Brummis in der Ortsmitte

Lkw sollen nicht mehr durch Seeon fahren, finden die Grünen - Gemeinderat sieht das anders

Die Seeoner Ortsdurchfahrt wird vom Schwerlastverkehr häufig als „Schleichweg“ genutzt. Eine Beschränkung auf 7,5 Tonnen, wie von den Grünen gefordert, lehnt der Gemeinderat aber ab und spricht sich für ein einheitliches Verkehrslenkungskonzept im Gemeindegebiet aus.
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Die Seeoner Ortsdurchfahrt wird vom Schwerlastverkehr häufig als „Schleichweg“ genutzt. Eine Beschränkung auf 7,5 Tonnen, wie von den Grünen gefordert, lehnt der Gemeinderat aber ab und spricht sich für ein einheitliches Verkehrslenkungskonzept im Gemeindegebiet aus.
  • vonGabi Rasch
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Die Grünen forderten mit einem Antrag im Gemeinderat ein Lkw-Verbot in der Ortsmitte von Seeon. Doch die Bedenken waren am Ende zu groß: Vor allem befürchteten die Räte, dass sich der Schwerlastverkehr andere Schleichwege sucht. Nun soll es ein Gesamtkonzept zur Verkehrslenkung geben.

Seeon-Seebruck – Über den Antrag der Grünen, die Ortsdurchfahrt Seeon auf 7,5 Tonnen zu beschränken, hat der Gemeinderat Seeon-Seebruck in seiner jüngsten Sitzung gar nicht mehr abgestimmt. Die große Mehrheit des Gemeinderats vertrat schon in der Debatte die Auffassung, dass eine Tonnage-Beschränkung wiederum andere Straßen in der Gemeinde blockieren würde.

Auf Antrag von Sepp Daxenberger (CSU) wurde deshalb beschlossen, den Grünen-Vorschlag zurückzustellen und ein einheitliches Verkehrslenkungskonzept für die Gemeinde zu entwickeln. „Wir brauchen eine gescheite Lösung, die jetzt angepackt werden muss“, forderte Daxenberger.

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Gefährliche Engstellen

Die Grünen hatten beantragt, das Gremium möge beschließen, die Gemeindestraße ab der Kreuzung der Staatsstraße 2094/Seestraße bis zum Kreisverkehr an der Altenmarkter Straße auf 7,5 Tonnen zu beschränken. Als Grund gaben sie an, dass sich die Ortsdurchfahrt Seeon immer mehr zu einem „Schleichweg“ für den Schwerlastverkehr entwickle. Als Beispiel führten sie die Engstelle bei der Abzweigung in die Weinbergstraße an. Dennoch würden sich Lkws „durch das Nadelöhr drängen“. Bei Gegenverkehr komme es zu gefährlichen Situationen. „Muss man erst aufwachen, wenn ein schwerer Unfall passiert?“, fragte Angelika Wolferstetter in die Runde.

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Eine Tonnage-Beschränkung würde ihrer Ansicht nach die Verkehrssicherheit der Radfahrer und Fußgänger enorm erhöhen. Die Anwohner würden ebenfalls enorm entlastet. Aufgrund der aktuellen Sperrung der Alzbrücke in Seebruck auf 12,5 Tonnen und einer Sperrung der Ortsdurchfahrt Seeon könnte man erreichen, dass der Schwerlastverkehr besser auf das Bundestraßennetz gelenkt werde.

So wäre auch eine Entlastung von Truchtlaching möglich, da der Schwerverkehr über die St 2094 direkt auf die B304 geleitet würde. Weiter heißt es in dem Antrag, dass bereits viele Anwohner den Wunsch einer Tonnage-Beschränkung gefordert hätten und die Belastung akut sei. Nach dem die Umsetzung eines Verkehrskonzeptes noch Zeit in Anspruch nehmen werde, sollte eine Beschränkung zum nächstmöglichen Zeitpunkt umgesetzt werden.

Ortsdurchfahrt Truchtlaching hat Priorität

Nach Ansicht von Michaela Losbichler, Grüne, würde eine Tonnage-Beschränkung in Seeon ein von der Mehrheit gefordertes Gesamtverkehrs-Lenkungskonzept nicht ausschließen. Auch Sabine Pfaffenzeller (FW) berichtete, dass nicht nur an den Engstellen, sondern auch auf Höhe des Strandbades am Seeoner See gefährliche Situationen zu beobachten seien. Für sie habe aber die Ortsdurchfahrt Truchtlaching erste Priorität.

Stefan Berger (CSU), der unmittelbar an der Ortsdurchfahrt wohnt, hält eine Tonnage-Beschränkung nicht zwingend notwendig. Nach seinen Beobachtungen handle es sich in erster Linie um Baustellenverkehr.

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Alfred Fiedler (FW) warnte vor „einseitigen Entscheidungen“ und schlug vor, mit den Verkehrsbehörden in Kontakt zu treten, um an anderer Stelle Straßenblockierungen zu vermeiden. Davor wurde allgemein gewarnt. „Dass wir den Verkehr in andere Orte verschieben, kann es nicht sein“, sagte Dr. Christine Kosanovic. Dass Lkws „nicht nur zum Selbstzweck unterwegs“ seien, gab Bauamtsleiter Josef Heiß zu bedenken. Durch geplante Großprojekte, wie den Ausbau der Pattenhamer Straße, sei mit einem erhöhten Lkw-Aufkommen zu rechnen.

Ein Konzept soll her

Auch Bürgermeister Martin Bartlweber (FW) und Martha Gruber (FW) warnten vor einer möglichen Verlagerung des Lkw-Verkehrs: „Es bringt nix, weil es dann Truchtlaching erwischt“. Er sei ganz bei Daxenberger, dass das Problem nur durch ein einheitliches Konzept gelöst werden könnte, so Bartlweber.

Mit den Gemeinden des nördlichen Chiemsee-Ufers soll nun ein Konzept erarbeitet werden, wie man künftig nicht nur den überörtlichen, sondern auch den örtlichen Lkw-Verkehr lenken könne. Der neu formulierte Beschlussvorschlag, den Antrag der Grünen zurückzustellen und ein einheitliches Konzept zu erarbeiten, wurde gegen die Stimmen von Losbichler und Wolfertstetter verabschiedet.

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