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Frauen im Cockpit

Saskia Steen und Katharina Hußl aus dem Chiemgau wollen nur eins: Fliegen!

Check-up vor dem Flug: Saskia Steen fliegt von Unterwössen aus am liebsten mit dem Motorsegler. „Penibel schaue ich nach Öl, Sprit, Kratzern rund ums Flugzeug, nach den Reifen, stelle Höhen- und Fahrtenmesser ein“, beschreibt sie.
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Check-up vor dem Flug: Saskia Steen fliegt von Unterwössen aus am liebsten mit dem Motorsegler. „Penibel schaue ich nach Öl, Sprit, Kratzern rund ums Flugzeug, nach den Reifen, stelle Höhen- und Fahrtenmesser ein“, beschreibt sie.
  • Elisabeth Sennhenn
    vonElisabeth Sennhenn
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Das Cockpit ist für Saskia Steen aus Umrathshausen und Katharina Hußl aus Siegsdorf wie ein zweites Zuhause. Die eine ist Fluglehrerin, die andere hat eben ihre erste Fluglizenz erworben. Für beide gibt es nichts Schöneres. Doch das Risiko fliegt immer mit.

Unterwössen/Siegsdorf/Frasdorf – „Freiheit!“ Diese Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen, fragt man Saskia Steen und Katharina Hußl, was sie fühlen, wenn sie mal wieder abheben. In die Lüfte hoch überm Chiemgau und seinen Bergen, in einem Segelflugzeug.

Während Steen, seit knapp 20 Jahren Fluglehrerin, die Routine hat, um die Landschaft unter ihr zu genießen und auch mal bis Augsburg oder Landshut fliegt, muss sich Hußl noch mehr auf die Instrumente konzentrieren. Sie ist erst 17 und hat soeben ihren ersten Flugschein erworben. Und die Aufgabe als Pilotin ist noch sehr respekteinflößend.

Saskia Steen flog schon als kleines Kind in der Maschine der Eltern.

Als Baby mit an Bord, mit 14 erste Fluglizenz

Was sie beide neben der Leidenschaft fürs Fliegen verbindet, ist die Deutsche Alpensegelflugschule Unterwössen (DASSU). Steen fungiert dort zwei Mal die Woche als ehrenamtliche Fluglehrerin; Die Siegsdorferin Hußl hat hier vor zwei Jahren erstmals in einem Segelflieger den Boden verlassen. Beide sagen voneinander, dass sie schon früh mit dem Fliegen in Berührung kamen.

„Mit 14 Tagen bin ich das erste Mal geflogen“, erzählt Steen, die in Umrathshausen wohnt. „Meine Eltern haben bis heute ein Oldtimer-Motorflugzeug. In meiner Kindheit in Frankfurt war ich auf dem Flugplatz daheim.“ Erzählt wurde ihr damals, Flugzeuge könnten fliegen, weil sie Flügel hätten.

„Ich hatte nie Angst. Doch einmal kam es zu einer Situation, in der ich nicht in einen Hubschrauber steigen wollte. Denn der hatte ja keine Flügel“, erinnert sich Steen. Inzwischen ist sie freilich bestens mit dem technischen Innenleben der Flugobjekte vertraut.

Noch heute mache sie es bei Besuchen in der Heimat so, wie als junge Frau: „Ich schnappe mir das Flugzeug meiner Eltern, fliege meine Runden und stelle es wieder ab, ohne Sprit aufzutanken.“

„Wo sind denn eure Eltern?“

Katharina Hußl erinnert sich, dass sie schon als Kleinkind fasziniert von Flugzeugen war. Im Gegensatz zu Steen kommt sie nicht aus einer Flieger-Familie, wird aber von den Eltern unterstützt: „Sobald ich 18 bin, will ich den Motorflug-Schein machen.“

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Steen hat mit 14 Jahren das Segelfliegen gelernt, für alle weiteren Lizenzen muss man volljährig sein. Immer weiter gemacht hat sie, bis sie mit 23 Jahren Fluglehrerin war: „Mein allererster Flugschüler war 19, aber wir beide sahen wesentlich jünger aus. Nach unserem ersten Flug hat man uns gefragt, wo unsere Eltern sind“, schmunzelt sie.

Inzwischen geht es auch hauptberuflich für sie nach oben: Als Kabinenchefin managed sie eine Servicepersonal-Crew bei der Lufthansa. Diese Arbeit in Teilzeit machen zu können, ermöglicht ihr, für ihre vierjährige Tochter da zu sein und in Unterwössen Schüler auszubilden.

Totalschaden in der Luft überlebt

Zur Zeit ist sie wegen der Pandemie in Kurzarbeit, was sie an ihre Grenzen bringe: „So lange am Boden zu sein, bin ich nicht gewohnt. Ich vermisse die Reisen in ferne Länder, fremde Kulturen, anderes Essen – einfach alles an meinem Beruf.“ Deshalb sei es ihr besonders wichtig, ab und zu allein ins Cockpit zu steigen: „Momentan ist das für mich eine echte Auszeit.“

Wie viele Flugschüler sie schon ausgebildet hat, weiß sie nicht genau, „bestimmt über 100“, denn die Dauer der Ausbildung variiert je nach Lizenz.

Katharina Hußl hat ihre erste Lizenz erworben.

Hußl hat für ihre erste Lizenz 18 Flugstunden mit zwei verschiedenen Lehrern und sieben alleine bewältigt. Dazu paukte sie neun Fächer – darunter Meteorologie, Navigation und Sprechfunk – und legte am Münchener Luftamt ihre Prüfung ab. Damit sie künftig einen Passagier mitnehmen darf, muss sie noch 30 Starts und Landungen sowie zehn weitere Flugstunden absolvieren.

Steen weiß, dass auch der erfahrenste Pilot vor nichts gefeit ist: „Ein extrem prägendes Erlebnis war für sie 1997 ein Unfall in der Luft, als ein anderer Segelflieger ihren Flügel rammte. Totalschaden – Steen konnte sich mit dem Fallschirm, der immer an Bord ist, retten. Wie sie das geschafft hat, weiß sie nicht mehr: „Die Erinnerung an diesen Tag ist bei mir komplett ausgelöscht.“

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Seelsorge für Flugpersonal in Not

Obwohl sie kurze Zeit später wieder flog, verfolgte sie das Erlebte jahrelang: „Ich hörte immer wieder dieses furchtbare Krachen.“ Damals hätte ihr eine Krisen-Intervention geholfen, ist sie überzeugt: „Doch dies war damals noch nicht so verbreitet und bekannt wie heutzutage.“

Mittlerweile ist sie selbst Teil eines ehrenamtlichen, weltweit tätigen Kriseninterventions-Teams, das Flugpersonal aller Art seelsorgerisch beisteht: „Schon eine harte Landung kann ein Trauma auslösen oder ein medizinischer Notfall an Bord“, weiß sie.

Hußl hat noch keine schlechten Erfahrungen gemacht: „Aber wir werden auf alles vorbereitet.“ Die Schülerin am Chiemgau-Gymnasium in Traunstein, will Verkehrspilotin werden oder Hubschrauber fliegen. Die Bewerbungen hat sie schon in der Schublade.

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