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Unfall in der Seestraße

Saisonstart mit Hindernissen – Chiemsee-Bahn prallt auf VW Golf

Augen auf im Straßen- und Bahnverkehr heißt es an der Kreuzung an der Seestraße in Stock.
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Augen auf im Straßen- und Bahnverkehr heißt es an der Kreuzung an der Seestraße in Stock.
  • Heidi Geyer
    VonHeidi Geyer
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Es ist nicht der erste Unfall der Chiemsee-Bahn in Prien. Und doch hat es den Start in die Saison verhagelt. Warum sich Bahn-Chef Michael Feßler eher um die Radler sorgt und warum für die kleine Lok die gleichen Regeln wie für den ICE gelten.

Prien – Es sollte ein geruhsamer Start in die neue Saison werden. Doch ausgerechnet bei der ersten Fahrt der Chiemsee-Bahn in diesem Jahr kam es zu einem Unfall mit einem Auto.

Am frühen Dienstagnachmittag bog laut Polizei ein 45-jähriger Priener von der Seestraße nach Stauden ab und übersah das Rotlicht am unbeschrankten Bahnübergang. Dabei stieß er mit der Bahn zusammen.

Die Dampf-Straßenbahn stammt aus dem Jahr 1887 und fährt die 1,8 Kilometer lange Strecke vom Bahnhof zum Hafen in Stock. Dass „Laura“ nun beschädigt ist, mutet fast kurios an.

Werkstattfahrt ohne Passagiere

„Die Dampflok „Laura“ hat die Diesellok geschleppt, um zu sehen, ob sie nicht nur im Leerlauf funktioniert, sondern auch mit Ballast“, erklärt Betreiber Michael Feßler. Dass man sich ausgerechnet für eine Lok als Ballast entscheide, hänge damit zusammen, dass die Diesellok „Laura“ abschleppen könnte, sollte es Probleme geben. „Passagiere sind daher nicht an Bord gewesen, es war eine reine Werkstattfahrt“, sagt Feßler im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen.

Das Winterhalbjahr dient bei der Chiemsee-Bahn traditionell zur Reparatur, denn im Winter fährt die Bahn nicht. Dennoch sei die Ampel auch in Winter im Betrieb, es gebe Baustellen oder Werkfahrten. Hintergrund der aktuellen Fahrt sei eine Überprüfung gewesen, ob etwas an den Leitungen oder am Kessel tropfe. „Letztendlich muss man es bei einer Dampflok testen. Wenn sie längere Zeit gestanden ist, ist sie an der einen oder anderen Stelle undicht“, so Feßler. Abdichten könne man das, wenn die Lok kalt sei. Obwohl Laura schon ein stolzes Alter hat, sei das auch bei neueren Modellen der Fall.

Sachschaden von 8000 Euro

Der Unfall verlief allerdings relativ glimpflich, es entstand lediglich ein Sachschaden am VW Golf des Prieners von 8000 Euro. Letztlich war es doch ein ungleiches Duell zwischen der Lok und dem VW Golf.

Wobei beide Loks Schaden genommen und verbogene Trittbretter haben. Bei „Laura“ habe es noch den linken Zylinder erwischt, und das Rohr, das Wasser in den Kessel bringt, sei verbogen. „Es kann sein, dass die Kesselspeiseeinrichtung beschädigt ist, das müssen wir aber noch prüfen“, sagt Feßler. Zwar könne man solche Teile noch in Italien kaufen, allerdings seien die nicht billig. Und es sei auch eine Frage der Verfügbarkeit. Feßler zeigt sich dennoch optimistisch, dass die Priener nicht um ihre Dampflok „Laura“ fürchten müssen.

Regeln wie für einen ICE

Unfälle sind bei der Chiemsee-Bahn nichts Neues. „Das ist leider traurige Realität. Es kommt leider öfters vor, dass ein Auto die Ampel und den Zug übersieht“, sagt Feßler. Denn die Autos werden immer schalldichter. Die Chiemsee-Bahn fahre zwar meist nur mit einer Geschwindigkeit fünf Kilometer pro Stunde, aber sie sei von den Vorschriften her so reguliert wie ein ICE: „Bei uns gilt das Allgemeine Eisenbahngesetz und nicht die Regelung für Straßenbahnen.“

Bislang gingen die Unfälle an der Strecke meist glimpflich aus. „Im letzten Jahr hat eine ältere Dame einen Schutzengel gehabt“, berichtet Feßler. Sie sei zwar vor die Lok gelaufen, aber mit einer Platzwunde davongekommen und neben dem Zug gelegen. Er sorgt sich eher um die zahlreichen Unfälle mit Fahrradfahrern, die – wie berichtet – an den Gleisen hängen bleiben. „Mir ist das selbst mal als Kind passiert, aber seitdem weiß ich, dass ich dort aufpassen muss“, sagt Feßler. Bei dem Autofahrer, der nicht auf die Ampel achtete, hinterließ der Unfall laut Polizeiangaben einen leichten Schock. Gegen ihn werde nun ein Ermittlungsverfahren wegen gefährlichem Eingriff in den Bahnverkehr eingeleitet.

Auf den Spuren der Monarchen

Ein echtes Königsschloss sehen – das wollten nach dem Tod von König Ludwig II. im Jahr 1886 viele. Und sie hatten die Chance dazu: Ludwigs Nachfolger, Prinzregent Luitpold, gab das halbfertige Schloss Herrenchiemsee zur Besichtigung frei. Ob ihm bewusst war, was er damit auslöste, ist nicht bekannt. Aber es waren so viele Menschen, die das Schloss sehen wollten, dass es zu einem regelrechten Verkehrschaos in Prien führte, so viele Kutschen waren damals unterwegs.

Noch im gleichen Jahr beantragten Ludwig Feßler und Georg Krauss, Haupteigentümer der Lokomotivfabrik Krauss & Comp. in München, den Bau einer Schmalspurbahn vom Bahnhof zum Hafen. Am 2. Mai 1887 ging es dann los. Dauern heute ICE-Strecken Jahrzehnte, waren die 1,9 Kilometer der Chiemsee-Bahn binnen 70 Tagen fertiggestellt.

Nicht nur Passagiere, auch Kohle beförderte sie. Diese kam mit der Bahn am Bahnhof an, wurde umgeladen und gelangte per Güterwagen nach Stock. Genutzt wurde die Kohle, um Dampfschiffe zu betreiben. Außerdem wurde sie auf der Herreninsel in einer Brauerei und in den Wasserwerken den Schlosses verheizt. Quelle: Chiemsee-Bahn