Die Rutengeher von der Fraueninsel

Susanne Schury, Radiästhetin und Geomantin, vor ihrem Haus auf der Fraueninsel mit ihrem Arbeits-Werkzeug: Verschiedenen Ruten und einem klassischen Pendel. In der Hand hält sie eine H3- Antenne, die derzeit modernste Rutenvariante.
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Susanne Schury, Radiästhetin und Geomantin, vor ihrem Haus auf der Fraueninsel mit ihrem Arbeits-Werkzeug: Verschiedenen Ruten und einem klassischen Pendel. In der Hand hält sie eine H3- Antenne, die derzeit modernste Rutenvariante.
  • Elisabeth Sennhenn
    vonElisabeth Sennhenn
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Sie spüren Strahlen, Wasseradern und verborgene Gegenstände im Erdreich auf: Rutengänger. Ihre Tradition erlebt gerade wieder eine Renaissance, wie das Ehepaar Susanne und Thomas Schury von der Fraueninsel zeigt. Sie lehren Menschen, sich gute Lebensräume zu schaffen.

Fraueninsel – Sie spüren die Anziehungskraft oder Strahlung von Erzen und Metallen auf, finden Wasseradern, geologische Verwerfungen oder verborgene Gegenstände im Erdreich: Rutengeher. Sie führen eine uralte Tradition fort, geben oft gut gehütetes Familienwissen weiter.

Noch heute ist diese Tradition lebendig – oder besser gesagt: Erlebt gerade wieder eine Renaissance, wie Rutengeherin Susanne Schury von der Fraueninsel meint. Mit ihrem Mann Thomas bildet sie Menschen in Radiästhesie und Geomantie aus. Also darin, Erdstrahlen, Wasseradern oder Energieformen aufzuspüren sowie darin, die Qualität von Lebensräumen beziehungsweise natürlichen Orten zu bestimmen. „Wobei es uns wichtig ist, den Fokus weg von Störzonen, hin zum richtigen Platz zu lenken“, ergänzt Schury.

Das Werkzeug: Haselnuss war gestern

Das Basecamp moderner Wünschelrutengänger –  oder Radiästheten und Geomanten – ist das Haus der Schurys auf der Fraueninsel in Sichtweite der beiden mystischen Linden in der Mitte des Eilands. „Campus Chiemseewellen“ nennt sich ihre Schule, die sie 2014 vom Hochfrequenz-Experten Ewald Kalteiß übernommen haben.

Er hat sein Leben der wissenschaftlichen Forschung zur Wirkung von Strahlen verschrieben, widmet sich seit Jahrzehnten der Radiästhesie, Geomantie, dem Pendeln und der Messtechnik – auch, um speziell Störstrahlung aufzuspüren.

„Störende Energien“: Diese meist sehr subjektive Wahrnehmung von „irgendwas“, das Schlaf, Arbeit oder Familienleben empfindlich beeinflusst, bringt die Menschen zu den Schurys. Besonders oft „unerklärliche Schlafstörungen“, erzählt die gelernte Arzthelferin Susanne Schury.

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Sie verwenden moderne Ruten

„Wir gehen den Problemen dann gemeinsam auf den Grund.“ Aber nicht, indem sie mit einer y-förmigen Wünschelrute aus Haselnussholz durchs Schlafzimmer der Person gehen und warten, bis diese ausschlägt. Susanne Schury öffnet eine Ledertasche mit allerlei modernen Mess-Instrumentarien: „Rutengeher `sammeln´ sozusagen Strahlung ein, daher waren sie früher oft selbst krank. Wir schützen uns heute bei der Arbeit unter anderem durch zeitgemäße Materialien.“

Professionelle Ruten sind heute aus Metall oder Plastik mit speziellen Kohlenstoff-Griffstücken, zeigt sie anhand ihrer persönlichen Werkzeuge. Ihr Mann bevorzuge eine sogenannte H3- Antenne, die modernste Version einer Rute. Sie gilt als Spezialinstrument für radiästhetisch arbeitende Mediziner, Geobiologen und Geomanten.

