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Bauausschuss stimmt gegen nachträglichen Antrag an der Jensenstraße 8

„Salamitaktik“ beim Bauen in Prien: Fahrradboxen bringen Faß zum Überlaufen

Auf diesem Grundstück an der Jensenstraße 8 bleibt nicht mehr sehr viel Platz für zusätzliche Bauten.
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Auf diesem Grundstück an der Jensenstraße 8 bleibt nicht mehr sehr viel Platz für zusätzliche Bauten.
  • Tanja Weichold
    VonTanja Weichold
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Baugrund ist in Prien schwer zu bekommen und teuer. Wer einen ergattert hat, möchte ihn bestmöglich nutzen. Vor allem Investoren. Doch muss die Gemeinde Grenzen setzen, wie ein aktueller Fall in der Jensenstraße 8 aufzeigt.

Prien – Mit 6:3 Stimmen verweigerte der Bauausschuss in seiner jüngsten Sitzung das Einvernehmen für nachträglich beantragte Fahrradboxen in der Jensenstraße 8. Was nebensächlich klingt, ist vermutlich der berühmte Tropfen, der ein Fass zum Überlaufen bringt. Das Mehrfamilienhaus, das dort momentan entsteht und genehmigt ist, reizt nach Ansicht der Bauverwaltung und auch der Mehrheit des Gremiums das Grundstück bereits vollends aus. Mit solchen Fällen ist die Marktgemeinde immer wieder konfrontiert.

Landratsamt sieht keine Möglichkeit

Alexander Zenk von der Bauverwaltung erklärte in der Sitzung, dass der Bauherr Fahrradboxen mit Ladestationen für E-Bikes errichten möchte. Eigentlich sei an dieser Stelle der vorgeschriebene Kinderspielplatz vorgesehen. Dieser solle nun zwischen die Fahrradboxen und Wohnhaus verschoben werden. Zenk erinnerte den Bauausschuss daran, dass das Wohngebäude das Grundstück gemäß der gesetzlichen Vorgaben bereits ausreize und belegte dies mit Berechnungen der Grundflächenzahl (GRZ). Die GRZ gibt an, wie dicht ein Grundstück bebaut werden darf.

Laut Zenk hat sich die Gemeinde zum Antrag im Vorfeld mit dem Landratsamt Rosenheim abgestimmt. Der Antrag werde als nicht genehmigungsfähig erachtet.

Zweiter Bürgermeister Michael Anner (CSU), der die Sitzung für den erkrankten Bürgermeister Andreas Friedrich (ÜWG) leitete, sprach davon, dass es zu dem Bauvorhaben „schon öfter Diskussionen“ gegeben habe.

Grenze des Wohlwollens erreicht

Er sagte: „Ich tu mich hart. Das Bauvorhaben ist schon sehr groß und wir haben das mit Wohlwollen vertreten. Jetzt soll noch einmal etwas hinterhergeschoben werden.“ Gerhard Fischer (ÜWG) erklärte, er habe erst gedacht, Fahrradboxen seien ökologisch gesehen eine gute Sache. Aber das Gebäude sei so ausgereizt ohne Stauraum und Speicher für die Bewohner, dass er behaupte, die Abstellbox solle als Lagermöglichkeit dienen. Das Vorgehen des Bauherrn nannte er „Salamitaktik“. Einen solchen Vorwurf wollte Leonhard Hinterholzer (Grüne) nicht unkommentiert stehenlassen und rügte den Kommentar als „Unterstellung“. Radboxen seien sinnvoll.

Anner meinte, über die Sinnhaftigkeit von Radboxen brauche man nicht zu diskutieren. Es handle sich um eine bauliche Anlage. Man hätte eine Ladebox auch im Keller unterbringen können. Jetzt sei aber alles so geplant, dass alle Flächen ausgenutzt seien. „Hätten wir den Antrag ursprünglich gleich so bekommen, hätten wir nein gesagt“, so Anner. In dieser Form füge sich das Bauvorhaben nicht mehr in die Umgebung ein. Die beiden Grünen-Gemeinderäte Sonja Werner und Hinterholzer sowie Julia Niemeyer (BfP) sahen dies anders und befürworteten die Radboxen, sahen sich allerdings in der Abstimmung in der Unterzahl.

Mehr Wohnraum bringt mehr Geld

Bürgermeister Friedrich zeigte auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen im Nachgang zur Sitzung grundsätzlich Verständnis, dass Antragsteller den Wunsch haben, ihr teuer erworbenes Grundstück nach eigenen Vorstellungen zu bebauen. Bei Bauträgern kommen die wirtschaftlichen Interessen dazu. Mehr Wohnraum bedeute mehr Ertrag. „Ich bin da keinem böse“, so Friedrich.

Die Gemeinde habe aber nicht nur die Aufgabe, „auf Teufel komm raus“ Wohnraum zu generieren, sondern müsse berücksichtigen, dass ein Gebäude in die Umgebung passe. Dazu kommen weitere Aspekte, zum Beispiel die Entsorgung von Regenwasser und da spiele die Versiegelung der Fläche eine große Rolle.

Projekte im städtisch geprägten Zentrum von Prien

Bürgermeister Friedrich bestätigt, dass die Gemeinde in einer gewissen Zwickmühle sei. Es sei das Bestreben jeder Gruppierung im Gemeinderat, Wohnraum zu schaffen. „Aber das darf halt nicht völlig auf Kosten der Allgemeinheit und des Ortsbild es geschehen.“ Nachverdichtung in den Innenbereichen sei das erklärte Ziel der Staatsregierung und die Gemeinden seien dazu angehalten. „Diesbezüglich ist in Prien sehr viel passiert“, so Friedrich.

Der Zentrumsbereich sei schon sehr lange städtisch geprägt, da sei Nachverdichtung nicht störend. In zum Teil jahrhundertelang gewachsenen Siedlungen mit Einfamilienhäusern oder Richtung Außenbereich könne man aber nicht plötzlich Sechs- oder Achtfamilienhäuser bauen.

Friedrich bescheinigt dem Bauausschuss ein „gutes Auge“ dafür, was vertretbar sei in Prien. Am Herrnberg oder am Forellenweg seien schon Vorhaben gestoppt worden.

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