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Protest gegen Corona-Beschränkungen

Ruhpoldings Gästeanbieter überleben nur dank Dispo und Altersvorsorge

Freie Ferienwohnungen gibt es derzeit in der Region zuhauf. Wann sie und Hotels wieder öffnen dürfen, ebenso der regionale Fachhandel, steht in den Sternen. dpa/re
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Freie Ferienwohnungen gibt es derzeit in der Region zuhauf. Wann sie und Hotels wieder öffnen dürfen, ebenso der regionale Fachhandel, steht in den Sternen. dpa/re
  • Elisabeth Sennhenn
    VonElisabeth Sennhenn
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Sepp Hohlweger aus Ruhpolding hat einen Brandbrief an Ministerpräsident Markus Söder geschrieben. Der Chef des Tourismus- und Wirtschaftsverbands kritisiert, dass Auslandsreisen möglich sind, während Hotels und Ferienwohnungen hierzulande leer stehen. „Das Vertrauen in die Politik wird verspielt“, warnt er.

Ruhpolding – Hotels und Gästevermieter warten teils immer noch auf die Novemberhilfe und können keine Gäste aufnehmen, während sich im Supermarkt Menschen drängen und Auslandsreisen erlaubt sind: Sepp Hohlweger reicht’s. Der Chef des Ruhpoldinger Tourismus- und Wirtschaftsverbands reiht sich ein in die Riege derjenigen, die einen Brandbrief an Ministerpräsident Markus Söder richten. Das Vertrauen in die verschiedenen Regierungsebenen werde nach und nach zerstört, schreibt Hohlweger in dem offenen Brief, der unserer Redaktion vorliegt.

Überleben nur dank zweitem Standbein

Viele Unternehmer seien inzwischen ratlos und resigniert: „Es ist auf Dauer für unsere Betriebe unerträglich, für die Fehler und Fehleinschätzungen Einzelner in Haftung genommen zu werden“. Weiter schreibt er: „Unsere Mitglieder haben es satt, sich mit immer neuen Versprechungen vertrösten zu lassen. Sollten die versprochenen Entschädigungen, weiterhin mit so großer Verspätung ausgezahlt werden, ist der Tourismusstandort Chiemgau mit Ruhpolding in ernster Gefahr.“

Lesen Sie auch: 7-Tage-Inzidenz den dritten Tag über 100 - „Corona-Notbremse“ greift auch im Landkreis Traunstein (chiemgau24.de)

Ein Beispiel dafür ist Wolfgang Holland. Er vermietet eine größere und eine kleine Ferienwohnung in seinem eigenen Haus „Berggruß“ und zählt nicht zu den gewerblichen Touristikern. Etwa die Hälfte der rund 350 Beherbergungsbetriebe in Ruhpolding sind private Gastgeber, zu denen auch Frühstückspensionen und Bauernhöfe zählen. „Für staatliche Hilfen hätte ich mehr als die Hälfte meiner Einnahmen mit der Vermietung erzielen müssen“, erzählt er.

Jeden Euro in Ferienwohnungen gesteckt

Glück und Pech also zugleich für ihn, dass er in Teilzeit noch im Handwerk arbeitet, denn zumindest hat er eine Einnahmequelle. Trotzdem fehlen seit vergangenem Oktober die Einkünfte durch die Gästeübernachtungen, ein wichtiges Zubrot für die Familie. „Seit 15 Jahren stecken wir jeden Euro, der übrig bleibt, in unsere Ferienwohnungen“, sagt er. Für die größere liegen für die Sommermonate einige Buchungen vor, nur ob sie am Ende umsonst sind, bleibt völlig offen. Die Unkalkulierbarkeit sei im Moment das größte Problem. Holland sagt, eine Weile könne er schon noch durch halten so ganz ohne Gäste. „Aber wenn das bis Ende des Jahres so weiter geht wie jetzt und die ständige Unsicherheit bleibt, beenden wir 2022 die Gästevermietung und suchen uns Dauermieter.“

Dass es viele so machen werden, befürchtet Sepp Hohlweger im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung: „In München zeichnet sich schon ein spürbarer Rückgang der Gästebetten ab, da wird schon in Wohnraum umgewandelt.“ Dazu komme, dass vor allem Gastronomen, Gästevermieter und Hoteliers der Branche ganz den Rücken kehren: „Das hat auch damit zu tun, dass nur Betriebskosten übernommen werden, aber dem Unternehmer seit Monaten niemand ein Gehalt bezahlt.

Existenzen stehen auf dem Spiel

Die Leute versuchten, sich branchenfremd einen Job zu suchen.“ Er wisse von Fällen, wo der Bank-Dispo Monat für Monat im vierstelligen Bereich überzogen werden muss oder Altersvorsorge aufgelöst wird. „Gerade dann überlegen sich viele, den Betrieb lieber zu schließen, als an die letzten Reserven zu gehen.“ Eindringlich schreibt er an Söder: „Bei vielen liegen die Nerven blank, es stehen Existenzen und Strukturen auf dem Spiel.“

In seinem Brief an die Regierung greift Hohlweger die chaotische Corona-Situation auf: „Ja, die Fallzahlen steigen, das Infektionsgeschehen ist diffus und die Gastronomie mit den Investitionen in Hygienekonzepte muss geschlossen bleiben. Was aber eben auch belegt, dass die Treiber der Pandemie woanders zu suchen sind.“

Mit Hilfe digitaler Kontaktverfolgung, und dem neuerlichen Einsatz der Coronasoftware Sormas in den Gesundheitsämtern sollten ein besserer Überblick über das Infektionsgeschehen möglich sein und die Innengastronomie schrittweise geöffnet werden können, ist Hohlweger überzeugt. 2020 büßten die Ruhpoldinger Anbieter 15 bis 25 Prozent Umsatz ein; für das aktuelle Tourismusjahr rechnet Hohlweger mit bis zu 60 Prozent, sollte der Lockdown bis Pfingsten dauern.

Die Forderungen des Verbands

Der Ruhpoldinger Tourismus- und Wirtschaftsverband stellt in seinem Brief an die Regierung drei Forderungen auf: einen freiwilligen Ausgleichsfonds zur Unterstützung der privaten Vermieter, das Öffnen des stationären Einzel-Fachhandels bei einer Inzidenz bis zum Beispiel 200 sowie eine Clearingstelle für die Antragsbearbeitung von Überbrückungshilfen und der November-/Dezemberhilfen.

Beim Thema Ausgleichsfonds schlägt der Verband eine Bemessung der Bettenzahl vor, „zum Beispiel einmalig 750 Euro pro Bett, oder monatlich 200 Euro.

Würde der Fachhandel öffnen, könnte dadurch der Minderumsatz in Tourismusregionen wegen fehlender Gäste ausgeglichen werden, ist man überzeugt.

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