Interview

Ruhpoldings Bürgermeister-Neuling Justus Pfeifer: „Die Krise als Chance für den Tourismus“

Hat sich für die kommenden sechs Jahre viel vorgenommen: Ruhpoldings neuer Bürgermeister Justus Pfeifer. Mit 30 Jahren ist er der jüngste Rathauschef im Landkreis Traunstein. Schick

Ruhpolding – Frischer Wind soll nach dem Willen des neuen Bürgermeisters Justus Pfeifer (CSU) ins Ruhpoldinger Rathaus einziehen. Der 30-jährige Offizier im fliegerischen Dienst der Bundeswehr-Luftwaffe und bisherige Gemeinderat löst seinen Vorgänger Claus Pichler ab.

Herr Pfeifer, was treibt einen Kampfjet-Pilot aus höheren Sphären auf den Boden politischer Tatsachen einer Landgemeinde?

Justus Pfeifer: Das ist ganz einfach zu beantworten. Ich bin damals zur Bundeswehr gegangen, weil ich stolz auf meine Heimat und mein Land bin. Mittlerweile habe ich aber das Gefühl, dass ich in der Kommunalpolitik mehr für meine Heimat bewegen kann, als im Cockpit eines Kampfjets. Es klingt vielleicht etwas pathetisch, aber ich sehe mich schon als Patriot, der sich für seine Heimat einsetzen möchte. Einen Kampfjet zu fliegen mag da für viele ein Traum sein – für mich ist es das Bürgermeisteramt aber ebenso.

Wie haben Sie ihren grandiosen Wahlsieg verarbeitet?

Pfeifer:Es war natürlich ein tolles Ergebnis, einen solchen Sieg einzufahren. Da war das Thema Corona noch am Anfang gestanden, sodass wir im kleinen Kreis innerhalb des Wahlkampfteams auf ein Gläschen anstoßen konnten. Emotional gesehen dauerte es schon einige Tage, bis man die neue Situation realisiert hat, schließlich habe ich selbst nicht mit einem so eindeutigen Ergebnis im ersten Wahlgang gerechnet.

Sie stammen aus einer politisch interessierten Familie. Wie hat Sie ihr Elternhaus geprägt?

Pfeifer: Enorm (lacht). Politische Debatten gab (und gibt) es zuhause meistens am Küchentisch. Meine Mutter war ja bis zuletzt selbst aktiv als Gemeinderätin für die VRB und die vergangenen sechs Jahre Zweite Bürgermeisterin. Da prallen auch schon mal unterschiedliche Meinungen aufeinander. Sie hat ihre Positionen durchwegs konsequent vertreten. Aber beide sind wir Vernunftmenschen, dafür denken wir zu rational. Jedenfalls musste mein Vater selten schlichten.

Welche Motivation gab es für Sie, sich mit Politik zu beschäftigen?

Pfeifer: Als Oberministrant in unserer Pfarrei durfte ich auch im Pfarrrgemeinderat mitwirken. In einem Gremium mitzuarbeiten, verschiedene Standpunkte auszuloten und Lösungen anzugehen, das hat in mir Interesse für „mehr“ ausgelöst. Deshalb bin ich dann in die Junge Union eingetreten. Als Jugendlicher lernt man dort, ich möchte fast sagen spielerisch, ohne Sachzwänge mit Politik, mit Zukunftsthemen und Problemen vor Ort umzugehen, die jungen Menschen wichtig sind. Ein Ergebnis daraus ist zum Beispiel der Skaterplatz im Speedway-Stadion. In dieser Zeit entwickelte sich eine enge Freundschaft mit Siegfried Walch, der ebenfalls den JU-Weg gegangen ist. Wir schwimmen auf einer Wellenlänge.

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Wie werden Sie das Wählervertrauen umsetzen?

Pfeifer: Das Wahlergebnis hat gezeigt, dass man sich in Ruhpolding einen neuen Schwung wünscht. Diesem Wunsch werde ich Rechnung tragen. Wer mich kennt, der weiß, dass ich keine halben Sachen mache. Und dass es keine Floskel ist, wenn ich sage, dass ich parteiübergreifend für das Wohl der ganzen Gemeinde arbeiten werde. Das wird sich auch bei der Besetzung des zweiten und dritten Bürgermeisters zeigen.

Ruhpolding lebt in erster Linie vom Tourismus. Welche Möglichkeiten sehen Sie, dass das trotz Corona in Zukunft so bleibt?

Pfeifer: Die Corona-Krise ist natürlich das letzte, was man sich wünschen kann. Wir müssen jetzt schnell und flexibel reagieren. Sobald Reisen innerhalb Deutschlands wieder möglich ist, müssen wir das bieten, was sich der Kunde wünscht. Zurzeit ist das Sicherheit und Weitläufigkeit, ohne Angst haben zu müssen, sich mit Corona infizieren zu können. Und genau diese Sicherheit können wir durch unser weitläufiges Wegenetz und unsere Natur bieten. Daher sehe ich hierin unser Potenzial, die Krise als Chance nutzen zu können.

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Welche Vorhaben stehen als Erstes auf Ihrer Agenda?

Pfeifer: Ohne Umschweife: Die Rauschbergbahn sowie die Bürger-Card, die auch im Wahlkampf ein Thema war. Grundsätzlich müssen wir generell bei den Ausgaben ansetzen und zugleich die Einnahmensituation verbessern. Mit Synergie-Effekten lässt sich da viel machen. Ich denke dabei an Projekte wie Kurhaus, Wellenbad, Unternberg oder die Chiemgau-Arena, um nur einige zu nennen.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Ihrem Vorgänger, für den es nach zwei Amtsperioden nicht mehr gereicht hat?

Pfeifer: Für Claus Pichler war das Ergebnis sicherlich ein Schock. Das muss man erst mal verkraften können. Seine Mitarbeit während der Übergangsphase war sehr kooperativ und durch ein freundschaftliches Miteinander geprägt. Das rechne ich ihm hoch an. Leider stellt er sich im Gemeinderat nicht mehr zur Verfügung. Ich wünsche ihm jedenfalls für die Zukunft alles Gute.

Wie halten Sie sich körperlich fit für den neuen Job?

Pfeifer: Sportliche Betätigung gehört seit jeher zu meinem Lebensrhythmus. Bergradln, Joggen, Wandern und ausgedehnte Spaziergänge mit unserer Labrador-Dame „Kessa“, die meine Frau Christina und mich auf Trab halten. Sicherlich wird die Fliegerei auch in irgendeiner Form weiterhin eine Rolle in meinem Leben spielen. Mit der Politik habe ich mir ja jetzt mein bisher größtes Hobby zum Beruf gemacht (lacht).

Interview: Ludwig Schick

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