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Türen zu ab Dezember

Ruhpoldinger Altenheim schließt: 34 Bewohner brauchen neue Plätze

Im Gebäude des Alten- und Pflegeheims St. Adelheid werden künftig psychisch kranke Menschen betreut.
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Im Gebäude des Alten- und Pflegeheims St. Adelheid werden künftig psychisch kranke Menschen betreut.
  • Heidi Geyer
    VonHeidi Geyer
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Da wähnt man die Angehörigen gut aufgehoben, dann schließt kurzfristig das Pflegeheim. Das ist nun der Fall im Ruhpoldinger Alten- und Pflegeheim St. Adelheid. Zum 30. November 2021 müssen alle 34 Bewohner einen neuen Platz finden. Das steckt hinter der Schließung.

Ruhpolding – Das Alten- und Pflegeheim St. Adelheid in Ruhpolding schließt zum 30. November, wie der Träger, die Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul, in der vergangenen Woche bekannt gaben. Derzeit sind noch 34 Bewohner im Heim, die nun eine neue Bleibe brauchen.

Hintergrund für die Schließung sind laut Generalökonom Claus Peter Scheucher bauliche Grundanforderungen an ein Alten- und Pflegeheim, die zwingend umgesetzt werden müssen. „Die Veränderungen hätten für das kleine Haus so hohe Kosten verursacht, dass ein auch nur annähernd wirtschaftlicher Betrieb unmöglich geworden wäre. Darüber hinaus hätte das Heim während der Sanierung für viele Monate geschlossen werden müssen“, so Scheucher.

Umzug in Würde gewünscht

Ein Schritt, den Generaloberin Schwester Rosa Maria Dick sehr bedauert: „Die Entscheidung dafür ist uns sehr schwergefallen. Wir sind uns der Tragweite dieser Maßnahme bewusst.“ Jedoch sei sie zuversichtlich, dass alle Bewohner vor der Schließung ein neues Zuhause beziehen können, heißt es in einer Pressemitteilung.

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Angehörige haben Listen mit Pflegeheimen in der Umgebung bekommen, nachdem sie vergangenen Dienstag davon erfahren hatten. Schwester Rosa Maria Dick ist zuversichtlich, dass jeder Bewohner einen angemessen Platz bekommt. „Denn es ist uns ein besonderes Anliegen, dass die uns anvertrauten Menschen in Ruhe und Würde umziehen können“, so die Generaloberin.

44 Mitarbeiter betroffen

Doch nicht nur Bewohner sind betroffen, auch 44 Mitarbeiter brauchen nun einen neuen Arbeitsplatz. Viele von ihnen bekommen laut Sprecher Wolfgang Dausch in den umliegenden ordenseigenen Seniorenheimen St. Elisabeth (Teisendorf) und St. Hildegard (Siegsdorf) ein Angebot zur Weiterbeschäftigung. Jedoch sei dies nicht in allen Fällen möglich, daher müssen auch Kündigungen ausgesprochen werden. Generalökonom Scheucher sichert aber auch hier Unterstützung zu.

Bürgermeister selbst betroffen

Bürgermeister Justus Pfeifer (CSU) erfuhr laut eigener Aussage ebenfalls in der vergangenen Woche von der Schließung, daher seien mögliche Handlungsoptionen seitens der Gemeinde „leider ausgeschlossen“. Er betont jedoch, dass er den Betrieb eines Pflegeheims nicht als Aufgabe seiner 7000-Einwohner-Gemeinde sehe.

„Die meisten Pflegeplätze werden von auswärtigen Mitbürgern in Anspruch genommen, die erst aufgrund ihrer Pflegebedürftigkeit nach Ruhpolding ziehen“, sagte der Bürgermeister der Chiemgau-Zeitung. Pfeifer ist sogar selbst betroffen, da seine beiden Großeltern in St. Adelheid untergebracht sind und nun eine neue Bleibe brauchen: „Das wird nicht leicht“.

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Das Haus selbst wird nach Auskunft der Barmherzigen Schwestern an die Regenbogen Wohnen gGmbH übergeben. „Wir sind ein Träger, für die Nachsorge bei psychisch kranken Menschen“, erklärt Sprecherin Margot Kainz.

Plätze für psychisch Kranke geplant

Regenbogen Wohnen ist in Ruhpolkding nicht unbekannt, denn schon 2013 hat der Träger den dritten Stock in St. Adelheid übernommen und ist auch im ehemaligen Schwesternwohnheim auf dem Gelände.

„Bei uns wird es betreutes Einzelwohnen geben wie auch einen vollstationären Bereich“, sagt Kainz. Anders als beim Altenheim sei die Versorgung von psychisch Kranken nicht mit so starken Auflagen im Baurecht verbunden. Daher sei derzeit keine Sanierung geplant. „Wir freuen uns sehr und wir sind sehr dankbar, dass die Schwestern weiterhin einen sozialen Zweck verfolgen“, so Kainz. 50 Plätze will Regenbogen Wohnen anbieten.

Kein Rückzug von Altenhilfe

Generaloberin Schwester Rosa Maria Dick betont, dass die Umnutzung von St. Adelheid keinen Rückzug der Kongregation aus der Altenhilfe bedeutet.

Die anderen fünf Alten- und Pflegeheime der Gemeinschaft würden fortgeführt. Auch das Betreute Wohnen in Ruhpolding bleibe in der Trägerschaft der Barmherzigen Schwestern. „Die Altenhilfe bildet – neben der Pflege von Kranken, Obdachlosen und Ausgegrenzten – einen unverzichtbaren Pfeiler unserer vinzentinischen Spiritualität“, so Schwester Rosa Maria.

Die Häuser der Barmherzigen Schwestern in Ruhpolding

Das Alten- und Pflegeheim St. Adelheid in Ruhpolding nahmen die Barmherzigen Schwestern zusammen mit dem Krankenhaus Vinzentinum im Januar 1971 in Betrieb. Pläne, das Seniorenheim zu schließen, gab es erstmals 2008. Allerdings entschloss sich die Ordensleitung damals, den Betrieb fortzuführen.

Aufgrund der für kleinere Krankenhäuser schwierigen wirtschaftlichen Situation zogen sich die Schwestern zum 1. Januar 2012 aus der Trägerschaft des Vinzentinums zurück. Seitdem ist das Krankenhaus in den kommunalen Klinikverbund der Kliniken Südostbayern AG eingegliedert.

Eine enge Zusammenarbeit der Ordensgemeinschaft mit der Regenbogen Wohnen gGmbH, die psychisch erkrankte Menschen in Wohngruppen versorgt und betreut, besteht schon seit dem Jahr 2013. Die gemeinnützige Organisation mietete zunächst das ehemalige Schwesternheim des Alten- und Pflegeheims St. Adelheid, später auch den dritten Stock des Hauses. Das ordenseigene Betreute Wohnen am Vinzentinum (ehemaliges Schwesternheim des Krankenhauses Vinzentinum) wird eine Wohnanlage für Senioren bleiben.

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