Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


legendäres Wirtshaus zum Verkauf

Mit 83 Jahren ins nächste Abenteuer: Klobenstein-Wirt will nach Australien

Wirte-Paar Peter und Heidi Hertz in ihrem Gasthaus am Klobenstein. Nun will Hertz nun die Gastronomie verkaufen und nach Australien reisen.
+
Wirte-Paar Peter und Heidi Hertz in ihrem Gasthaus am Klobenstein. Nun will Hertz nun die Gastronomie verkaufen und nach Australien reisen.
  • VonSybilla Wunderlich
    schließen

Der 83-jährige Peter Hertz bewirtschaftet mit seiner Frau Heidi das Gasthaus Klobenstein, das die Gemeinden Schleching und Kössen in Tirol über den „Schmugglerweg“ verbindet. Nun aber lockt ihn das Abenteuer, wie so oft in seinem Leben, und er möchte das Haus verkaufen.

Schleching/Kössen – Die Gegend am Klobenstein hat eine besondere Ausstrahlung. Als Besucher spürt man dort die Geschichten der Vergangenheit. Schon vor vielen tausend Jahren lag hier die Route der Samer und später auch der Schmuggler. Die Wallfahrtskirche wurde basierend auf einer Legende zum Dank an die Mutter Gottes errichtet.

Dem Mythos nach entkam ein altes Mütterlein einer Mure durch Gebete zu Maria. Ein herabstürzender riesiger Fels spaltete sich direkt vor ihr, der Klobenstein. So wurde ihr Leben gerettet. In einer dazugehörigen kleinen Kapelle unterhalb der Kirche sprudelt noch heute – wie zum Beweis – unaufhörlich eine Heilquelle.

Seit 300 Jahren wird hier bewirtet

Die Besonderheit des Ortes hat auch Peter Hertz, ein gestandener Hanseat, gespürt, als er sich im Jahr 2009, mit 71 Jahren, einer neuen Lebensaufgabe stellte. Er hat das Gasthaus Klobenstein, in dem schon seit 300 Jahren Vorbeiziehende – einst Pilger, heute Wanderer und Wassersportler – bewirtet werden, gekauft. Ohne, das Metier vorher gekannt zu haben.

Für Einheimische wie Touristen ist das Gasthaus ein Magnet, vom Tiroler Tourismusportal Kaiserwinkl.com zum Beispiel als „kulinarischer Kraftplatz“ bezeichnet. Inmitten der Natur sei „etwas entstanden, was viele Gäste mit dem Wort `Kleinod´ umschreiben.“

Lesen Sie auch: Schleching: Dramatisches Tauziehen um Berggasthof Streichen

Das war es auch, das Peter Hertz magisch anzog. Geboren 1938 in Hamburg, lockte ihn nach der Ausbildung zum Im- und Export-Kaufmann das Abenteuer. Er ging in die USA, wo er sich für zwei Jahre als Soldat verpflichtete, und wurde in Japan und Südkorea stationiert.

Als sein Vater in Hamburg früh verstarb, kam er zurück in die Heimat und übernahm die familieneigene Buchmacherkonzession. Er brachte es „zum umsatzstärksten Buchmacher in Hamburg mit eigenem Rennstall für Vollblutpferde“, wie er sich nicht ohne Stolz erinnert.

Erfolgreiche Geschäfte

Es folgten viele Reisen nach Afrika, dem Nahen- und Mittleren Osten, wobei er interessante Menschen kennenlernte – und zurückkehrte als Händler persischer Teppiche und als Zuckerrübenimporteur. Dabei schloss er Freundschaft mit dem holländischen Käufer des Trockenfutters und gründete mit ihm eine Fabrik in Spanien zur Trocknung von Abfällen aus der Orangen-Verarbeitung.

Weitere Nachrichten aus dem Chiemgau finden Sie auf ovb-online.de.

Es wurde groß eingestiegen, Land gekauft, eine Verarbeitungsfabrik hochgezogen und Pellets aus Orangenschalen hergestellt. „Das Unternehmen lief mit großem Erfolg, bis ein Hochwasser des nahegelegenen Flusses einen Damm brechen lies und so die Fabrik zerstörte“, erzählt Hertz, doch er blickt ohne Wehmut zurück.

Futtermittel-Fabrik verkauft

Denn es bahnten sich bald neue Geschäfte an. Seine Futtermittel-Fabrik verkaufte und fungierte dort weiter für zehn Jahre als Berater. Der Käufer seiner Firma tätigte millionenstarke Investitionen für den Ausbau zu einem Vorzeigebetrieb der Lebensmittelindustrie, heute ist das Unternehmen in den Händen eines US-Konzerns, zum Namen hält sich Hertz bedeckt. „Ich meine, dass man im Leben eher profitiert, wenn man vielseitig ist“, schmunzelt er nur.

So kam er auch vor knapp 50 Jahren zum damals noch nicht so trendigen Golf-Sport. Er engagierte sich im elitären Golfclub Hamburg-Wendlohe, und wurde später als Berater beim Bau eines Golfplatzes in Tirol hinzugezogen. So führte vor rund 40 Jahren sein Lebensweg nach Kössen, wo er seine heutige Frau Heidi kennenlernte.

Sie arbeitete im Gasthof Klobenstein, und pachtete schließlich das Wirtshaus von der Eigentümerfamilie. Nach chaotischen Jahren, von Hertz als „Irrungen und Wirrungen“ bezeichnet, in denen das Gasthaus abbrannte, mit Spenden wieder aufgebaut wurde und es einen Streit zwischen Pächterin und Eigentümern gab, kaufte er kurzerhand das Ensemble.

Der Büffelkopf zieht ihn in die Ferne

„Meine Vorbilder sind McDonald´s und Aldi“, sagt der Unternehmer und Wirt heute selbstbewusst, „ich wollte mit herkömmlichen Formen brechen und gute Qualität zu anständigen Preisen liefern“. Selbstverständlich, dass er und Ehefrau Heidi das meiste selbst stemmen. Jetzt, mit 83 Jahren, hat er einen „Stimmungsumschwung“, wie er sagt. Er will das Gasthaus Klobenstein wieder verkaufen: „Ich hoffe, einen geeigneten Käufer zu finden, der unseren erfolgreichen Aufbau weiterführt und das Potenzial des Gasthauses in seiner Einmaligkeit weiter entwickelt.“

So, wie er selbst nie stehen bleibt, denn an Rente ist noch lange nicht zu denken: Nach Australien soll es bald gehen, wo er einst einen Büffel gejagt hat, dessen massiver Schädel heute im Wirtshaus prangt. Ein Abenteuer, wie so viele in seinem Leben.

Mehr zum Thema

Kommentare