Für mehr Tierwohl

Schlachten per Weideschuss? Neues Konzept und neue Anlage in Staudach vorgestellt

  • vonTamara Eder
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Wie Tiere geschlachtet werden, führt immer wieder zu Diskussionen. Oft stehen die Schlachthöfe in der Kritik. In Staudach wurde nun ein Schlachtanhänger vorgestellt, der dafür sorgen soll, dass Tiere bei der Schlachtung weniger leiden.

Staudach-Egerndach – In aller Munde waren kürzlich die Bedingungen, unter den Tieren in der Fleischindustrie geschlachtet werden. Eine stressfreie Tötung von Rindern ist nun in Staudach möglich.

Auf Einladung der Öko-Modellregion Hochries-Kampenwand-Wendelstein informierten sich zahlreiche Landwirte, aber auch Verbraucher, auf dem Hof von Peter Drogoin über einen Anhänger, der für die Weideschlachtung gestaltet ist.

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„Jeder Landwirt sorgt sich um seine Tiere, dazu gehört auch das Lebensende“, betonte Stefanie Adeili vom Öko-Modell. Die Diplom-Ingenieurin Lea Trampenau hat den mobilen Schlachtanhänger entwickelt, der die Tötung der Tiere auf dem Hof in der vertrauten Umgebung möglich macht. „In meiner Diplomarbeit habe ich mich mit der Rinderschlachtung auseinandergesetzt. Nicht gefallen hat mir, dass selbst Biobetriebe in den konventionellen Schlachthof gingen“, sagt Trampenau.

Mit einer Seilwinde kommt das Tier nach dem Weideschuss in den Anhänger. Eder

Schlachtung der Tiere immer mit Stress verbunden

Welche Vorteile eine Weidetötung hat, konnte Peter Drogoin bestätigen. Er ist Landwirt im Nebenerwerb und praktiziert sie bereits mit einem Schlachtanhänger. Für ihn stehe das Tierwohl an erster Stelle. „Selbst für den Bauern ist diese letzte Fahrt immer wieder mit Stress, teils schlaflosen Nächten vorher verbunden“, sagte er. Drogoin berichtet von Verletzungen der Tiere beim Verladen.

„Aus meiner Sicht ist der Weideschuss die beste Alternative. Das Tier bleibt in der gewohnten Umgebung, in seiner Herde und auf der Weide. Der Schuss kommt unerwartet und betäubt das Tier“, sagt Drogoin. Dann fahre er mit dem Anhänger hin, das Tier werde in die Box gezogen und blute dort aus.

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Anschließend werde das Tier direkt zum Metzger transportiert. Das Vorgehen habe auch Vorteile für die Fleischqualität, da das Tier keine Stresshormone ausschütte. „Das Tier hat nicht gelitten und auch die anderen Rinder haben von der Schlachtung nichts mitbekommen“, betonte Drogoin.

Weidetötung mit klaren Voraussetzungen

Lea Trampenau informierte über die Voraussetzungen der Weidetötung. Diese sei nur zugelassen bei Tieren, die ganzjährig im Freien gehalten werden. Zudem müsse eine Genehmigung vom Veterinäramt sowie eine Schussgenehmigung und einen Sachkundenachweis vorgelegt werden. Auch der Schießplatz müsse im Vorfeld begutachtet werden.

Auch ein integriertes Waschbecken zeigt Peter Drogoin.

Ein Jagdschein sei nicht ausreichend, um eine Weideschlachtung durchzuführen. Zudem müsse ein Tierarzt 24 Stunden vor der Schlachtung das Tier begutachten. Vom Schuss bis zur Tötung dürfe nicht mehr als eine Minute vergehen – eine knappe Zeit, aber durchaus zu bewerkstelligen, versicherte Drogoin. Binnen 45 Minuten müsse das tote Tier beim Metzger sein.

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Eine weitere Voraussetzung sei, dass der Schlachtanhänger bei einem Schlachtbetrieb angemeldet sein mmüsse und somit als mobile Einheit des Betriebs zähle. Die Kosten eines Anhängers liegen bei rund 10 000 Euro.

Ein mobiler Schlachtbetrieb im Achental?

Peter Drogoins Vision ist ein Achentaler Schlachtbetrieb, um regional und dem Tierwohl entsprechend schlachten zu können. Er sei bereits mit einigen Metzgern im Gespräch.

Je nach Ausführung ist der Anhänger für ein bis zwei Tiere geeignet. Bislang wird der Anhänger auch nur für die Schlachtung von Rindern eingesetzt. Einige Landwirte, die Ziege, Schafe und Schweine halten, bedauerten dies, denn auch für diese Nutztiere wäre Weidetötung oder Hoftötung eine tierschonende Alternative.

Lea Trampenau empfahl den Landwirten, sich vorab mit dem Veterinäramt zu beraten. Auch für das Amt sei diese Art der Schlachtung neu. Ihre Erfahrung zeige aber, dass die staatlichen Stellen für diese innovative Art der tierschonenden Schlachtung durchausaufgeschlossen seien. Interessenten können sich an Peter Drogoin wenden.

Rubriklistenbild: © Eder

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