„Baggerfahrer sind ausgezeichnete Rutengänger“

Die Wirkung von Ruten ist bis heute wissenschaftlich umstritten, auf der anderen Seite werden bis heute Rutengeher weltweit eingesetzt, um im Bergbau Mineralien, Erdöl oder Kohle aufzuspüren. Sogar auf der Suche nach archäologischen Kunstschätzen setzt man Ruten und Pendel ein.

Laut dem deutschen Berufsfachverband der Geopathologen und Baubiologen werden Ruten im Tiefbau oder bei Stadtwerken genutzt, um zum Beispiel Rohrleitungen zu finden, die in keinem Plan verzeichnet sind. „Baggerfahrer sind oft ganz ausgezeichnete Rutengeher“, schmunzelt Susanne Schury. Nur offen darüber sprechen, das täten die wenigsten.

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Aufräumen mit Mythen und Klischees

Von der Baugrube zurück zum Schlafzimmer: Was würde sie also tun, wenn jemand vermutet, sich auf einem schlechten Schlafplatz zu betten? „Wir gehen ganzheitlich vor, schauen nach sogenannten Resonanzen und untersuchen den Ort erst einmal auf alle in Frage kommenden Phänomene“, sagt Schury, wie Wasseradern, terrestrische oder elektronische Strahlung.

Neben der Rute kommen dabei technische Messgeräte zum Einsatz.

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„Es ist wichtig, auch andere Faktoren zu berücksichtigen, wie das private und berufliche Umfeld“, es sei nie „die eine Wasserader“ schuld am schlechten Schlaf. Sondern ein Bündel an Phänomenen. Sie räumt auf mit radikalen Vorstellungen wie: „Gegen elektronische Strahlung muss man sich komplett abschirmen“, oder: „Auf Wasseradern zu schlafen, verursacht Krebs.“

Jeder ist selbst ein Teil der Lösung

Werden tatsächlich störende Phänomene im Schlafzimmer gefunden, helfen laut Schury oft einfache Maßnahmen, meint sie, statt radikaler Schritte wie ein neues Bett oder teure Anschaffungen, die Schutz versprechen: „Man kann Möbel umstellen, Energien umlenken, mit Naturmaterialien eine Schutzwirkung erzielen oder Strahlung dämpfen.“

Auch vor WLAN, auf das viele Menschen sensibel reagierten, solle man keine Angst haben, sondern darin ein Training fürs Immunsystem sehen, mit dem sich umzugehen lernen lasse. Wesentlich sei, sich selbst als Teil des Problems sowie der Lösung zu sehen.

Goethe und Einstein waren begeistert

Wissenschaftlich ist umstritten, mit welcher Trefferquote Rutengeher Erdstrahlen und Wasseradern aufspüren können und auch, ob sie sich entstören, umleiten oder neutralisieren lassen – selbst Rutengeher-Verbände (beispielsweise Vereinigung deutscher Rutengänger, Rutengänger Verein Süd), sind sich in diesem Punkt uneinig oder lassen Empfehlungen außen vor. Was man heute weiß, ist, dass das Rutengehen den Menschen schon sehr lange fasziniert, so gelten nachweislich Goethe und Albert Einstein als frühe „Fans“. Goethe verteufelte sämtliches technische Gerät und befand, der Mensch allein könne mit seinem Körper „Kräfte“ messen. Einstein sah das anders: „Ich weiß sehr wohl, dass viele Wissenschaftler Rutengehen so beurteilen wie die Astrologie, wie eine Art von Aberglauben. Meiner Überzeugung nach ist das jedoch nicht berechtigt. Die Rute ist ein simples Gerät, das die Reaktionen des menschlichen Nervensystems auf gewissen Faktoren zeigt, die uns zu diesem Zeitpunkt unbekannt sind.“(Quelle: Mag. Claudia Millwisch, gerichtlich zertifizierte Sachverständige für Rutengehen, Dokumentation für den österreichischen Radiästhesieverband)

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