Rumänienhilfe Chiemgau in der Corona-Krise ruft um Hilfe

Team und Kinder des Heims Casa Ray in Rumänien. Die Rumänienhilfe Chiemgau befürchtet, aufgrund der Corona-Krise weniger Spenden zusammen zu bekommen. Unter anderem werden diese für das Heim Casa Ray benötigt. Alt

Seit vielen Jahren gibt es im Chiemgau eine überaus muntere Rumänienhilfe, die soziale Einrichtungen in Rumänien mit Geld- und Sachspenden versorgt. Vor allem unterstützen die Chiemgauer das Kinderheim „Casa Ray“ im Nordosten des Landes.

Von Martin Tofern

Chiemgau/Inzell/Ramsau – In dem Heim in Dobreni bei Piatra Neamt leben derzeit 21 Kinder, die sonst keine Chance hätten, weil sich der rumänische Staat nach wie vor nicht um Waisen oder auf der Straße lebende Kinder kümmert.

Arbeit läuft unter der Regie eines Klosters

In anderen Einrichtungen müssen die Kinder das Heim im Alter von 18 Jahren verlassen, auch wenn sie mit ihrer Ausbildung noch nicht fertig sind. „Ja, wo sollen die denn hin“, fragt Hans Alt, der Organisator des Freundeskreises Rumänienhilfe, wie die Organisation offiziell heißt. Die Arbeit des Freundeskreises läuft unter der Regie des Klosters der Franziskanerinnen in Au am Inn. „In unserem Heim dürfen die Kinder bleiben, bis sie erwachsen sind, ihre Ausbildung abgeschlossen haben und sich selbstständig machen können“, erzählt Alt stolz. „Wie lange sie im Heim bleiben, das liegt im Ermessen der Kinder.“

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Das Kinderheim sendet in diesen Corona-Krisenzeiten nun selbst einen Hilferuf. „Leider bin ich nicht der Bill Gates“, sagt Alt. Er muss Spenden sammeln, um Gutes zu tun. „Ich gehe auf die 82 zu. Mir macht es Freude, dass ich noch jemandem helfen kann.“

Anfang des Jahres waren mehrere Kinder an Masern erkrankt, vermutlich weil sie niemals geimpft wurden. Das Kinderheim braucht nun Geld für Medikamente, aber auch für Lebensmittel. Da Corona auch in Rumänien sein Unwesen treibt, „reagieren die Rumänen genau wie die Deutschen mit Hamsterkäufen“, erklärt Rumänienhelfer Alt. Und die Händler haben angesichts der starken Nachfrage die Preise erhöht. Kein Wunder, dass an allen Ecken und Enden Geld fehlt.

Mit einem Stipendium von 50 Euro sei schon viel gewonnen. Damit können die Kinder in der Stadt das Gymnasium besuchen. „Zur Zeit sind es sechs Kinder, denen wir die Chance geben können, um in der Stadt zu studieren“, erklärt Alt. So können sie einen gehobenen Bildungsabschluss erwerben. Für einige habe sich dieser Traum schon erfüllt. „Mit guten Noten konnten sie bereits in ein geregeltes Berufsleben einsteigen.“ Nun seien sie in der Lage für sich selbst zu sorgen, sind nicht mehr auf fremde Hilfe angewiesen.

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Im vergangenen Jahr haben die Rumänienhelfer 11 Lastwagen mit Sachspenden ins Land gebracht. „Mit diesen Hilfsgütern wie Kleidung, Geschirr, Bettwäsche, Decken, Hygieneartikel, Lebensmittel, aber auch Spielsachen und Süßigkeiten für die Kinder, nicht zu vergessen auch Fahrräder, konnte so manche Not gelindert werden“, schreibt der Freundeskreis dazu in seinem Osterbrief. Die Verteilstellen für die Sachspenden seien in Siebenbürgen und weit im Osten, in der Moldaugegend, wahrscheinlich eine der ärmsten Regionen im Land.

„Heuer ist das mit den Transporten natürlich schwieriger wegen Corona, aber ich bin überzeugt, dass das irgendwann auch wieder vorbeigeht“, sagt Alt. Humanitäre Hilfe sei für die Menschen in Rumänien nach wie vor nötig: „Es ist leider eine Tatsache, Slums, Hunger, Elend, Menschen ohne Schulbildung und massive Diskriminierung von Minderheiten gibt es nicht nur in weit entfernten Ländern, nein auch fast vor unserer Haustüre gehört das noch zum Alltag“, schreibt Alt im Osterbrief des Freundeskreises.

Familien wohnen auf Müllhalden

Die EU habe viele Millionen Euro zur Verfügung gestellt, um diese Missstände zu beseitigen. Leider komme dieses Geld bei denen, für die es gedacht sei, kaum oder nur als spärliches Rinnsal an. Die Korruption sei überall. „Es gibt Familien , die nicht wissen, was sie am nächsten Tag essen sollen, die auf Müllhalden wohnen und deren Kinder nicht zu Schule gehen können“, schreibt Alt weiter, der trotz des scheinbar unbesiegbaren Elends seinen Optimismus nicht verloren hat. Er ist überzeugt, dass man etwas gegen das Elend tun kann. Die Rumänienhilfe braucht Geldspenden, um etwa die Lkw-Transporte bezahlen zu können. Sie kosten 1800 bis 1900 Euro pro Fuhre. „ Jeder kann mithelfen! Viele kleine Beträge ergeben einen Großen“, schreibt Alt. Weitere Informationen gibt es bei Hans Alt, unter info@rumaenienhilfe.de

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