Schnee und Glätte

Rutschpartie auf der A8? So ist der Siegsdorfer Winterdienst gerüstet

Über sieben Meter breit sind die Räumfahrzeuge des Winterdiensts. Überholen ist nicht erlaubt, trotzdem passiert es und hat zum Teil Unfälle zur Folge.
+
Über sieben Meter breit sind die Räumfahrzeuge des Winterdiensts. Überholen ist nicht erlaubt, trotzdem passiert es und hat zum Teil Unfälle zur Folge.
  • Heidi Geyer
    vonHeidi Geyer
    schließen

Bei Eis und Schnee will man überall sein, aber nicht auf der Autobahn. Dabei tut der Winterdienst der Siegsdorfer Autobahnmeisterei sehr viel, um für freie Fahrt auf der A8.

Siegsdorf – Wenn das Auto am Bernauer Berg auf der A8 ins Rutschen gerät, ist das alles andere als angenehm. Damit es gar nicht erst soweit kommt, kümmert sich der Winterdienst der Siegsdorfer Autobahnmeisterei um Schnee und Eis auf der Fahrbahn. Für die Strecke zwischen der Grenze am Walserberg und dem Bernauer Berg sorgen die Mitarbeiter für freie Fahrt.

Den Wetterbericht verfolgen Thomas Berschl, stellvertretender Dienststellenleiter in Siegsdorf, und seine Kollegen berufsbedingt regelmäßig. „Wir haben ein Programm mit Infos vom Deutschen Wetterdienst, das speziell für uns entwickelt worden ist“, sagt Berschl. Sogar die Fahrbahntemperatur sei dort hinterlegt, außerdem Kameraaufnahmen von der Strecke.

Problemstellen bei Bernau und Anger

Meist sei der Bericht für 24 Stunden recht präzise. Unvorhergesehenes Eis oder Schneefall können stellenweise ziemliche Probleme verursachen: „Unsere gefährlichen Punkte sind immer der Bernauer Berg und die Strecke zwischen Anger und Neukirchen.“ Dort könne ein liegengebliebener Lkw binnen kürzester Zeit die komplette Autobahn blockieren.

Lesen Sie auch:

Dürfen Lifte ab Februar wieder öffnen? Bergbahn-Betreiber aus der Region Rosenheim hoffen auf Ende des Lockdowns

Monika Voggenauer fertigt in Prien von Hand Hüte für Damen und Herren

Flexibilität ist daher gefragt: 20 Mitarbeiter sind bei der Autobahnmeisterei in Wechselschicht angestellt und je nach Bedarf im Winterräumdienst im Einsatz. Außerdem kümmern sich fünf Einsatzleiter um Notrufe und sonstige Meldungen auf der Autobahn.

Ein Riesenpflug

Wenn der Schnee dann da ist, sind fünf, je nach Verfügbarkeit sogar sechs Räumfahrzeuge im Einsatz. Und was für welche: Mit einem Fahrzeug können zwei Fahrbahnen geräumt werden. „Der Frontpflug ist in Normalstellung 3,40 Meter breit. Wenn wir die Seiten und dann noch die Seitenflügel ausfahren, kommt das Ding auf 7,40 Meter in der Breite.“ Zu breit, um das Fahrzeug zu überholen. Denn die Räumfahrzeuge dürfen maximal 45 Kilometer pro Stunde fahren, was manchen Fahrer zu langsam zu sein scheint. An jedem Fahrzeug ist ein Kreuz auf der Rückseite angebracht, dass man nicht überholen darf. Dennoch: „Leider überholen viele, es sind auch schon Unfälle passiert.“

Brenzlige Situationen hat auch Berschl selbst schon erlebt, etwa als er mit dem Schneepflug zufällig einen Geisterfahrer aufhielt. Angst habe er damals keine gehabt, schließlich sei er in einem massiven Schneepflug gesessen. „Wäre der Geisterfahrer ein Lkw gewesen, hätte die Sache anders ausgesehen“, sagt Berschl.

Sole und Salz sind nicht einerlei

Damit das Eis überhaupt schmilzt, müssen je nach Temperatur unterschiedliche Stoffe benutzt werden. Präventiv streut die Siegsdorfer Autobahnmeisterei mit 100-prozentiger Sole, ein Feuchtsalz. „Die hat den Vorteil, dass sie zwölf Stunden und länger auf der Fahrbahn bleibt“, sagt Berschl. Der Nachteil sei, dass dieser Stoff bei niedrigeren Temperaturen als minus sechs Grad nicht mehr funktioniert. Dann helfe nur noch „FS30“, das zu 30 Prozent aus Sole und zu 70 Prozent aus Steinsalz besteht.

„Die Sole können wir selbst herstellen“, berichtet der stellvertretende Dienststellenleiter. Dadurch sei die Autobahnmeisterei unabhängiger von Zulieferern. An drei Stellen an der A8 lagert die Autobahnmeisterei ihr Material: „2000 Tonnen Salz sind jeweils in Bernau und Siegsdorf, am Teisenberg sind weitere 700 Tonnen.“ In einem durchschnittlichen Winter verbrauche der Winterdienst allein 5000 bis 6000 Tonnen Salz aus dem Siegsdorfer Lager.

Manchmal ist der Schnee übermächtig

Es ist ein mühsames Geschäft, in dem Berschl arbeitet. Wenn die Straßen frei sind, werde das kaum zur Kenntnis genommen. Im anderen Fall erreichen die Autobahnmeisterei schon mal wütende Emails. „Wir tun wirklich alles. Da verzichten unsere Leute auch auf Brotzeit oder Mittagspause“, sagt er. Aber Berschl habe es selbst schon oft erlebt, dass das Schneetreiben so stark ist, dass die freigeräumte Autobahn gleich wieder zu sei.

Unvergessen ist ihm der Winter 2019: „Die Bäume an der Autobahn sind wie Zahnstocher durch die Schneelast abgeknickt.“ Heute müsse sich keiner Sorgen mehr wegen der Bäume machen. Die seien im Sommer überprüft und teilweise gefällt oder geschnitten worden.

Wer muss innerorts räumen?

Nach dem Bayerischen Straßen- und Wegegesetz ist es Aufgabe der Gemeinde, die öffentlichen Straßen von Schnee zu räumen und alle gefährlichen Fahrbahnstellen, die Fußgängerüberwege und die Gehbahnen bei Glätte zu streuen, wenn das dringend erforderlich ist. Ein Großteil der Gemeinden verpflichtet die Anlieger, Geh- und Radwege der an ihr Grundstück angrenzenden öffentlichen Straßen zu räumen und zu streuen. Aus Haftungsgründen müssen Eigentümer dafür sorgen, dass der Bürgersteig vor ihrem Haus geräumt ist. Mieter sollten prüfen, ob ihnen die Pflicht zum Winterdienst übertragen worden ist. Quelle: Freistaat Bayern , Stiftung Warentest

Kommentare