Scheitert Hotelplanung am Bernauer Hitzelsberg an Petition?

Die umstrittene Planung für den Hitzelsberg-Ausbau: Die gelb markierten Bereiche 1 und 2 verweisen auf Zufahrtsvarianten ab Kreisel beziehungsweise B305, die rot gekennzeichneten Flächenauf die geplanten Gebäude wie Ferienwohnungen (3), Hotelkomplex (4), Herecon-Verwaltungsgebäude (5), Personalgebäude (6) und Tagungsgebäude (7). Foto Berger
+
Die umstrittene Planung für den Hitzelsberg-Ausbau: Die gelb markierten Bereiche 1 und 2 verweisen auf Zufahrtsvarianten ab Kreisel beziehungsweise B305, die rot gekennzeichneten Flächenauf die geplanten Gebäude wie Ferienwohnungen (3), Hotelkomplex (4), Herecon-Verwaltungsgebäude (5), Personalgebäude (6) und Tagungsgebäude (7). Foto Berger
  • Ulrich Nathen-Berger
    vonUlrich Nathen-Berger
    schließen

Eine Bernauer Umweltschützerin will den Hitzelsberg in Bernau unter Naturschutz stellen lassen und bringt so das Bauprojekt eines Investors in Bedrängnis. Mit ihrer Petition beschäftigt sich der Umweltausschuss des Bayerischen Landtags, der eine Delegation zur Ortseinsicht schickte.

Bernau – Von der Gemeinde hochwillkommen, von Umweltschützern abgelehnt: Die Priener Unternehmensgruppe Herecon, die im Frühjahr das Gut Hitzelsberg für 7,5 Millionen Euro von der Gemeinde erworben hatte, will den Gebäudebestand erweitern mit hochwertigem Hotel, Ferienwohnanlage, Restaurant, Veranstaltungsbereich und Seminargebäude (wir berichteten fortlaufend). Für die Zufahrt sind derzeit mehrere Varianten in der Prüfung. Bis Ende des Jahres soll der Bebauungsplan stehen, der mit den zuständigen Behörden, der Gemeinde und Fachplanern auch im Hinblick auf den Arten- und Naturschutz derzeit entwickelt wird.

Umweltausschuss des Landtags in Prüfung der Petition involviert

Infrage gestellt wird das geplante Projekt allerdings durch die Petition einer Bernauer Bürgerin an den Bayerischen Landtag im Oktober 2019 die zum Ziel hat, den gesamten Hitzelsberg unter Naturschutz zu stellen (liegt der Redaktion vor). Auf dem Hügel des Hitzelsbergs habe sich eine einzigartige Vielfalt an Flora und Fauna entwickelt, die es zu schützen gelte, fordert Cordula Schacht in ihrem Schreiben an den Petitionsausschuss des Bayerischen Landtags. Unter anderen verweist die 77-jährige ehemalige Rechtsanwältin ausführlich auf 50 gesichtete Schmetterlingsarten, viele Kleinreptilien wie Gelbbauchunke, Feuersalamander, Zauneidechse, Baum- oder Ringelnatter und Bergmolche (alle gesetzlich geschützt), seltene Hautflügler wie Heide-Feldwespe, aber auch Orchideen- und Pflanzenarten.

Diskussion in der ehemaligen Ausstellungshalle (von links): MdL Florian von Brunn, Klaus Steiner (CSU), Landschaftsarchitekt Peter Rubeck, Tobias Eutermoser, Assistent der Herecon-Geschäftsleitung, Gemeinde-Geschäftsleiterin Irmgard Daxlberger, Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber und Petentin Cordula Schacht.

Lesen Sie auch: Bernau: Gut Hitzelsberg wechselt Besitzer: 7,5 Millionen Euro sollen noch heuer fließen

Involviert in die Prüfung der Petition ist mittlerweile auch der Umweltausschuss des Landtags: Dessen Mitglieder Florian von Brunn (SPD) und Klaus Steiner (CSU) machten sich als Berichterstatter bei einem Treffen mit der Petentin am Freitag vor Ort ein Bild der Situation (wir berichteten kurz). Begleitet wurden sie von Vertretern des Investors, des Landratsamtes Rosenheim, von Umweltverbänden, Planern sowie Kommunalpolitikern, weiteren Umweltschützern und der Bernauer Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber (CSU).

