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Kaufangebot an Gemeinde ausgelaufen

Schleching: Dramatisches Tauziehen um Berggasthof Streichen

Wer bekommt den Zuschlag? Das Vorverkaufsrecht für die Gemeinde ist abgelaufen, aber zwei Stiftungen sind interessiert.
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Wer bekommt den Zuschlag? Das Vorverkaufsrecht für die Gemeinde ist abgelaufen, aber zwei Stiftungen sind interessiert.
  • VonSybilla Wunderlich
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Die Ereignisse überschlagen sich: Nach dem unrechtmäßigen Gemeinderatsbeschluss zum Bürgerentscheid hat nun eine zweite Stiftung ihr Interesse am Kauf des beliebten Berggasthofs Streichen bekundet. Unterdessen ist das Vorkaufsrecht für die Gemeinde verstrichen. Wie geht es nun weiter?

Schleching – Der Gemeinderat hätte den Antrag auf Bürgerentscheid zum Kauf des Streichen-Anwesens nicht ablehnen dürfen. Das ergab die rechtliche Überprüfung des Landratsamts, wie Landrat Siegfried Walch (CSU) gegenüber der Chiemgau-Zeitung erklärte. Am Mittwoch endete die Frist der Erben für das Kauf-Angebot an die Gemeinde und sie wollen es auch nicht erneuern, wie sie auf Nachfrage erklärten. Im Rennen sind aktuell zwei Stiftungen, die das historische Gasthaus gemeinsam erhalten wollen.

Ort, der Kultur und Natur verbindet

Wie berichtet bestätigte die Stiftung „Kulturerbe Bayern“ gegenüber den OVB-Heimatzeitungen ihr Interesse. Der Berggasthof wäre ihr drittes Objekt. „Die Stiftung versteht sich als „bayerischer National Trust“, erklärt dazu Judith Schlumberger-Steger, Referentin für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit.

Sie führt aus: „Wir nehmen geschichtsträchtige Gebäude, historische Parks, Gärten und Landschaften in Obhut, um sie zu erhalten und erlebbar zu machen. Der Berggasthof Streichen ist ein solch besonderer Ort, der Kultur und Natur verbindet. Wir und viele andere Menschen in der Region auch, meinen, dass er als kulturelles Erbe erhalten und für alle zugänglich sein sollte.“

Die Eigentümer haben noch keine Entscheidung getroffen

Zum aktuellen Stand der Dinge erklärt sie: „Wir sind mit allen Beteiligten vor Ort im Gespräch. Der Vorschlag ist, dass das Kulturerbe Bayern zusammen mit der Familienstiftung eines Schlechinger Bürgers den Berggasthof kauft, behutsam herrichtet und dann an einen geeigneten Wirt verpachtet. Dazu soll ein Beirat geschaffen werden, der das Projekt begleitet. In dem Beirat soll auch die Gemeinde Schleching vertreten sein.“

„Kein kommerzielles Interesse“

Es gebe noch keine Entscheidung. Auch beim Kulturerbe Bayern selbst müssten die Gremien noch darüber abstimmen. „Aber wir können schnell handeln, wenn es notwendig ist“, so Schlumberger-Steger.

Bei der Schlechinger Familienstiftung handelt es sich um die Institution von Yvonne und Thomas Wilde. Letzterer bestätigt im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung, dass sich die Ziele seiner Stiftung für einen langfristigen Erhalt ohne kommerzielles Interesse mit den Zielen der Stiftung „Kulturerbe Bayern“ decken. Die Entscheidung liege bei den Eigentümern des Berggasthofs Streichen, sie allein würden entscheiden, an wen sie verkaufen.

Angebot an die Gemeinde ist abgelaufen

Bürgermeister Josef Loferer (CSU) sagte aktuell gegenüber unserer Zeitung, dass er den Erben Hans Strohmayer und Anneliese Lauter mitgeteilt habe, dass die Gemeinde das Kaufangebot bis zum 30. Juni nicht wahrnehmen habe können, da ein Antrag auf Bürgerentscheid eingereicht worden war. Der Vollzug des ablehnenden Gemeinderatsbeschlusses sei ausgesetzt, bis die Stellungnahme der Rechtsaufsicht des Landratsamtes Traunstein vorliege.

