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Neues Leben zieht ein

Schleching: Familie aus Oberfranken restauriert die alte Hammerschmiede

Die Hammerschmiede von außen.
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Die Hammerschmiede von außen.
  • VonSybilla Wunderlich
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Vor 500 Jahren wurde die Hammerschmiede in Raiten erstmals urkundlich erwähnt. Alt und verfallen war das Haus, als Eberhard und Silvera Rach es vor 50 Jahren kauften und sanierten. Mittlerweile führen Matthias und Kerstin Nützel dieses Erbe weiter.

Schleching – Die Funken stieben in alle Richtungen in der alten Esse, als Matthias Nützel das Metall ins Feuer hält. Es ist ein archaischer Anblick in dem historischen Gemäuer, wie er da so mit seiner Lederschürze steht und dem ältesten Handwerk der Menschheit wieder Leben einhaucht.

Erwähnung gefunden hat die alte Hammerschmiede in Raiten schon vor rund 500 Jahren. Die Haustafel, erstellt von Heimatpfleger Hartmut Rihl, erzählt von einer wechselvollen Geschichte als „Hammerschmiede vormals Hufschmiede, verbunden mit dem Mesneramt am Kürch Püchl“. Die nach ein paar Jahrhunderten schon verfallene Schmiede kauften vor rund 50 Jahren Eberhard und Silvera Rach und restaurierten einen großen Teil.

Familie Nützel (von links): Kerstin, Matthias, Laura und Lukas mit Hund „Pfote“.

Besitzer will die Schmiede betreiben

Die Raitner Dorfgemeinschaft war sehr froh, als die Schmiede vor rund vier Jahren wieder einer neuen Bestimmung zugeführt wurde. Zusammen mit dem alten Mesnerhaus am Kirchbichl und dem Raitner Wirt wurden damit drei Gebäude in Raiten gerettet und erstrahlen heute nach den umfangreichen Restaurierungen in altem und neuem Glanz.

Die Hammerschmiede wurde 2017 von der Familie Matthias und Kerstin Nützel erworben. Mit ihren vier Kindern besuchen sie ihre Schmiede meist an den Wochenenden und haben vor vier Jahren mit der weiteren Restaurierung und Renovierung begonnen. Jetzt können sie im vorderen Teil des Hauses gemütlich und komfortabel wohnen und im hinteren Teil die alte Schmiede in ihrer Bestimmung weiter restaurieren und in Schwung halten.

Die Idee von Nützel ist, die Schmiede wirklich zu betreiben und ein paar Mal im Jahr eine Aktion durchzuführen und dabei Kindern und jungen Menschen die Arbeitsweise einer Schmiede zeigen. Die junge Generation soll sogar selbst den Schmiedehammer schwingen dürfen und ein Werkstück herstellen. So kann das alte Handwerk am Leben erhalten werden.

Holz durch Überschwemmung morsch

Aber bis es jetzt soweit war, musste eine Menge Arbeit bewältigt werden. „Die ersten Monate haben wir nur ausgeräumt, unsere Vorgänger haben viel gesammelt, alles was mit Eisen zu tun hatte. Das wurde sortiert und geordnet“ erzählt er. Dann wurde im inneren vorderen Bereich des Hauses alles komplett saniert, da das verbaute Holz dort durch die vielen Überschwemmungen jährlich morsch und nicht mehr zu gebrauchen war.

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Die Schmiede hat sich von außen nicht verändert, die Auflagen des Denkmalschutzes mussten eingehalten werden, aber von innen ist der Wohnbereich sehr authentisch und ein wahres Schmuckstück geworden. Die Nützels wollen hier später ihren Lebensabend verbringen, wie sie sagen.

Noch ist die Familie in Oberfranken zuhause, Matthias Nützel betreibt, wie seine Vorfahren seit Generationen, als Müllermeister die Nützel-Mühle in Wiesental. Ein Wahlspruch der Familie könnte auch ganz passend sein „Jeder ist seines Glückes Schmied“.

Der letzte Schmied

Der letzte aktive Schmied in Raiten war Josef Fleidl. Als Bauernsohn 1887 in Übersee geboren, kam er mit 32 Jahren als Geselle ins Raitner Hammerwerk. Die Mühlenbesitzerin war die Witwe des im Krieg gefallenen Johann Birnbacher. Fleidl heiratete die dreifache Mutter und war 30 Jahre lang der Fleidl-Schmied und Kirchenpfleger der „Maria zu den sieben Linden“.

Er war stellvertretender Bürgermeister und Gemeinderat in Schleching. 1959 starb er mit 72 Jahren. Bekannt war der Schmied für seine Sturköpfigkeit. Wenn er seine Meinung gesagt habe, dann war es „als ob er mit einem Schmiedehammer auf den Tisch haue“, weiß seine Urenkelin Lisa Schneider zu erzählen.

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