Gelände vernünftig nutzen

Während der knapp zweistündigen Begehung mit anschließender Diskussion gab es Gelegenheit zu Stellungnahmen für alle Beteiligte, in denen deutlich wurde, dass die Bedenken der Umweltschützer ernst genommen werden, „da es um einen sehr exponierten Bereich geht mit einem allerhöchsten ökologischen Wert“, wie MdL Steiner anschließend im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitung zusammenfasste. Allerdings müsse eine Verbindung geschaffen werden zwischen wirtschaftlicher Nutzung und Schutz der Natur.

„Das Anliegen der Petentin ist durchaus berechtigt, aber wir müssen auch dafür Sorge tragen, dass dieses Gelände vernünftig genutzt werden kann“, betonte Steiner.

Da sieht auch MdL von Brunn so, er zeigte sich aber davon überzeugt, dass eine Problemlösung in Aussicht stehe, „wenn man den Südhang schützt, der besonders artenreich ist“. Das sei eh schon durch das neue, geänderte Bayerische Naturschutzgesetz festgelegt.

BUND Naturschutz stellt Hotelkomplex nicht infrage

„Wenn das geplante Verwaltungsgebäude nicht in den Hang hinein gebaut und verschoben wird sowie an der einen oder anderen Stelle des Areals auf den Naturschutz Rücksicht genommen wird, dann ist ein guter Kompromiss möglich, das hat auch der BUND Naturschutz heute angedeutet.“

Die Bedingungen für einen Kompromiss liegen für Peter Kasperczyk, Vorsitzender der Kreisgruppe Rosenheim des BUND Naturschutz, klar auf der Hand, wie er unserer Zeitung bestätigte: „Der gesetzliche Schutz für die betroffenen Flächen darf nicht oder nur sehr schwer aufzuheben sein und muss eine Bebauung mehr oder weniger ausschließen.“ Den Hotelkomplex stelle der BUND nicht infrage, aber eine Bebauung des Südhangs wie auch die geplanten Ferienhäuser. Kasperczyk ist überzeugt: „Mit dem Restaurantbetrieb und dem Hotel wird genügend Wirtschaftlichkeit gegeben sein.“ Zudem gibt es für ihn noch ein großes Problem: „Welche Auswirkung die noch nicht festgelegte Zufahrt auf Flächen und Natur haben wird, ist derzeit nicht absehbar.“

+++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

Bei der Zufahrtsstraße würden derzeit Streckenvarianten geprüft, das Ergebnis sei noch offen, erklärte Landschaftsarchitekt Peter Rubeck von der Traunsteiner Planungsgruppe Strasser GmbH, die seit 2012 für die Gemeinde Bernau an der Projektentwicklung mitarbeitet. Er hoffe, mit der Gemeinde und den Behörden bald zu einem gemeinsamen Ergebnis zu kommen. Für ihn stand fest: „Wir werden die Planung an einigen Stellen optimieren müssen.“

"Petition wäre nicht nötig gewesen"

Aufmerksam, aber offenbar relativ gelassen verfolgte Tobias Eutermoser, Assistent der Herecon-Geschäftsführung, die Argumentationen der Beteiligten: „Ich fand die Diskussion sehr gut, jeder wurde gehört und die Punkte abgehandelt.“ Aber: Das laufende Bebauungsplanverfahren bedinge doch sowieso, dass der geforderte Arten- und Naturschutz entsprechend berücksichtigt werde, so Eutermoser. „Denn für die spezielle artenschutzrechtliche Prüfung haben wir Gutachter beauftragt.“ Sein Fazit: „Die Petition wäre nicht notwendig gewesen.“

Bürgermeisterin hofft auf Projekt

Besorgt aber dennoch zuversichtlich äußerte sich Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber: „Wenn das Projekt aufgrund der Petition platzen würde, wäre der Schaden für die Gemeinde Bernau immens.“ Gewerbesteuereinnahmen würden ausbleiben und der Wert der Immobilie werde infrage gestellt. „Ich glaube, dass wir das Projekt zu einem guten Ende bringen werden.“

Mit einem möglichen Kompromiss kann sich Cordula Schacht nicht anfreunden, wie sie unserer Zeitung nach dem Treffen erklärte. Aber sie habe den Eindruck, dass sich ihr Ziel, den Hitzelsberg unter Naturschutz stellen zu lassen, nicht durchsetzen lässt. „Immerhin bewegt sich was.“

Kommentare