuer wird mit der langen Tradition gebrochen.
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Traditionelle Herbst-Schleppjagd auf Herrenchiemsee: Heuer wird mit der langen Tradition gebrochen.

Am 10. Oktober rufen auf der Herreninsel wieder die Jagdhörner: Aufgesessen wird zur 63. großen Herbstjagd. Bei der Schleppjagd wird es heuer allerdings Corona bedingt einen Bruch mit der Tradtion geben, wie die OVB-Heimatzeitungen im Interview mit Jagdherrin Esther Höhn erfuhren.

Von Ulrich Nathen-Berger

Herrenchiemsee– Für die Teilnehmer wird es auch heuer ein anspruchsvoller Jagdtag auf geschichtsträchtigem Boden in einer traumhaften Naturkulisse – leer ausgehen werden diesmal allerdings die Zuschauer: Die 63. traditionelle Schleppjagd auf der Herreninsel am 10. Oktober wird eine Phantom-Jagd – Corona bedingt so wie Fußball derzeit ohne Publikum. Eine Ausnahme macht der veranstaltende Schleppjagd-Verein Bayern an diesem Tag aber dennoch – für einen prominenten bayerischen Politiker: Denn Hubert Aiwanger, Wirtschaftsminister und stellvertretender Bayerischer Ministerpräsident, hat die Schirmherrschaft übernommen. Wie der Bruch mit der langen Tradition ausfallen wird erfuhr die Chiemgau-Zeitung im Gespräch mit Jagdherrin Esther Höhn.

Bisher war die Schleppjagd alljährlich für die weit über tausend Zuschauer ein einzigartiges Erlebnis. Sie werden heuer ausgeschlossen sein…

Esther Höhn:Nachdem wir uns im Verein entschieden hatten, trotz dieser schwierigen Corona bedingten Situation für Veranstaltungen im öffentlichen Raum eine Phantom-Schleppjagd auf Herrenchiemsee durchzuführen, entstand ein Hygienekonzept, das wir dem Landratsamt Rosenheim vorgelegt haben. Die Behörde hat uns die Jagd genehmigt – aber ohne Zuschauer. Auch Konstantin Buchner, Leiter der Schloss- und Gartenverwaltung Herrenchiemsee will natürlich sichergestellt haben, dass die Jagdgesellschaft nicht mit den Tagestouristen zusammentrifft. Darauf werden wir Rücksicht nehmen und dafür sorgen, dass Kontakte zwischen den Inselgästen und der Jagdgesellschaft vermieden werden.

Wie wollen Sie das umsetzen?

Höhn: Dafür wird eine Reiterstaffel der Rosenheimer Polizei sorgen, und da Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger als Gast kommen wird, ist die Polizei dann eh präsent.

Es war doch bislang auch Tradition, dass der Bayerische Ministerpräsident die Schirmherrschaft übernimmt…

Höhn …ja, schon, aber Minister Aiwanger hatte schon im Januar beim Schleppverein angefragt, ob er im Herbst dabei sein könne. Es wird diesmal Kutschen mit Ehrengästen nicht geben; Herr Aiwanger wird im Jeep der Schlösserverwaltung die Jagd beobachten können,

Wie ist das Hygeniekonzept für die Teilnehmer ausgelegt?

Höhn:> Statt 60 werden heuer nur etwa 25 Reiter teilnehmen, die Equipage kommt dazu, die Hunde sind dabei, auch Jagdhornbläser aus der Region, In Breitbrunn werden die Gespanne mit den Pferdeanhängern auf die Fähre der Schlösser- und Seenverwaltung verladen. Die Fahrer dürfen nicht aussteigen. Auf einem Sammelparkplatz auf der Insel werden die Pferde aus den Hängern geführt. Zwischen den Gespannen ist ein Abstand von fünf Metern vorgesehen. Es wird kein Jagdfrühstück geben, die Reiter sitzen auf und kommen zu Stell-Dich-Ein, reiten sich mit einer Runde ein und müssen dabei immer eine Pferdelänge Abstand halten.

Wie sind Begrüßungen und die Jagdzeremonien ausgelegt?

Höhn Umarmen oder Händedruck bei der Begrüßung wird es nicht geben. Segnung und Start werden heuer nicht vor der Kapelle des Alten Schlosses sein, sondern auf einer Wiese, abseits vom Touristenstrom. Nach der Jagd ehrt die Jagdherrschaft – heuer Esther Höhn und Josef Ettenhuber – die Reiter mit Eichenbruch, Erinnerungschleife und Jagdknopf; diesmal werden sich die Reiter die Jagdtrophäen aber von einem Tisch nehmen müssen, um Kontakte zu minimieren. Wenn die Hunde zur Belohnung ihren Rinderpansen bekommen, sitzen normalerweise die Reiter zu Ehren der Hunde ab – das wird jetzt nicht stattfinden, Später geht‘s direkt zurück aufs Festland. Das Jagdessen in der Schlosswirtschaft fällt diesmal aus, es wird auf Gut Ising bei Chieming statfinden.

Was bleibt denn unter diesen Bedingungen noch an schönen Momenten für die Teilnehmer der Jagd übrig?

Höhn Das Erlebnis, auf der Insel zu reiten ist großartig; die Bilder, wie die Hunde zum Beispiel in den See laufen, die Pferde hinterher, der Ritt durch die wunderbare Naturkulisse – diese Gefühle sind einfach etwas ganz Besonderes.

Ein spannender Moment für Ross und Reiter: Sprung über einen querliegenden Baum.

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