Hans Strohmayer sagte zur Chiemgau-Zeitung: „Das Angebot an die Gemeinde ist ausgelaufen, es wird nicht verlängert und es gibt kein neues Angebot.“ Damit habe sich der Bürgerentscheid, ob die Gemeinde das Streichen-Anwesen günstiger erwerben will, erledigt. Über die laufenden Verkaufs-Verhandlungen wollte er sich nicht öffentlich äußern.

Rats-Beschluss ist nicht zulässig

Ein Gespräch mit Landrat Siegfried Walch ergab, dass die Prüfung des Antrages auf Bürgerentscheid ergeben habe, dass der Antrag alle formellen und rechtlichen Voraussetzungen erfülle und zuzulassen sei. Der ablehnende Beschluss des Gemeinderats sei nicht zulässig. „Ein Bürgerentscheid ist nicht davon abhängig, ob es dem Gemeinderat passt oder nicht“, war sein Kommentar dazu.

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Das Fazit der vergangenen sechs Monate ist, dass alle Beteiligten das Gleiche erreichen wollten, nämlich das Streichen-Anwesen in einer jetzigen Form erhalten – nur die Wege zu diesem Ziel waren unterschiedlich.

Jetzt sieht es so aus, als ob ein Königsweg gefunden werden könnte, damit der Streichen für alle öffentlich zugänglich bleibt und die Differenzen im Ort behoben werden können.

Streichen wühlt Schlechinger auf – eine Chronologie:

Vergangenen November verstarb unerwartet Streichen-Wirt Franz Strohmayer. Seine Geschwister Anneliese Lauter und Hans Strohmayer sind die Erben. Sie erklärten im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung, dass sie das Gasthaus aus privaten und aus Altersgründen nicht übernehmen werden. Nachdem die Gemeinde das Kaufangebot verstreichen ließ, sind aktuell zwei Stiftungen daran interessiert.

Anfang Januar hatten die Erben der Gemeinde Schleching ein Vorverkaufsrecht zu einem günstigeren Preis eingeräumt. Laut Strohmayer sei daran die Maßgabe geknüpft gewesen, den „Streichen“ in bestehender Weise zu erhalten. Dieses Angebot war befristet bis zum 30. Juni.

Über Monate hinweg kochte zwar nichts mehr beim Streichen, dafür die Gerüchteküche umso mehr. Bürgermeister Josef Loferer (CSU) sagte im Mai in der Gemeinderatssitzung, dass er aus finanziellen Gründen dem Kauf des Streichens nicht zustimmen könne. Er habe das von einigen Gemeinderäten vorgelegte Finanzierungskonzept abgelehnt. Zu viele kostenintensive Pflichtaufgaben stünden in Schleching an, etwa beim Kindergarten, in der Abwasser- und Wasserversorgung.

Außerdem wies er darauf hin, dass das Landratsamt Traunstein der Gemeinde dringend von einem Kauf abrate.

Die „Interessengemeinschaft Streichen“ um die Gemeinderäte Elfie Bachmann (UBS), Muck Bauer (parteilos) und Michael Eisenberger (SPD) sowie Altbürgermeister Fritz Irlacher und Ortsheimatpfleger Hartmut Rihl brachte eine gemeinnützige Familienstiftung aus Schleching ins Spiel, die über ein hohes Spendenaufkommen verfügen soll.

Die Privatleute Katharina Gasteiger, Andreas Hafner und Andreas Huber brachten im Juni einen Antrag auf Bürgerentscheid ein. „Wir sind der Meinung, dass eine so große Investition die Handlungsfähigkeit der Gemeinde beeinflusst, da müssen die Bürger mitentscheiden dürfen“, sagt dazu Gasteiger auf Nachfrage.

Der Gemeinderat lehnte den Antrag ab, obwohl Florian Amann vom Landratsamt in der Sitzung darauf hingewiesen hatte, dass die rechtlichen Voraussetzungen der Zulässigkeit gegeben sind. Gasteiger zeigt sich darüber „erschüttert“, wie sie sagt: „Es wäre eine Pflicht gewesen, zuzustimmen, die rechtlichen Voraussetzungen waren erfüllt. Der Gemeinderat hat wissentlich rechtswidrig entschieden.“

Zwischenzeitlich bekundeten zwei Stiftungen ihr gemeinsames Interesse am Kauf des Streichen-Berggasthofs: das sind das „Kulturerbe Bayern“ und die Schlechinger Stiftung Yvonne und Thomas Wilde.

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